Tradition und Neugestaltung
Aus NS-Archiv
Alfred Rosenberg
Tradition und Neugestaltung
- Die „Nordische Gesellschaft“ als berufene Trägerin des Kulturaustausches zwischen Deutschland und den Ländern des Nordens legt alljährlich zur Sonnenwende in Lübeck einen Rechenschaftsbericht vor dem deutschen Volk und vor allen Nationen des nordischen Kultur- und Wirtschaftsraumes über ihre Arbeit ab. Der nordische Gedanke als Ausdruck der geistigen und kulturellen Verbundenheit von Nord und Süd nimmt in der europäischen Schicksalsgemeinschaft eine bedeutende Stellung ein. Am „Tag des Nordens“ (22. Juni 1938) wies Reichsleiter Rosenberg darauf hin, daß alle Völker Europas früher oder später vor die Entscheidung gestellt werden, sich in den Dienst der großen europäischen Schicksalsaufgaben zu stellen. Eine Neugestaltung Europas wird nur dann fruchtbar sein, wenn sie von der Achtung für die Notwendigkeit der verschiedenartigen Lebensgrundlagen der Völker getragen ist.
Es besteht wohl kaum ein Zweifel darüber, daß nicht nur Deutschland, sondern sämtliche Völker des Erdballes sich - geschichtlich gesehen - in einem Zustand einer mit schnellen Schritten vor sich gehenden Umwandlung befinden, deren Ergebnisse für eine jede Nation heute noch nicht abzuschätzen sind. Im Fernen Osten spielt sich ein riesiger Konflikt ab, der sowohl politisch-militärischer Natur ist, als auch darüber hinaus ein Zeichen für lang vorbereitete innere Umwandlungen abgibt. - Der amerikanische Kontinent wird von politischen und sozialen Zuckungen erschüttert, die ebenfalls darauf hinweisen, daß sich hier vielfach entscheidende Änderungen der Struktur vollziehen. - Der Nahe Orient steht im Zeichen schwerwiegender rassisch-religiöser Konflikte, die sich unmittelbar auf das Mittelmeer und Europa auswirken. Und im Südwesten unseres alten Kontinents spielt sich nunmehr schon seit Jahren eine nationale Tragödie ab, die einen Beweis dafür liefert, daß die auseinanderstrebenden Tendenzen innerhalb der europäischen Völker zum Teil schon so weit gediehen sind, daß ein Volksteil wider den anderen die Waffe erhebt und, unter ganz verschiedenen Sympathien in der Welt stehend, eine nationale Selbstzerfleischung über sich ergehen lassen muß.
Der Kampf zwischen Traditionen in ihren verschiedenen Formen und einer irgendwie gearteten hervorbrechenden Zeit ist - so scheint es uns - Schicksal für alle geworden. Die Ereignisse des Weltkrieges zeigen eine Fernwirkung, die zwingend für alle sein wird.
Als der verewigte Houston Stewart Chamberlain auf seinem Krankenlager in Bayreuth 1915 von einem Amerikaner gefragt wurde, wie lange er wohl glaube, daß der Weltkrieg dauern würde, antwortete er: „Ich weiß es nicht, vielleicht 5 Jahre, vielleicht 10 Jahre, vielleicht aber auch 100 Jahre“. Er wollte damit ausdrücken, daß der Weltkrieg keine rein militärische Angelegenheit darstellte, sondern daß hier sehr verschiedene Grundsätze und Charaktere aufeinandergestoßen waren, was sich auch dann noch fortsetzen würde, wenn die Waffen niedergelegt wären. Und so stehen wir heute mitten in einer Auseinandersetzung nicht nur zwischen verschiedenen politischen Interessen, sondern zwischen verschiedenen Staatsanschauungen und damit, letzten Endes, Lebensbewertungen und Weltanschauungen.
Wenn ich hier von der Entwicklung in Deutschland spreche, so deshalb, um den Völkern des Nordens, wenn es geht, verständlich zu machen, daß die Ereignisse in Deutschland nicht zufälliger Natur sind, sondern ihre innere Logik besitzen. Dann aus der weiteren Erkenntnis, daß eine große Umwälzung, wie sie bei einem heute 75 Millionen-Volk erfolgt ist, schließlich nicht ohne Widerhall bei den anderen Kulturvölkern Europas wird bleiben können.
