Umwertung der deutschen Geschichte
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Alfred Rosenberg
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Umwertung der deutschen Geschichte.
Über deutsche Geschichtsauffassung
(Rede auf der Reichstagung des „Reichsbundes für deutsche Vorgeschichte“ in Halle a. d. Saale.)
Unsere heutige Tagung steht vornehmlich im Zeichen der wankend gewordenen Begriffe von Weltgeschichte und Entwicklung. Wir hatten uns hineingelebt in eine Geschichtsbetrachtung, in der erklärt wurde, daß man den Sinn der Weltgeschichte genau kenne, laut der man wußte, daß alle Ereignisse im Völkerleben auf das eine oder andere behauptete Ziel hinstreben. Man glaubte den „Sinn der Weltgeschichte“ in der Christianisierung aller Völker zu erblicken. Danach erleben wir im 18. Jahrhundert das Aufkommen der Vorstellung von der „Erziehung des ganzen Menschengeschlechts“, des humanistischen Ideals, auf das alle Erziehungsmethoden eingestellt waren. Diese beiden Begriffe einer allgemeinen Weltgeschichte und eines allgemeinen, für alle Völker und für alle Zeiten gültigen Weltziels, wie wir sie in der Christianisierung und in der Humanitätsidee haben, sind heute wankend geworden.
Überall suchen Menschen und Völker nach neuen Inhalten und neuen Zielsetzungen. Dieses neue Erlebnis des deutschen Volkes sagt uns heute, daß es im Grunde gar keine Weltgeschichte in jenem Sinne gibt, daß vielmehr jene scheinbar allgemeingültigen Ziele als Wünschen und Trieben bestimmter Menschen und Weltanschauungsgruppen heraus geschaffen wurden, daß sie aber doch nichts Endgültiges über das innere Werden und über die großen Kämpfe der Geschichte aussagen.
Es gibt keine Weltgeschichte, es gibt nur eine Geschichte der Völker und Rassen, eine Geschichte der verschiedenen Charaktere und eine Darstellung dieses Kampfes der Rassenseelen miteinander.
Die Geschichte ist in diesem Sinne ein Ringen von Volkskulturen gegen und mit Volkskulturen. Deshalb ist es aber doch nicht so, daß die Weltgeschichte etwa ihren Sinn verlöre, falls man die alten Werte nicht mehr gelten läßt. Die echten Gestalten der Weltgeschichte bleiben uns unverändert ehrwürdig. Das ist kein Relativismus, der durch diese Betrachtung in die Geschichtsforschung hineingetragen wird. Uns erscheint im Gegenteil die ganze Betrachtung der Geschichte eines Volkes unter einem einzigen universalistischen Gesichtspunkte als durchaus begrenzt und durchaus nicht den großen Aufgaben entsprechend, die uns die Völkergeschichte stellt. Daher haben wir heute einen anderen Blick gewonnen, und zwar sowohl für das heutige Leben als auch für die ferner liegenden Zeiten der Geschichte.
So scheint uns heute das Werden des antiken Griechentums in ganz anderen Formen vor sich zu gehen, als man sie bisher annahm.
Das Griechentum
erscheint uns heute nicht mehr als eine Einheit, sondern als ein Ringen der widerstrebendsten Elemente. Wir sehen, daß innerhalb des großen Komplexes, der mit dem Worte „Griechentum“ belegt wurde, die verschiedensten Kräfte miteinander kämpften. Erst wenn wir ausgeschieden haben, was von außen auf den Hellenen eindrang, können wir erkennen, daß das, was wir Griechentum nennen, ein Kampf war der verschiedensten Rassen miteinander, ein Kampf der nordischen Dorer mit den Völkerschaften Kleinasiens und damit zugleich ein großes Ringen der Götter des Lichts mit den Göttern der Nacht, der Kampf zwischen den Göttern des Himmels mit den Göttern der Erde, ein Kampf des Vaterrechts gegen die mutterrechtlichen Vorstellungen Kleinasiens. Und im Zusammenhang damit war es der Kampf eines freien Welterkennens, einer innerlich großen Volksseele mit Dämonie und Zauber des östlichen Mittelmeerkreises. Erst wenn wir das analythisch zu scheiden verstehen, und dem Schönheitsideal der Griechen auf bildnerischem Gebiete ebenso Platz schaffen wie dem Schönheitsideal des griechischen Menschen in Dichtung, Philosophie und Politik, werden wir begreifen, was Griechentum ist.
