Soldaten der Revolution

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Dr. Karl Buchholz


Soldaten der Revolution.

Der fast unerwartet große Erfolg des 24. Februar 1920 läßt Adolf Hitler nicht ruhen. Eine Versammlung folgt der anderen; jede Woche drängen sich im Festsaal des Hofbräuhauses die Menschen; immer wieder gelingt es der sicher wirkenden Kraft des Redners, die Massen zu beschwingen, sie mit sich fortzureißen.

Und weil er klar sieht und die Fehlerquellen der deutschen Politik richtig erkennt, erhält er einen Bundesgenossen, die ihm in die Hände arbeitet: die Zeit, die ihm in allen seinen Voraussagen recht gibt. Denn die Auswirkungen von Versailles beginnen sich jetzt auch bei dem einzelnen Volksgenossen bemerkbar zu machen. „Wahnsinn oder Untergang?“ - so lautet die Fragestellung, bei deren Beantwortung Hitler das Verbrecherische der November-Revolte mit ihren Folgen kennzeichnet.

Jede Verbeugung der bürgerlichen und marxistischen Größen vor den Staatsmännern des Feindbundes quittieren diese mit neuen Forderungen, eine immer härter und brutaler als die andere. Und man bringt das Kunststück fertig, auch diese Forderungen zu erfüllen, das Volk im Innersten auszusauegen und auszupowern. Die Lieferungen an Vieh, Kohle, Einsenbahnmaterial aus dem Waffenstillstandsdiktat sind noch nicht beendet, da werden die deutschen Handelsschiffe ausgeliefert, wird der gesamte deutsche Besitz im Ausland geraubt, werden Nordschleswig, Oberschlesien, Danzig aus dem Verband des Reiches gelöst. Und wenn ein Mitglied der interalliierten Kontrollkommissionen in Deutschland wegen seines unverschämten Auftretens die gerechte Strafe erhält, dann verlangen die Unterdrücker Entschädigungen ohne Maß. Das Reich aber zahlt und mahnt zur „Besonnenheit“.

Noch im Jahre 1927 schreibt die „Münchener Zeitung“ bei Betrachtung der Verhältnisse am Rhein: „Besonnen ist, wenn man sich eine Ohrfeige geben läßt und sie ruhig einsteckt.“ Diese Ansicht aber ist in den Jahren zuvor die öffentliche Meinung des deutschen Bürgers allenthalben.

Gegen eine solche Knochenerweichung auf der ganzen Linie wehrt sich Hitler im Frühjahr 1920 mit dem Ausruf: „Es gibt nur zwei Möglichkeiten: entweder ein Verenden im Stumpfsinn, d. h. bleibt ruhig und werdet Sklaven, oder Widerstand! Wenn es gelänge, 1½ Millionen auf einer Plattform in Deutschland zu vereinigen, Männer, die bereit wären, sich - wenn notwendig - für das Vaterland zu opfern, dann wäre Deutschland gerettet.“

Indessen liest der ehrsame Bürger in seinem Leibblatt einen Artikel „Zur Psychologie der Friedensbedingungen“, in dem gesagt wird: „Nur gegen den Militarismus richtet sich die Wut der Feinde; ist dieser erst einmal restlos beseitigt, dann wird man uns auch wieder besser behandeln. Die wahren Feinde sind eben nur jene Deutschen, welche die Waffenabgabe verhindern und die Feindbundstaaten stets von neuem reizen.[“]

Eine Darlegung, die nicht hindert, daß auf der nächsten Seite des gleichen Blattes in fetten Lettern steht: „Unmögliche Forderungen der Entente ... Hundert Milliarden Mark, zahlbar in jährlichen, noch zu bestimmenden Raten.“ -