Wir sind der Überzeugung, daß, wenn wir das Geschehen in Deutschland mit einer großen geschichtlichen Epoche jüngerer Vergangenheit vergleichen wollen, hier nur das Zeitalter Martin Luthers als Vergleich herangezogen werden kann. Damals brach an verschiedenen Punkten das mittelalterliche Weltgefühl zusammen. Die Menschen, die sich noch zum Teil geborgen wähnten inmitten einer überlieferten Anschauung des Lebens, inmitten einer bestimmten sozial-politischen Ordnung, entdeckten plötzlich, daß sie diese innere und äußere Geborgenheit verloren hatten und ihre Sache gleichsam auf Nichts stellen mußten. In dieser entscheidenden Zeit hatten Hunderttausende den Mut, aus dieser Sachlage die Konsequenzen zu ziehen und sich zum Schicksal ihrer Epoche zu bekennen. Das, was heute als geheiligte Tradition vielfach verteidigt wird, ist einmal eine die ganze Welt erschütternde Revolution gewesen, die eine unmittelbare Neuordnung für die Hälfte der europäischen Völker einleitete und auch für den übrigen Teil nicht ohne schwerwiegende Folgen der inneren und äußeren Wandlungen gewesen ist. Aber diese für das deutsche Leben entscheidende Revolution stand, wenigstens für Deutschland, in einem Zeichen der Entwicklung, das die ganze Zeit bestimmte und, so glauben wir, erst heute nach 400 Jahren eine entscheidende Änderung erfahren hat. Als Luther, selbst immer mehr von den Kräften des Lebens gedrängt, seine Revolution vollzog, war das sowohl eine Empörung des religiösen Gemütes, als auch der Charakterprotest gegen eine fremd gewordene überlebte Welt.
Es war das Symbol einer bereits innerlich vollzogenen Abkehr vom Mittelalter, und starke Kräfte mühten sich um die Neugestaltung des Daseins. Diese Kräfte hielten Ausschau nach einem großen politischen Schutz für die Revolution des Mannes aus Wittenberg. Hier darf man als das entscheidende Kennzeichen dieser Zeit wohl feststellen, daß dieser militärische Schutz für die Revolution Luthers nicht vorhanden war! Die ersten Hoffnungen auf den jungen deutschen Kaiser konnten sich nicht erfüllen, da dieser halbspanische Habsburger für das Ringen der deutschen Nation kein Verständnis hatte und schließlich auch nicht haben konnte. Der Reformation Martin Luthers fehlte in Deutschland ein Kaiser Konstantin, der eine neue Anschauung der Welt mit einer zentral gesicherten Machtpolitik verbunden hätte. So kam es, daß sich dieser neuen Geisteswende verschiedene Territorialfürsten bemächtigten, einige zunächst guten Willens, andere, um mit Hilfe gläubiger Massen ihre politische Stellung gegenüber anderen Gruppen zu vertreten. Die große Welle, die noch einmal versuchte, die europäischen Staaten und vor allen Dingen Deutschland auf der Ebene einer Konfession zu einigen, mißlang, und wir unsererseits glauben heute schon die geschichtliche Feststellung machen zu können, daß Deutschland erst heute, nach 400 Jahren, ein neues Einheitsgefühl auf Grund einer neuen Anschauung des Lebens und der Welt sich errungen hat.
Die Mächte, die früher absolut sein wollten, sind nicht imstande gewesen, die Volkseinheit herbeizuführen, und deshalb sind sie heute, von der Ganzheit des Lebens her gesehen, partikulare Gewalten. Das moralische Recht, über die Zukunft des deutschen Volkes zu bestimmen, gebührt gerechterweise deshalb jener Bewegung, die, nach 400jährigem schwerem Kampf, diese deutsche Volkseinheit sowohl innerlich herstellte, als jetzt auch nach der Eingliederung Deutsch-Österreichs macht- und militärpolitisch garantierte.