Dann werden wir auch begriffen haben, was durch viele Jahrhunderte hindurch den deutschen Menschen zu dieser Antike führte: die Tatsache nämlich, daß er in diesem griechischen Menschen und seinem Schönheitsideal seine eigene Gestalt oft besser verkörpert wiederfand als unter der Herrschaft jener Ideale früherer Jahrhunderte, in denen dieser deutsche Mensch um sein Wesen so schwer ringen mußte, daß ihm unter den Vorstellungen von Weltflucht und Naturverachtung das eigene Ich nahezu geraubt worden war.
Und so wie diese kurze Betrachtung der antiken griechischen Welt, so wird sich auch eine Umwandlung der Betrachtungsweise über andere Völker ergeben. Wir sehen jetzt nicht mehr unter einer bestimmten Dogmatik diese Entwicklung vor sich gehen oder unter einem Einheitszwangsgesetz, sondern wir sehen eine lebendige Dynamik verschiedener Volksgestalten und verschiedener Rassenseelen um die Herrschaft ringen. Und damit ist ein entscheidendes Wort ausgesprochen:
Die Weltgeschichte muß heute neu geschrieben werden!
Die Zeugnisse der großen Geschichte der verschiedenen Rassen sind nicht nur literarisch niedergelegt, nicht nur die Historiker schrieben darüber. Diese Historiker waren doch meist schon zu spät geboren, um Zeugen einer längst vor ihnen liegenden Entwicklung sein zu können. Vielmehr setzt hier das ein, was früher etwas geringschätzig die „Wissenschaft des Spatens“ genannt worden ist. Was diese Wissenschaft uns geschenkt hat, das sind historische Dokumente alles dessen, was sich in den vergangenen Jahrtausenden auf dieser Erde abgespielt hat. Und wenn wir heute erklären, daß die Dorer ein nordisches Volk sind, das vom Norden nach dem Süden wanderte und dort einen erbitterten politischen und militärischen Kampf führte gegen die eingesessenen asiatischen Völker, so ist das nicht nur eine Schlußfolgerung aus literarischen Zeugnissen, sondern es ist, viel tiefer gegriffen, eine Anerkennung auch jener Grabungsschätze, die uns in den letzten Jahrzehnten geliefert wurden.
Es ist für uns kein Zufall, daß der griechische Mensch den Rechteckbau als das Ideal seines Hauses empfindet. Denn wir wissen, daß der nordische Mensch den Pfostenbau als die Urform seines Hauses mitbringt. Manche Forscher, die jene Rassenzusammenhänge nicht kannten, konnten sich nicht erklären, woher es kam, daß auf dem Mittelmeerrundbau plötzlich ein rechteckiger Tempel entstand. Man konnte sich diesen Sprung in der angeblich einheitlichen Griechenseele nicht deuten, und erst heute, wo wir uns bewußt sind, daß es sich bei jenem Griechentum durchaus nicht etwa um etwas Einheitliches handelt, wissen wir, daß wir es hier mit dem Auftreten eines ganz neuen Menschen zu tun haben. Erst heute wissen wir, warum dieser aus dem Norden stammende Pfostenbau, der mit seinem Grundriß in vorgeschichtliche Zeiten zurückgeht, plötzlich in Griechenland auftritt. Das ist etwas, wozu die Vorgeschichte uns verholfen hat.
Und das ist eben die große Aufgabe der Vorgeschichte: die Steine in einem buchstäblichen Sinne reden zu lassen!