Eilt diese Nachricht auch den später noch viel schlimmer werdenden Tatsachen voraus, so müssen die Erfüllungspolitiker in Deutschland und ihr optimistischer Anhang doch wieder einmal erfahren, daß die Feindbundstaaten durch keinerlei Nachgiebigkeit zu einer versöhnlicheren Haltung bewegt werden können. In den Julitagen des Jahres 1920 begeben sich u. a. der Zentrumskanzler Fehrenbach, der demokratische Außenminister Dr Simons, General v. Seeckt und der als Sachverständige hinzugezogene Industrielle Stinnes nach Spa in dem Glauben, dort mit den Vertretern der Entente verhandeln zu können, während sie in Wahrheit vor einen internationalen Gerichtshof zur Entgegennahme eines ebenso ungerechten wie grausamen Urteils geladen werden. Richter ohne Gnade sind die Staatsmänner der Entente gegenüber den erfüllungsbereiten deutschen Delegierten: der französische Ministerpräsident Millerand, die Engländer Lloyd George und Lord Curzon, der Italiener Graf Sforza und der Vorsitzende dieser „Konferenz“, der belgische Minister Delacroix. Und nur mit einem Lächeln tun sie Hugo Stinnes ab, als er aufbegehrt, weil nichts hinter ihm steht - keine Macht, keine Idee, kein blutvoller Wille - als nur der wirtschaftliche Selbstzweck eines nicht ganz ernst genommenen Industriemagnaten. Aber nicht nur ihm, sondern dem ganzen deutschen Volk erweist der marxistische Arbeitervertreter Hue einen schlechten Dienst, als er, von der internationalen Solidarität der Bergarbeiter faselnd, in Spa die Bereitschaft der deutschen Arbeiter bekundet, durch Überschichten Frondienste für die Entente und besonders für Frankreich zu leisten, damit dieses auf ein halbes Jahr monatlich die Lieferung von zwei Millionen Tonnen Kohle erhalte, deren Gegenwert auf die deutsche Reparationsschuld anzurechnen sei. Und als die Franzosen jetzt drohen, bei Nichtannahme oder unvollständiger Erfüllung dieser Forderungen das Ruhrgebiet zu besetzen, da unterzeichnen die Deutschen das Ausbeutungsprotokoll. Instinktlos geworden in ihrer Angst vor der Entente und zugleich bangend vor der nationalen Opposition im Reich, fühlen sie oder wollen sie das Bestreben Frankreichs nicht fühlen, eines Tages unter irgendwelchen Vorwänden dennoch an die Ruhr zu marschieren.

Zugleich aber hat diese erste Zusammenkunft zwischen Deutschen und Alliierten nach dem Friedensschluß mit seiner wirtschaftlichen Knebelung auch die Bestimmungen über die Entwaffnung Deutschlands gebracht, durch die man das deutsche Volk endgültig zur Wehrlosigkeit gegen die unersättliche Habgier der „Sieger“ verdammen wollte. Weit ist man dabei über das Versailler Diktat hinausgegangen, hat nicht nur die Ablieferung und Verschrottung jeglichen Kriegsmaterials wie Flugzeuge, Geschütze und Munition erpreßt, sondern man hat sich auch dazu verstiegen, die Auflösung der Bünde, Einwohnerwehren und all jener Organisationen zu fordern, die Deutschland bisher vor dem völligen Ruin bewahrt haben.

Den Schlußstrich unter die noch schwebenden Fragen der Entwaffnung und der Reparationen beginnen die Alliierten am 29. Januar 1921 mit den „Pariser Beschlüssen“ zu ziehen und beenden ihn bei der Londoner Konferenz im März und dem darauffolgenden Ultimatum im Mai 1921. Gestützt auf die Lüge von der Schuld Deutschlands am Weltkriege, wiederholt in London Lloyd George die Pariser Beschlüsse, nach denen Deutschland bis zum Jahre 1963 nicht weniger als 200 Milliarden Goldmark in 42 Jahresleistungen zahlen soll. Die schlecht vorbereiteten Gegenvorschläge des deutschen Außenministers Dr. Simons werden abgelehnt, und Lloyd George erklärt, daß sich die Entente „zu ihrem Bedauern“ gezwungen sehe, nunmehr „Sanktionen“ in Kraft treten zu lassen.

Diese bestehen in der am 28. März 1921 erfolgten Besetzung von Düsseldorf, Duisburg und Ruhrort durch alliierte Truppen, die damit an der Schwelle des Ruhrtales angelangt sind, bereit, den Vormarsch in das deutsche Kohlenrevier anzutreten, weil sie von der willensschwachen Regierung in Berlin einen Widerstand nicht zu fürchten haben. Eine Tatsache, die wieder einmal ihr trauriges Ergebnis zeitigen soll. Am 5. Mai 1921 überreicht Lloyd George dem deutschen Botschafter in London ein Ultimatum, in dem die Reparationsschuld zwar auf 132 Milliarden herabgesetzt, aber zugleich die vorbehaltlose Annahme dieser immer noch bis zum Wahnsinn überspannten Forderung verlangt wird, wenn die sofortige Ruhrbesetzung vermieden werden soll.