Es täte gut, wenn die übrige Welt, ehe sie überhaupt mit Kritik an das neue Deutschland herantritt, die Mühe nähme, diesen hier kurz skizzierten geschichtlichen Prozeß sich bewußter vor Augen zu führen. Wir können heute die nationalsozialistische Bewegung schon ganz bewußt in die deutsche Geschichte einreihen und glauben, daß sie einmal von der Zukunft als eine starke und groß geformte Haltung des deutschen Charakters dastehen wird.
Das Mißlingen der Herstellung einer wirklichen Einheit von lutherischer Revolution und großdeutschem Staatswillen hatte in der Entwicklung dazu geführt, daß, da nun einmal die mittelalterliche Einheit zersprengt worden war, sich die Lebensgebiete immer mehr auseinanderentwickelten. Zunächst emanzipierten sich kleine Fürstenstaaten, die Politik des Souveräns, die Politik „an sich“ wurde selbständiges Lebenselement. Aus der theologischen Klammer befreiten sich verschiedene philosophische Systeme. Eine Anzahl solcher Philosophen und Philosophenschulen mühten sich, durch eine Erkenntniskritik oder eine systematische Philosophie „an sich“ ein Bild der Welt zu formen. Mit fortschreitender Entwicklung entstand eine angebliche „Wissenschaft“ der Wirtschaft und Weltwirtschaft. Auch diese glaubte man gleichsam unabhängig von den Charaktergestalten der Völker organisieren und formen zu können. Bis schließlich in den Weltstädten auch eine Kunst „an sich“, lebensfern, weltfern entstand und Objekt aller jener wurde, die als Geldmagnaten sich einen sensationellen Luxus glaubten gestatten zu dürfen.
Weltgeschichtlich gesehen dürfen wir wohl heute sagen: Es hat in diesen vergangenen Jahrzehnten viele Kunstformen und Formeln gegeben, aber keinen Stil; wir hatten viele Kirchen und Sekten - aber keine Religion. Wir hatten viele Philosophen nd Philosophenschulen, aber keine Weltanschauung! Und weil das so war, deshalb besaßen wir 500köpfige Parlamente und keinen wirklichen Führer von Volk und Staat. Deshalb besaßen wir riesige Banken und Konzerne, aber keine wirkliche Nationalwirtschaft. Schließlich war über vielen Theorien auf allen Gebieten der tiefere Lebensinstinkt verschüttet worden. Der Mensch in Deutschland konnte Spielball der Besitzer großer Nachrichtenzentralen, Börsenspekulationen und politischen Regierer einer Welt des Unterganges werden.
Deutschland stand vor der entscheidenden Frage, ob sein Fortbestehen in der Geschichte zu einem Ende gekommen sei, oder ob gerade die Teife des Falls die Voraussetzung für eine große Wiedergeburt darstellte. In dieser Zeit haben sich viele aufgemacht, die aus innerstem Charakter und innerstem Willen nicht zugeben wollten, daß der Sinn der deutschen Geschichte beendet sei. Aus allen Städten meldeten sich Männer, um einem Ruf des Widerstandes zu folgen, aber durch alle Stimmen hindurch drang der Ruf aus München.
Gleichwie eine starke Glocke, wenn sie einmal mit voller Wucht geschlagen wird, gleichgestimmte Glocken zum Mitschwingen zwingt, so hörten immer mehr Menschen auf den Ruf Adolf Hitlers; Männer und Frauen, die ihn nie gesehen hatte, wurden zur Fortführern dieses Rufes, und schließlich einigte sich in einem großen Ringen um die Seele des deutschen Volkes die ganze Nation um diese Persönlichkeit.
Entgegen manchen Stimmen des In- und Auslandes, welche heute die rein politisch-soziale Seite des Nationalsozialismus anerkennen, aber eine weltanschauliche Wende nicht sehen wollen, müssen wir durchaus eindeutig erklären: dieser politische Sieg und die Möglichkeit einer sozialen und militärischen Sicherung Deutschlands ist nicht eine zufällige äußere Erscheinung, sondern gerade die Folge einer inneren neuen weltanschaulichen Wende. Ohne diese neue Anschauung des Lebens und seiner Werte wäre der politische Sieg nicht zustandegekommen. Und deshalb haben wir auch früher nicht den halben oder Viertelmenschen aufgerufen, sondern an den ganzen Menschen appelliert - und aus dem gleichen Grunde hat immer nur der ganze Mensch uns geantwortet. Wir können von dieser Tatsache des Lebens nicht abgehen, wenn wir uns selbst nicht aufgeben wollen. Wir wollen noch heute nicht Viertel- und halbe Menschen und Nationalsozialisten, sondern ganze Menschen und ganze Nationalsozialisten haben. Wenn alte Institutionen, die beanspruchten, die deutsche Nation zu führen, 1918 nicht imstande waren, den uns unmittelbar bedrohenden Geistesmächten Widerstand zu leisten, so haben sie eine geschichtliche Gelegenheit versäumt.