So glaube ich, wenn wir die Weltgeschichte oder, richtiger gesagt, die großen Züge der verschiedenen Völker durch die Welt erforschen, dann entrollt sich vor unseren Blicken etwa folgendes: Wir sehen in naher geschichtlicher Zeit europäische Völker den ganzen Erdball kolonisieren und beherrschen. Wir blicken weiter zurück in die Vergangenheit und sehen aus demselben Kraftzentrum heraus die Wikinger die Welt erobern. Wir gehen weiter zurück und sehen die großen germanischen Völker wandern und alle Nationalstaaten Europas gründen. Und ferner zeigt uns die Geschichte den Zug der Indogermanen über die Gebirgspässe nach dem Iran und bis nach Indien, den Zug der Dorer nach Griechenland wie den Zug der Italiker nach Italien.
Da setzt nun ein neues Forschen ein, ob diesen großen Zügen der Geschichte nicht noch weit ältere Züge hinzugestellt werden können, ob aus diesem Kraftzentrum des Weltballes noch andere Züge in vorgeschichtlicher Zeit das Gesicht der Welt bestimmten! Es setzt ferner die entscheidende Frage ein nach Exaktheit und nach Ideenbildung.
Die Geschichtswissenschaft ist nicht in dem Sinne exakte Wissenschaft wie etwa die Physik. Sie setzt sich zusammen zwar aus exaktem Forschen. Aber nach der Forschung setzt die Wertung ein. Wir können zwar nicht Naturgesetze werten, das entzieht sich menschlicher Kraft. Aber immer, wo menschliches Handeln und Kämpfen auftritt, da werten auch die Nachkommen die alten Kämpfe in späterer Zeit. Darum ist Geschichte nicht nur eine Angelegenheit sogenannter exakter Wissenschaft, sondern ein Suchen, gepaart mit einer neuen Erkenntnis und gepaart mit dem Recht auf eine neue Wertung.
Es ist in den letzten Jahrzehnten auch in der sogenannten objektiven Wissenschaft nicht selten ein großer erkenntniskritischer Irrtun zu verzeichnen. Die Wissenschaft glaubte oft, daß sie nur exakte und Erfahrungswissenschaft sei. Die Wissenschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten nur selten die erkenntniskritische Frage vorgelegt, wie denn Erfahrung entstehe und was in den Begriff „Erfahrung“ eingeschlossen sei. Wenn sie das überall getan hätte, dann wäre mancher phantastische Irrtum der Weltanschauung während der letzten Jahrzehnte nicht entstanden. Jeder exakte Forscher würde sich bewußt sein, daß das, was er Erfahrung nennt, sich schon aus Ideenbildung und Experiment zusammensetzt.
Das Experiment allein hat noch nie Wissenschaft gefördert, aus dem einfachen Grunde, weil es selbst nicht entstanden wäre, ohne daß jemand theoretisierend nach der Ursache gefragt hätte.
Millionen Menschen haben einen Apfel fallen sehen, aber kein einziger ist jahrhundertelang auf den Gedanken gekommen, zu fragen, warum er falle. Die Erkenntnis, daß nicht die Sonne sich um die Erde, sondern die Erde sich um die Sonne dreht, hat eine ganze Weltanschauung gestürzt und erbitterte Kämpfe um die Seele der Menschen gezeitigt. Und so ist erst auf Grund bestimmter Ideensetzungen genialer Menschen die exakte Wissenschaft später an diese Dinge herangetreten und hat in ihrer späteren Forschung nur zu leicht übersehen, was an diesen Dingen die Intuition genialer, großer Menschen war.
Das gilt auch für die Bewertung der Geschichtswissenschaft. Wenn in den letzten Monaten eine Debatte durch Deutschland ging, so ist sie, glaube ich, auf diesen Nenner der „Erfahrung“ zu bringen. Der Forschungswissenschaftler, der Millionen von Einzelheiten zu überprüfen und zu gliedern hat, hat damit auch eine große Aufgabe übernommen, für die ihm jeder Deutsche nur Dank sagen wird. Wir wollen an dieser Stelle gerade dem stillen Forscher diesen Dank aussprechen für Leistungen, die er zugunsten des Ganzen vollbringt. Aber wir wollen auch das Recht jener vertreten, die - oft ohne die Millionen Einzelheiten zu erkennen - doch den Instinkt für das Große und das Entscheidende besitzen und an einer Stelle durch eine naturgebundene Intuiton dieser Forschung neue Deutungen geben und neue Wege weisen, um damit ganzen Forschergeschlechtern Arbeit für Jahrhunderte zu schenken.