Gegen all das wagen die liberalen und marxistischen Unterwürfler der deutschen Regierung nicht einmal mehr auf dem Papier zu protestieren. Das neugebildete Kabinett Wirth nimmt das mit einer unerhörten Knebelung der gesamten deutschen Wirtschaft verbundene Londoner Ultimatum an. Selbst die einstigen Größen des so unschön verflossenen Kaiserreiches wissen nichts anderes zu tun, als von der Tribüne des Reichstages herab Klagelieder anzustimmen, die untergehen im Johlen der marxistischen und jüdischen Meute im Plenum jenes Hauses, das einst dem deutschen Volke zur Wahrnehmung seiner Interessen errichtet worden ist. Leise und kraftlos auch tritt das deutsche Bürgertum auf, unfähig, nur einen Finger zu rühren gegen jene, die auf nichts anderes bedacht sind als auf einen persönlichen Profit, der für sie bei dem Riesengeschäft des deutschen Unterganges herausspringen könnte.



Nur in München gärt es aus der Geschlossenheit einer kleinen, aber granitharten Kampfschar heraus, die sich fester von Tag zu Tag um Adolf Hitler schart. Zu einer Massenversammlung, in der er selbst gegen den Vernichtungswillen der Entente und gegen die Träger der Zersetzungserscheinungen im Innern sprechen will, ruft er noch im Winter auf. Er tut das aus eigener Initiative, gegen den Willen einer aus völkischen Verbänden bestehenden Arbeitsgemeinschaft, die ihn mit Zaudern und Zögern, mit Nervosität und Ängstlichkeit lange genug an entschlußfreudigem Handeln gehindert hat.

Rasch arbeitet seine Propaganda. Überall hängen die blutroten Plakate, liegen die roten Handzettel. Aufreizend wie die Farbe ist ihr Inhalt: „Glaubt nicht, daß das Deutschland des Unglücks und Elends, das Land der Schieber und des Wuchertums, dieser Freistaat jüdischer Korruptionen noch genesen kann durch Parteien, die sich immer auf den sogenanten Boden der Tatsachen stellen. Niemals! Auf, erscheint in Massen! Uns bringt Hilfe nur der Kampf gegen Schieber in Politik und Wirtschaft. Uns bringt Rettung nur eine tatkräftige Partei!“

In München weiß man, was diese Partei will, denn kaum ein Jahr ist verflossen, seit sie ihr Programm verkündet. Am 3. Februar 1921 nun soll von dem Gesichtspunkt nationalsozialistischen Wollens her die Bevölkerung Münchens wieder einmal in ganz großem Rahmen aufgerüttelt werden. Die Vorbereitungen hierzu sind ungewöhnlich, nie erlebt. Denn durch die Maximilianstraße in München fegen Lastwagen, rot drapiert und mit in dieser Zeit merkwürdig anmutenden Gestalten darauf. Einige noch in den alten, schäbig gewordenen Militärmänteln, die anderen in einfachen Windjacken. Und alle haben sie am Arm eine rote Binde, auf dem Kopf eine Skimütze und über ihnen knattern rote Hakenkreuzfahnen im Winde.

Adolf Hitler selber hat dieses Feld- und Ehrenzeichen der jungen Bewegung entworfen. Absichtlich hat er die ruhmvolle Farben des alten Reiches beibehalten, weil sie in Kampf und Sieg, in Not und Tod strahlendes Symbol der Einigung Deutschlands gewesen sind. Aber bewußt hat er eine neue Zusammenstellung geschaffen, um damit das Programm der jungen Bewegung leuchtend zu symbolisieren. Klar und eindeutig tritt der sozialistische Gedanke im feurigen Rot der Flagge hervor; hell kündet sich im Weiß das nationale Wollen und drohend offenbart das Schwarz des Hakenkreuzes den Mot zum Kampf für den Sieg des arischen Menschen über die jüdischen Eindringlinge.

