Wo ist Wilhelm Rosenthal

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Wo ist Wilhelm Rosenthal?

Was wird gegen ihn unternommen?

Berlin, 16. Januar.

'Der Fall Schultheiß-Patzenhofer, den wir in zwei unserer gestrigen Ausgaben aufrollten, wird immer mysteriöser. Wie erinnerlich stand in der Generalversammlung Herr Rosenthal auf und verlangte auf Kosten des Wohlfahrtsfonds der Gefolgschaft eine höhere Dividende. Wer Herr Rosenthal ist, wo er wohnt, ist in mystisches Dunkel gehüllt. Er hat seine Aktien bei einer Mittelsbank deponiert und diese verschanzt sich hinter das Bankgeheimnis.

Die Vorgänge in der Schultheiß - Versammlung sind aber so unglaublich, daß sich die maßgebenden Stellen dieses Falles annehmen müssen. Es ist einfach unmöglich, daß ein Mann mosaischen Namens (seine wahre Abstammung steht noch nicht fest) die gesamte deutsche Sozialpolitik öffentlich torpediert. In Kreisen der Schultheiß-Belegschaft hat man den Eindruck, daß es sich hier unm einen Racheakt entlassener jüdischer Hopfen- und Gerstenlieferanten handelt. Dafür spricht folgendes: Herr Rosenthal hat sich getarnt. Mit dem Vornamen heißt er Wilhelm, einen Wilhelm Rosenthal in Berlin-Charlottenburg gibt es nicht. Weiter, und das ist das Unerhörteste an diesem Fall, vertrat Herr Rosenthal bei einem Aktienkapital von 55 Mill. nur 3000 RM. Das heißt also, daß er selbst bei der geforderten Dividendenerhöhung um 1 vH. aus den Mitteln des Gefolgschaftsfonds nicht mehr als 30 RM. herausbekommen hätte.

Wegen dieser 30 RM. hat Herr Rosenthal gewiß nicht dieses Geschrei angestimmt, das wäre dieses Geld ihm gewiß nicht wert. Es muß etwas anderes sein, das Herrn Rosenthal bewegte, das soziale Gedankengut unserer Zeit öffentlich anzugreifen. Nun, wir sind der festen Überzeugung, daß sich die amtlichen Stellen dieses Falles annehmen werden. Es geht nicht, daß in einer Versammlung ein zweifelhafter Mann auftaucht, durch unglaubliche Zumutungen die von jeher sozial eingestellte Betriebsführung beleidigt und nach getaner Arbeit ins Dunkel taucht und verschwindet.

Herr Rosenthal verdient seine Straft. Es muß die Möglichkeit geben, einen Mann hinter Schloß und Riegel zu setzen, der es wagt, die betriebliche Sozialpolitik unserer Zeit zu verhöhnen. Nicht auf die 30 RM. kam es ihm an, es kam ihm sicherlich darauf an, an Schultheiß sein Mütchen zu kühlen.

Warum ist er untergetaucht, warum versteckt er sich? Etwa um seine Hintermänner zu decken? Wer sind die? Auch die Forma Schultheiß hat ein Recht darauf, daß ihr Recht widerfährt.

Quelle

  • Der Angriff - 17. 01. 1937, S. 2
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