Die Urkunden müssen unparteiisch gefördert und gegliedert werden. Es muß die höchste Ehre des Forschers sein, hier frei und unabhängig forschen zu dürfen. Aber dann hört die sogenannte Objektivität auf, und das Urteil des Menschen setzt sich an ihre Stelle, um die gefundenen Urkunden zu prüfen und eben zu werten.
Wenn heute der nationalsozialistischen Gedankenwelt vorgeworfen wird, daß sie die „Objektivität der Geschichtswissenschaft“ einenge, daß sie die großen Darstellungen des Menschengeschlechts gefährde, dann erwidern wir, daß diese sogenannten objektiven Geschichtsforscher doch alle unter sich uneinig sind. Sie widerlegen sich selbst durch die Praxis ihres Handelns.
Es gibt heute eine katholische Weltgeschichte; sie setzt ein mit der angeblichen Einsetzung des Petrus durch Jesus Christus zur Gründung einer Kirche. Auf diesem gedanklichen Fundament baut sich hier die ganze weltpolitische und geistige Situation von eineinhalb Jahrtausenden auf.
Wir begegnen weiter einer protestantischen Geschichtsauffassung, die erklärt, da´ dieses Eindringen der Ideenwelt einer weltbeherrschenden Macht nur Unheil für die Freiheit des Denkens gebracht habe, und daß die Empörung Luthers einen neuen Abschnitt der Geschichte bedeute.
Und neben diesen konfessionellen Geschichtsauffassungen gibt es eine nationale Geschichtsbetrachtung, etwa eine französische oder englische Bewertung der Vergangenheit.
Ich glaube, daß die deutsche Nation, die in der Geschichte so große Forscher hervorgebracht hat, nun das Recht hat, zu erklären, daß mit der geistigen Wiedergeburt auch die Geburtsstunde einer deutschen Geschichtsbetrachtung geschlagen hat. Unser Blick senkt sich heute tiefer in die Geschehnisse als früher, reicht weiter zurück als in vergangenen Jahrzehnten und Jahrhunderten. An dieser Stelle obliegt es der nationalsozialistischen Bewegung, allen jenen Forschern der deutschen Früh- und Vorgeschichte zu danken, die in vergangenen Jahrzehnten, oft verspottet und verlacht, unentwegt diese Kämpfe um die Darstellung des Deutschtums der Vergangenheit geführt haben.
Ich glaube, daß Deutschland alle Ursache hat, nicht mehr so viel in Kleinasien und am Euphrat zu graben, sondern die Erde des eigenen Landes zu durchforsten.
Die Vorgeschichte ist, glaube ich, in ein neues Stadium getreten. Der Staat hat jetzt die Aufgabe, dieser neuen Wissenschaft auch eine Zentrale zu schaffen, um die Ergebnisse ihrer Arbeit zusammenzufügen und in einer streng wissenschaftlichen, aber bewußt deutschen Art zu gestalten, um diese Ereignisse dann allen deutschen Volksgenossen zu vermitteln. Es ist ein Riesengebiet, das hier gar nicht genau umschrieben werden kann, das aber in zahlreichen Vorträgen behandelt wird.
Ich möchte nur einen einzigen Punkt herausgreifen. Wir alle tragen auf unserem Banner ein bestimmtes Zeichen, und über dieses Zeichen und über die Bedeutung dieses Zeichens bestehen in Deutschland noch verschiedene Meinungen. Das Ausland spricht immer noch von der indischen Swastika, die wir übernommen hätten. Hier hat die deutsche Vorgeschichtsforschung schon nachgewiesen, daß das Hakenkreuz nicht aus Indien stammt, sondern in Zentraleuropa vor 5000 Jahren gefunden wurde.
Es wird die Aufgabe der Vorgeschichtsforschung sein, diesen Gang unseres deutschen Symbols des aufsteigenden Lebens in allen seinen Wandlungen und seiner fast immer gleichbleibenden schöpferischen Bedeutung darzustellen, die es für alle Völker gehabt hat.