Und leuchtend rot wie die Fahne des Nationalsozialismus sind auf jenen Lastwagen auch die Plakate, die durch die Straßen Münchens fahren, auf denen zur Teilnahme an einer großen Versammlung aufgefordert wird. „Juden ist der Eintritt verboten“, heißt es zum Schluß. Und nicht zuletzt dieser Satz ruft die Marxisten auf den Plan, die jetzt merken, daß ihnen mit der Fahrt dieser Lastwagen ein schon allzu lange angemaßtes Vorrecht streitig gemacht werden soll: das Recht auf die Straße!

Darum fliegen in den Vorstädten die Steine. Der „klassenbewußte“ Marxist ist nocht ohne weiteres gewillt, sein vermeintliches Recht auf die Straße an andere abzutreten, die, wie er mit Erstaunen feststellt, zwar der „proletarischen Klasse“ angehören, aber eine gänzlich neue Haltung zur Schau tragen.

Mit Hilfe dieser Männer hat Adolf Hitler den großen Sprung gewagt und zum Abend den weiten Saals des Zirkus Krone gemietet. „Zirkusdirektor“ ist er geworden, höhnen seine Feinde aus allen Lagern und prophezeien ihm einen gehörigen Reinfall. Denn 8000 Menschen faßt der riesige Raum. Daß es möglich sein soll, ihn auszufüllen, halten die Satten, die Überlegenden, die „Tatsachenmenschen“ für ausgeschlossen. Sogar die anderen nationalen Verbände haben vor einem Überspannen gewarnt. Und auch Hitler weiß: jeder Mißerfolg wirft ihn um Wochen zurück. Dennoch . . .!

Abends gibt es bange Minuten, denn wenig tröstlich sind die ersten Nachrichten. Endlich, kurz vor acht Uhr, heißt es: Dreiviertel der Plätze verkauft, und vor den Kassenschaltern noch große Menschenmengen. Als Adolf Hitler den vollbesetzten Riesenraum betritt, erfaßt ihn die gleiche große Freude, die er in der ersten Versammlung im Hofbräuhausfestsaal erlebt hat. Doch erst auf dem hochgelegenen Podium übersieht er die ungeheuren Menschenmassen völlig. Wie in einer Riesenmuschel breiten sie sich flächenartig vor ihm aus, selbst in der Manege drängt man sich. Und kaum hat er zu sprechen begonnen, da weiß er, daß dieser Abend ein ganz großer Erfolg sein wird. „Zukunft oder Untergang“, lautet das Thema. Zweieinhalb Stunden redet Hitler über die Ausplünderung Deutschlands, die Schmach der Kriegstribute, die Versklavung der deutschen Arbeiter und ruft schließlich aus: „. . . Wir sind Menschen und keine Hunde! . . . Wenn sechzig Millionen, Mann und Weib, vom Greis bis zum Jungen in einmütiger Entschlossenheit erklären: wir wollen nicht!, dann soll der Wille dieser Millionen wenigstens das eine sichern: die Achtung, die man dem verweigert, der die Peitsche küßt! Sechzig Millionen sollten darum der Reichsregierung zum klaren Bewußtsein bringen, daß, wer verhandelt, stürzt . . .!“

Die Zuhörer rasen und toben, ein einziger Schrei ist ihre Antwort: „Nieder mit den Novemberverbrechern!“ Dann ebbt der Beifall ab und geht in eine weihevolle Stille über, die Adolf Hitler später in diesem Raum so oft erlebt hat und die, wie er selbst schreibt, „jedem einzelnen wohl unvergeßlich bleiben wird.“ „Man hörte dann“, so sagt er im „Kampf“, „kaum mehr als den Atemzug dieser Riesenmenge, und erst als ich das letzte Wort gesprochen, brandet es plötzlich auf, um in dem in höchster Inbrunst gesungenen Deutschlandlied seinen erlösenden Abschluß zu finden. - Ich verfolgte es noch, wie sich langsam der Riesenraum zu leeren begann und ein ungeheures Menschenmeer durch den gewaltigen mittleren Ausgang fast 20 Minuten lang hinausdrängte. Erst dann verließ ich selbst, überglücklich, meinen Platz, um mich nach Hause zu begeben.“