Da man geschichtliche Chancen nicht zufällig an sich vorübergehen läßt, so ist damit das Urteil der Geschichte gesprochen und das Schicksal einer großen Gemeinschaft sicherlich berechtigt in die Hände jener gelegt, die sich zum Kampfe stellten, mit opferbereitem Einsatz sich den Sieg über die deutsche Seele erstritten und mit Hilfe dieses Sieges einen neuen Staat bauten.
Aus der tiefsten Niederlage ist die größte Widergeburt geworden, und alles das, was die Träumer in der großen deutschen Vergangenheit bewegte, wenn sie vom Reiche sprachen und nach einer inneren Einheit riefen, das ist geschichtliche Wirklichkeit geworden. In wenigen Jahren hat das Deutschland Adolf Hitlers die Ernte eines ganzen Jahrtausends heimgeholt. -
Das ist das Weitere, was wir unseren ausländischen Gästen sagen wollen, und wir meinen, daß diese geschichtliche Tatsache groß genug ist, um Achtung zu fordern. Achtung vor allen Dingen auch deshalb, weil andere Völker und Staaten, die nicht das schwere Schicksal Deutschlands zu tragen hatte, also nicht unmittelbar vor einem Abgrund um ihr Dasein kämpfen mußten, nicht die gleichen Maßstäbe anlegen dürfen, die man vielleicht an das Zeitalter des Biedermeier anlegen kann.
Wir glauben, daß deshalb dieses geschichtliche Ereignis irgendwie weit über die politischen Grenzen hinüberschwingt, weil die Probleme, die zunächst einmal unmittelbar sozial-politisch gestellt waren, auch die Probleme der übrigen Völker sind. Der Kampf zwischen einer überlieferten Welt des 19. Jahrhunderts und zwischen den einerseits chaotischen und andererseits neu gestaltenden Kräften ist im Gange, und alle großen sozialen und politischen Bewegungen, - sei es in Nord-Amerika, Süd-Amerika oder Frankreich - legen Zeugnis dafür ab, daß diese Gärungen entsprechend dem Charakter eines jeden Volkes zu irgendeiner Entscheidung führen müssen. Deutschland und Italien sind in Europa zweifellos zwei derartige Antworten, die die beiden Völker gemäß ihrer Eigenart, aber mit der gleichen Entschiedenheit ausgesprochen haben. Mag die Entwicklung bei anderen Nationen langsamer gehen, so sind die Probleme aber gegeben, und im Interesse aller Völker erscheint es notwendig, daß man nicht nur darauf wartet, daß ernste Prophezeiungen in furchtbare Erfüllung gehen, sondern daß man rechtzeitig die Stoßkraft der Entwicklung sieht, um das Leben dann, wenn irgend möglich evolutionär, einer neuen Zeit entgegenzuführen. Gewöhnlich begreifen breite Massen erst das Symptomatische einer Entwicklung, wenn sie täglich auf tausend und abertausend Einzelheiten stoßen. Dann erst verstehen sie, daß iese Einzelheiten keine Zufälle sind, sondern eine tiefere Bedeutung haben müssen. Dann erst verstehen sie die fernwirkende Kraft geschichtlicher Ereignisse, wie sie die Gegenwart mitgestalten, und dann begreifen sie am Ende, daß eine blutbedingte Haltung oder eine gegen das Blut gerichtete Weltanschauung entscheidende Konsequenzen oft erst Jahrhunderte nach ihrer Festsetzung nach sich ziehen.