Und Hand in Hand damit wird die nationalsozialistische Bewegung diese große Aufgabe übernehmen, nicht zu konstatieren, daß eine neue Sinngebung der Geschichte ihren Anfang genommen hat, sondern sie wird auch Forschern den Auftrag zu erteilen haben, eine neue Geschichte Deutschlands zu schreiben. Die Einleitungen dazu sind schon geschaffen, und die Vorarbeiten sind begonnen. Ich habe einige Parteigenossen und Wissenschaftler gebeten, sich an die Abfassung einer deutschen Geschichte zu machen, und ich hoffe, daß im Jahre 1936 eine umfangreiche, streng wissenschaftlich begründete, aber ebenso klar wertende Geschichte der Bewegung und damit Deutschland übergeben wird. Mit Freude stelle ich fest, daß unser alter Mitarbeiter, Universitätsprofessor Dr. Reinerth, den ersten Abschnitt dieser Geschichte verfassen wird, die nicht mit den Zimbern und Teutonen anfängt, sondern etliche tausend Jahre früher. Und wir sehen dann bei diesen einmal gemachten Feststellungen den großen Bruch in der deutschen Geschichte zwischen König Karl und dem Sachsenkönig Widukind anders, als die zünftige Geschichte es uns bisher dargestellt hat. Ich glaube, daß damit gewaltsam eine Fortentwicklung des deutschen Charakters unterbunden, das deutsche Rechtsgefühl vergiftet wurde, daß aus dem Westen eine andere Staatsauffassung, eine andere Wertung des Bauerntums entstand, daß, durch diese Herrschaft bedingt, geistige und politische Revolutionen in Deutschland durch die Jahrzehnte gingen, die erst heute zu einem Abschluß gelangen.
Eines müssen wir dabei sagen: Wer hat eigentlich das Recht, Geschichte zu schreiben? Geschichte bereitet sich zwar vor in manchen bürgerlichen Zeitaltern, manche Gärungen gehen im Friden vor sich. Aber was wir Geschichte nennen, ist immer Gestaltung großer geistiger und politischer Kämpfe, und ich glaube, die Triebfeder großer Kämpfer versteht nur der, der selbst gekämpft hat. Ich glaube ferner, daß ein großer politischer und weltanschaulicher Gestalter die Antriebe von anderen weltpolitischen Gestaltern, auch wenn sie Jahrhunderte zurückliegen, besser begreift als ein guter Bürger der Vorkriegszeit.
Das wird sich niemals ändern. Und deshalb sehen wir die Dynamik der Geschichte Deutschlands anders an, als man sie in ruhigen Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts betrachtet hat. Wir sehen den Kampf der Sachsen gegen König Karl, fortgeführt durch Heinrich den Löwen. Wir sehen in Luther einen nationalen Revolutionär und nicht nur den religiösen Protestanten. Wir sehen schließlich in der Bildung des brandenburgischen Staates einen völkischen Protest gegen das Heilige Römische Reich Deutscher Nation auf deutschem Boden. Und wir sehen, wie ein Preußenkönig Deutschland rettet. Man mag über Preußen sagen was man will, aber Preußen hat die Substanz Deutschlands geschirmt, und das gibt ihm ein bleibendes Ehrenmal für alle Zeiten. Mit dieser straffen preußischen Idee verbindet sich heute eine ganz Deutschland umfassende Weltanschauung. Diese Zuchtidee wird innerlich auf die Weltanschauung des heutigen Deutschland angewendet, das heute mit Adolf Hitler geboren wurde. Die früher Besiegten sind im 20. Jahrhundert Sieger geworden.
Über diese Auffassung ist in den letzten Monaten heftid debattiert worden. Einige große Historiker haben Leitartikel an die Zeitungen geschickt und erklärt, diese Auffassung widerspreche den gesicherten Ergebnissen der Geschichtswissenschaft. Nach ihnen hätte Heinrich der Löwe, wenn er an Stelle Barbarossas deutscher Kaiser geworden wäre, genau so gehandelt wie Barbarossa. Das stelle sich auch heraus, wenn man die Taten seines Sohnes betrachte, der auf der anderen Seite gestanden hätte. Hier müssen wir eines sagen: Die heutige Geschichtsbetrachtung wird sich abwenden von dieser rein psychologisierenden Darstellung der Weltgeschichte. Entscheidend ist der Protest und die Tat an sich.
