Stresemann strebt immer höher!
Aus NS-Archiv
Alfred Rosenberg
Stresemann strebt immer höher!
- „Völkischer Beobachter“, 26./27. August 1923.
Die neue Rede Stresemanns entspricht vollkommen dem erzbergerhaften Aussehen des neuen monarchistischen Kanzlers der Novemberrepublik. Er verspricht der Entente eines nach dem andern, und wir glauben, daß er sich nicht verspricht, sondern allen Ernstes bereit sein wird, mit Hilferding, Mendelssohn und Genossen alle Kräfte zu alarmieren, um den „scharfen Eingriff in die Vermögenssubstanz“ zum Besten der Wiedergutmachung des jüdisch-französischen Krieges durchzuführen. Wir sind überzeugt, daß dem Frankreich und den Franzosen auch vielversprechend erscheinenden neuen Reichskanzler die Tatkraft nach innen, dem ausgeplünderten deutschen Volk gegenüber nicht mangeln wird. Die „Notwendigkeiten“ müssen eben durchgesetzt werden.
Ohne Widerspruch vermerkt Herr Stresemann ferner die „praktische Lösung“, die Poincaré in seiner letzten Rede zu Charleville in bezug auf die sogenannten „Garantien“ vorgeschlagen hat. Als solche „positiven Pfänder“ werden die deutschen Eisenbahnen, die deutsche Wirtschaft und die deutschen Zölle angesehen. Ferner erklärt Stresemann, das Memorandum vom 7. Juni bleibe auch ferner die Grundlage, daß die private deutsche Wirtschaft unmittelbar in den Dienst dieser Garantien gestellt werden wird.
Das alles ist eindeutig und klar: über die deutsche Wirtschaft, über die deutschen Eisenbahnen werden französisch-jüdische Kontrolleure zu bestimmen haben. Deutschland ist dann offiziell eine Sklavenkolonie seiner Feinde geworden und hat damit jede Selbstbestimmung wirtschaftlicher, politischer und völkischer Art restlos aufgegeben.
Aber Herr Stresemann bekommt es fertig, gleich darauf folgende Worte zu sagen: „Für die Freiheit des deutschen Bodens, für die Wahrung unserer Souveränität, sowie für die Konsolidierung unserer Verhältnisse sieht die jetzige Regierung das Opfer als nicht zu hoch an, einen Teil der deutschen Wirtschaft als Pfand für die Durchführung der deutschen Reparationsverpflichtungen anzubieten.“ Über die groteske Behauptung, als habe er etwas an „Souveränität“ zu wahren, erübrigt sich jedes Wort. Daß der neue „nationale“ Kanzler noch immer von „Reparationsverpflichtungen“ spricht, ist ebenfalls selbstverständlich, namentlich da er am Anfang der Rede betonte, auf die Schuldfrage nicht eingehen zu können.
Ebenso nichtssagend sind die späteren Versprechungen, eine Verpfändung des Ruhrgebietes selbst nicht zulassen zu können.
Hier müssen wir uns doch fragen: wenn überhaupt Zölle, Eisenbahnen und die ganze Wirtschaft als Sicherheitspfänder angeboten werden, warum denn nicht auch das Ruhrgebiet? Herr Stresemann braucht sich nicht zu wundern, wenn die „Rote Fahne“ jetzt erklären würde, daß er nichts anderes sei als der Angestellte der rheinischen und der an der Ruhr ansässigen Großindustrie, die unter bestimmten Abmachungen ihrer Sicherheit bereit sei, das ganze übrige Deutschland und die Kontrolle und restlose Ausplünderung seitens unserer Feinde zuzugeben. Da der stets gut unterrichtete Georg Bernhard neulich behauptete, Stresemann spreche nur nach genauer Formulierung seines Wortlautes, so müssen wir hier den Kanzler dringend um Aufklärung ersuchen, warum das Ruhrgebiet als Pfand ausgenommen, das ganze übrige Deutschland aber als solches ausgeliefert werden soll!
Daß verschiedene sogenannte nationale Blätter über die „energischen“ Worte, die Ruhr und das Rheinland betreffend, in Entzücken geraten sind, versteht sich von selbst. Daß sogar „ganz nationale“ Blätter ihren Widerstand gegen Stresemann einstellen, entspricht genau der Gehirnverkalkung, die seit Jahren in fortschreitender Entwicklung begriffen ist.
Am Schluß seiner Rede erklärt Herr Stresemann, die Gärung in den Völkern hätte ihren Nährboden in der „Unsicherheit der Geldverhältnisse“. Hier hätte Herr Stresemann noch einige Minuten Atempause machen sollen, um zu erklären, daß diese Anordnung der Geldverhältnisse die Folge einer ganz bestimmten Politik der Börsen in allen Weltzentren ist, und daß diese Herren der Großbankenund Börsen, die mit Hilfe gefälschter politischer Nachrichten, mit Hilfe einer verhetzenden Presse, und mit Hilfe von Kredit- und Warensperrungen die Unordnungen in die Welt bringen, die eigentlichen Feinde aller Völker der Erde sind. Wenn Herr Stresemann die Souveränität der Völker anruft, so hätte er es in diesem Sinne tun müssen. Er hätte die Augen aller Deutschen zunächst auf jenen großen Betrug hinweisen müssen, der sich seit Jahren und Jahrzehnten abspielt, auf jenen Betrug, daß alle deutschen Zahlungen nicht dem englischen und französischen Volke zugute gekommen sind, sondern ausschließlich den Börsen- und Industriekonsortien in Paris und London.
Quellen
- Völkischer Beobachter, 26./27. August 1923.
- Blut und Ehre III, S. 238-240.
Anmerkungen
Im Original gesperrt gedruckte Abschnitte sind hier kursiv wiedergegeben. Ergänzungen in eckigen Klammern.