Student und Politik

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Alfred Rosenberg


Student und Politik.

Zum Deutschen Studententag in Würzburg.
„Völkischer Beobachter“, 26. Juli 1923.

Die Zeiten sind vorüber, da es noch halbwegs verzeihlich war, wenn junge Burschen von Politik, Wirtschaft und dergleichen nichts wissen wollten und sich in ihre feuchten Korpshäuser und Kneipen zurückzogen. Heute zwingt das Leben jeden Deutschen ohne Ausnahme, Stellung zu nehmen zu den Kämpfen der Gegenwart bzw. sich innerlich mit Fragen des nationalen Lebens auseinanderzusetzen. Es ist zwar nicht notwendig, daß jeder sich in die einzelnen Verästelungen aller Fragen hineindenkt, wohl aber, daß er grundsätzlich sich entscheidet. Denn hier wie überall handelt es sich weniger um eine Verstandseinsicht, als um eine Herzens- und Charakterangelegenheit. Der deutsche Student hat zu wählen zwischen dem völkischen Staatsgedanken, wie er sich eben aus dem verlogenen demokratischen herausringt und gegen den staatszerstörenden Marxismus ankämpft, und zwischen der internationalen Staatsauffassung, die ihre letzte Folge in der Forderung der Weltrepublik kundtut.

Viele Deutsche glauben nun gewählt zu haben, indem sie sich laut als vaterländisch ausgeben und oft „Deutschland über alles“ singen. Prüft man aber, so findet man nur zu oft, daß selbst die ersten Folgerungen aus dem völkischen Mundbekenntnis nicht gezogen werden. Man darf vom Arbeiter nicht fordern, daß er den Klassenbegriff aufgibt, wenn man selbst Standesvorurteile predigt, ja diese auf der Straße derart zur Schau trägt, daß durch unreife Jungen oft verdorben wird, was ernste Studenten an Annäherung des gegenseitigen Empfindens erreicht haben. Es geht nicht an, sich als vaterländisch zu bezeichnen und sich auf den Boden der Novemberrepublik zu stellen. Es geht nicht an, sich deutsch zu nennen und die „Frankfurter Zeitung“ zu lesen. Es ist unmöglich, in Zukunft Führer zu sein, wenn man zur Zeit eines nationalen Verzweiflungskampfes formellen Schranken innerhalb des Burschenlebens, die längst überlebt sind, eine Berechtigung zuerkennt und sie nach dem Gesetz der Trägheit weiterhätschelt, obgleich man innerlich selbst fühlt, daß es Zeit wäre, sie abzuschaffen.

Das deutsche Studententum zog einst seine eigentliche Kraft nicht aus der Bierkneipe, sondern aus einem Staatsgedanken. Ein solcher war es, der die Burschenschaften schuf; ein solcher war es, der die Studenten 1848 auf die Barrikaden trieb. Ob nützlich oder nicht, jedenfalls lebte damals eine seelische Kraft in der deutschen Studentenschaft. Sie zeigte sich auch 1914, als ganze Korps geschlossen in den Krieg zogen. Sie zeigte sich in den Kämpfen an der Ruhr und in Oberschlesien. Und doch war es jetzt schon anders, ganz anders. Denn dort in Oberschlesien kämpften deutsche Studenten nicht mehr für einen deutschen Staatsgedanken, sondern für die „Ruhe und Ordnung“ der plutokratisch-marxistischen Novemberrepublik. Die Fußtritte, die sie erhielten - siehe neuerdings Schlageter - haben viele noch nicht wachgerüttelt, noch nicht die Einsicht wachgerufen, daß des kommenden Deutschen Reiches Herrlichkeit eine innere Neugeburt, die Durchsetzung eines neuen Staatsgedankens zur Voraussetzung haben muß, der es unmöglich macht, daß das deutsche Volk und seine Vertretung nichts sind als ausführende Glieder jüdischer Börsenmächte.

Wer dies noch nicht erkannt hat, in dessen Munde ist das Wort „Vaterland“ noch nicht wirkliches Leben geworden. Denn er ist vor den Folgerungen zurückgeschreckt, die jeder heute ziehen muß.

Der Studententag in Würzburg hat die Pflicht, aus dem Göttinger Bekenntnis die Folgerungen noch schärfer zu ziehen als bisher. Die Studentenschaften von Aachen, Köln und Bonn, die sich nicht einmal zur Göttinger Verfassung bekannt haben, sollen sich entscheiden, ob sie deutsch sein wollen oder nicht. Ist es z.B. nicht zum Lachen, in der „Kölner Universitäts-Zeitung“ (Nr. 5 vom 2. Juli) zu lesen: „Seid national ohne Phrase, ohne negativen Antisemitismus, völkisch mit der Liebe zum eigenen Volke in Lönsscher Art, in Flexscher Art und ohne verneinenden Phrasenhaß gegen das Fremde. Pflegt Rassengesundung durch Stählung von Körper und Geist.“

Zugleich wird erklärt: „Wir hatten einen Krieg verloren. Eine Revolution folgte...“; als wäre die latente Revolution nicht gerade die Ursache des verlorenen Krieges gewesen. Ist es nicht eine ganz üble Redensart, von Rassegesundung zu sprechen, wenn diese Gesundung planmäßig von jüdischen politischen und wirtschaftlichen Zentren unterbunden wird, dank dem ehemaligen auch-nationalen Staatsmännern, die außenpolitisch sich wie toll gebärdeten, aber innenpolitisch hinterm Geldsack der alljüdischen deutschen Banken trollten! Positiven Antisemitismus stellten sich die Herren vermutlich so vor wie die „Deutsche Akademische Rundschau“, die koschere jüdische Anzeigen bringt, jeden Studenten zur Abnahme eines Pflichtbuchs zwingt und Jehova einen guten Mann und Rathenau einen herrlichen Wiederaufbauminister sein läßt.

Mit solchen Mätzchen und üblen Phrasen ist dem deutschen Volke nicht gedient. Der Ruf „Burschen heraus!“ er schallt heute berechtigter und eindringlicher als je zuvor. Das völkische Großdeutschland muß und wird einmal kommen, mit oder ohne die deutsche Studentenschaft. Aber an jeden wird einst die Frage gestellt werden: „Was tatest du, als es geboren wurde“

Es gibt heute kein Herumdrücken und kein Ausweichen mehr. Der Würzburger Tag wird zeigen, wozu sich die deutsche Studentenschaft entschließt. Stellt sie sich völkisch ein mit allen Folgerungen, dann darf sie sich nicht wundern, demgemäß beurteilt zu werden. Sie wird um nicht gebeten, sondern es wird ihr nur gesagt, was zu tun ihre Pflicht ist.

Quellen

Anmerkungen

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