Heinrich der Löwe mag persönliche Ambitionen gehabt haben; die Tatsache, daß er sich als Rebell gegen das Heilige Römische Reich Deutscher Nation stellte, hat zur Folge gehabt, daß der ganze deutsche Osten kolonisiert wurde, daß die ganze weltgeschichtliche Wendung dieser Rebellentat zu verdanken ist.
Deshalb ist unser Drittes Reich nicht die unmittelbare Fortsetzung des ersten Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, nicht die Fortsetzung von Habsburg, sondern die Fortsetzung aller jener großen Rebellen, die gegen Habsburger auftraten.
Schließlich wird uns gesagt, daß wir nunmehr tausend Jahre deutscher Geschichte auslöschen wollen. Ganz im Gegenteil, wir wollen den Kampf des Deutschen in der Geschichte wieder zur Geltung bringen!
Denn die Darstellung aller deutschen Widerstände gegen die universalistischen Machtpläne ist das Entscheidende der deutschen Forschung gewesen. Es ist nicht die Auslöschung aller Besten, aller ehemals Großen. Wir denken gar nicht daran, so große Gestalten wie Friedrich II. oder Barbarossa aus der deutschen Geschichte zu streichen.
Wir sehen nur die große Dynamik, die sich abgespielt zwischen Universalismus und Volkstumsgedanken. Wir können rückschauend auch zugeben, daß innerhalb des Universalismus deutsche Machtgestalten auftraten. Der größte unter diesen, Kaiser Friedrich II., hat schon das Vorbild eines modernen Staates aufgestellt.
Aber wir sagen uns ganz ehrlich: Wir stehen heute nicht innerlich rebellierend an der Seite der römischen Universalmonarchie, sondern klar auf der Seite des deutschen Volkstumsgedankens.
Nur wenn wir diese innere Wendung vollziehen, werden wir auch die politische Revolution vollenden können. Der Kampf dieser politischen Revolution in den vierzehn Jahren um ihren Sieg war nur möglich, weil Menschen mit einer unstillbaren Sehnsucht sich ein Bild des kommenden, einmal zu verwirklichenden Deutschlandsausmalten, nicht eine Phantasterei, wohl aber eine Lebensgestaltung, die aus den besten, tiefsten und stärksten Quellen des germanischen Erwachens kam. Der Sieg wäre heute ohne die große Sehnsucht nie möglich gewesen.
Sie haben in diesen Tagen vielleicht die Berichte über den Tod der deutschen Forscher im Himalajagebirge, von den Bekenntnissen jener Wenigen gelesen, die zurückkamen und ihren verzweifelten Kampf gegen die Elemente dieses Gebirges schilderten. Und doch glaube ich, jeder von denen, die zurückkamen, lebt heute mit dem Bild im Herzen, daß droben im ewigen Eise ihre Kameraden ruhen und sie nicht früher zurückkommen und Ruhe finden, ehe sie nicht den Berg besiegt haben.
So soll es auch im politischen und geistigen Kampfe sein. Hier ist uns unser Führer für alle Zeit ein leuchtendes Vorbild für alle.
Die deutsche Vorgeschichte, die heute exakt ihre Arbeit beginnt, hat die große Aufgabe, die Ehre Altgermaniens wiederherzustellen und damit eine Wendung auch der Beurteilung der gesamten Geschichte der Erde bei anderen Völkern herbeizuführen.
Wenn Sie diese Aufgabe ins Zentrum Ihres Forschens stellen, dann wird der Reichsbund für deutsche Vorgeschichte mit eingefügt werden in die große Kämpferschar unseres geistesgeschichtlichen Ringens des 20. Jahrhunderts und in seiner Weise ein Fundament sein für die Sicherung des Deutschen Reiches, für die Darstellung des ersten deutschen Nationalstaates.
Quelle
- Der Schulungsbrief, II. Jahrgang, 1. Folge (Jan. 1935), S. 6-11.
Anmerkungen
Im Original gesperrt gedruckte Abschnitte sind hier kursiv wiedergegeben. Ergänzungen in eckigen Klammern.