Den breiten Massen eines Volkes kann man keinen Vorwurf machen, wohl aber jenen, die sich den Stimmen großer Warner als Führerpersönlichkeiten glauben entziehen zu können. So hat das Deutschland der Vorkriegszeit auf die Warnungen eines Nietzsche, Wagner, Lagarde und Chamberlain nicht gehört, sondern den Weg des 19. Jahrhunderts weiter beschritten und schwer dafür bezahlen müssen. Wir haben als Menschen der Tat aus der Lage der Dinge unsere Folgerungen gezogen, uns dem Schicksal gestellt, wie es war, und eine Wendung vollzogen, die der tiefsten Sehnsucht der Besten der deutschen Vergangenheit entspricht. So glauben wir auch, daß die Warnungen, wie sie z. B. bei Ibsen, Strindberg und Kierkegaard niedergelegt sind, auch nicht Zufälle, sondern Äußerungen tiefinnerster Art dieser skandinavischen Völker darstellen, denen nachzugehen man alle Ursache hätte. - Große Dichter sind oft das Vergrößerungsglas der Seelenzustände der Nationen, mit deren Hilfe man einen Lebensprozeß deutlicher ablesen kann als aus manchen sogenannten staatspolitischen Reden.
Ich bin der Überzeugung, daß es manchmal notwendig ist, ohne Rücksicht auf die scheinbaren „Notwendigkeiten des Tages“ Entscheidendes klar auszusprechen und es dann der Zukunft zu überlassen, ob dieses Ausgesprochene Widerhall bei jenen findet, an die diese Worte gerichtet werden.
Manche Institutionen der Nachkriegszeit, die behaupteten, Europa zu formen, sind hilflos gewesen gegenüber den tieferen Nöten unserer Zeit; sie dienten nur der egoistischen Herrschaft einiger weniger Gruppen. Trotzdem aber bleibt bestehen, daß wir alle unter dem gleichen Schicksal Europas stehen, und daß wir dieses gemeinsame Schicksal als Verpflichtung empfinden müssen, weil am Ende die Existenz des weißen Menschen überhaupt von dieser Einheit des europäischen Kontinents abhängt. Ob auf der einen Seite Kräfte der Tradition stehen, ob auf der anderen Seite revolutionäre Kräfte eine Neugestaltung schaffen, beide können sich innerlich anerkennen, wenn sie die Achtung aufzubringen vermögen vor der inneren Notwendigkeit des verschiedenen Strebens. Diese Achtung ist die Voraussetzung einer postulierten Gemeinsamkeit und ist auch die Bedingung für das sich neu bildende Leben, das zu einer gemeinsamen Kräftigung aller europäischer Staaten in ihrer Mannigfaltigkeit führen muß. Das fordert aber auch, daß die Kräfte sowohl der Tradition wie der Neuformung den Instinkt dafür aufbringen, was sich absolut feindlich gegen die Lebensgrundlage aller europäischen Staaten richtet. Man muß seinem Schicksal ins Auge sehen und darf die Klarheit dieses Willens nicht mehr von irgendwelchen sentimentalen Ideologien der Vergangenheit trüben lassen.
Wie nun auch immer der Einzelne oder ein Volk sich entschließen mag, den Fragen unserer Zeit entgegenzutreten, hier auf diesem „Tag des Nordens“ spreche ich die Hoffnung aus, daß immer mehr Kräfte aller um die Nord- und Ostsee gelegenen Völker sich an ihre Vergangenheit erinnern, an die Wurzeln ihres völkischen, kulturellen Wesens, daß sie alle in ihrer Weise entschlossen sind, inmitten eines großen gemeinsamen Schicksals sich ihrer Art gemäß zu formen. Dann wird auch dieser Tag des Nordens dazu beigetragen haben, das Bewußtsein von einem großen Schicksal zu stärken zum Besten sowohl des Lebenskreises, der von den Völkern des Nordens ausgefüllt wird, als auch zum Besten unseres alten und heute sich kraftvoll verjüngenden Europas.
Quelle
- Blut und Ehre IV, S. 128-137
Anmerkungen
Im Original gesperrt gedruckte Abschnitte sind hier kursiv wiedergegeben. Ergänzungen in eckigen Klammern.