Nur acht Tage später ruft Hitler die deutsche Jugend ins Hofbräuhaus. Wieder sieht man auf allen Straßen und Plätzen die feuerroten Handzettel und Plakate: „Deutsche Studenten, die ihr noch ein Herz habt für das heutige Leid eures Volkes, kommt. . . . Adolf Hitler spricht am 11. Februar 1921 pber „Deutsche Jugend, deutsche Zukunft.““



Auch aus den Kreisen der Dichter und Denker erhält Adolf Hitler freundliche Zustimmung und treue Bundesgenossen. Einer der ersten ist Dietrich Eckart, der für die Bewegung den flammenden Kampfruf geschrieben hat:


Sturm! Sturm! Sturm!
Läutet die Glocken von Turm zu Turm!
Läutet, daß Funken zu sprühen beginnen.
Judas erscheint, das Reich zu gewinnen.
Läutet, daß blutig die Seile sich röten.
Rings lauter Brennen und Martern und Töten.
Läutet Sturm, daß die Erde sich bäumt
Unter dem Donner der rettenden Rache.
Wehe dem Volk, das heute noch träumt,
Deutschland erwache!


Sturm! Sturm! Sturm!
Läutet die Glocken von Turm zu Turm!
Läutet die Männer, die Greise, die Buben,
Läutet die Schläfer aus ihren Stuben,
Läutet die Mädchen herunter die Stiegen,
Läutet die Mütter hinweg von den Wiegen.
Dröhnen soll sie und gellen die Luft,
Rasen, rasen im Donner der Rache.
Läutet die Toten aus ihrer Gruft,
Deutschland erwache!


Die Größe Dietrich Eckarts liegt nicht nur in seiner dichterischen Begabung, sondern sie liegt mehr noch im Blut dieses Mannes, das ihn zwingt, sich ohne Besinnen in den Dienst der großen deutschen Sache zu stellen. Geschehen in einer Zeit, da andere, die schließlich auch dichten konnten, ihr Talent zum Unterbau des jüdischen Internationalismus machten und teil hatten an jenem häßlichen Verrat, der unter den Nachwehen des großen Krieges an Deutschland verübt wurde.

Und ferner ist es der blutgebundene Instinkt, welcher Dietrich Eckart mit jenem Manne zusammengeführt, der - deutschen Stammes, vertrieben vom russichen Bolschewismus aus einer baltischen Ostseeheimat - mit Eckart an der Zeitschrift „Auf gut Deutsch“ arbeitet: Alfred Rosenberg. Ein begeisterter Anhänger Stewart Houston Chamberlains, dessen „Grundlagen des 19. Jahrhunderts“ er schon in jungen Jahren als seinen Katechismus betrachtet hat, ist Rosenberg nicht nur ein glühender Antisemit, sondern auch ein Künder großer Gedanken, die ohne Frage als Beginn einer völligen Umwertung der bisherigen Geschichtsauffassung in der abendländischen Geisteswelt zu betrachten sind. Jetzt schon spricht er über die kulturschöpfende Kraft der Völker nordischer Rasse, erkennt das Weltjudentum in seinem Machtstreben über die Völker, spürt dem Gewirr seiner Fäden nach, die es über den Erdball gesponnen hat und erkennt im Freimaurertum einen jüdischen Vortrupp, der unter der Maske einer bewußt falsch gesehenen Humanität das Heldische, Starke im Menschen unterdrückt und in den Logen eine große überstaatliche Organisation schafft, um diese den jüdischen Zwecken dienstbar zu machen. Daneben zeigt er auf, in welchem Maße sich die internationale Hochfinanz zur Herrin über die Arbeiterbewegung in allen Ländern aufgeschwungen hat. - Kein Wunder darum, daß Dietrich Eckart und Rosenberg schon früh zu den treuen Gefolgsmännern Adolf Hitlers gehören, mit dem sie sich durch Blut und Idee auf das engste verbunden fühlen.

Als im Dezember 1920 die Bewegung ein eigenes Organ in dem „Völkischen Beobachter“ erhält, übernehmen die beiden Freunde die Schriftleitung. Auf das ärgste befehdet von der jüdischen Regierungspresse und totgeschwiegen vom bürgerlichen Liberalismus, dessen Vertreter - nicht zuletzt die politisch Rechtsstehenden - die Nase rümpfen über diese „unfeinen Nazis, mit denen man sich natürlich nicht amalgamieren kann, weil sie sich auf der Straße mit dem ‚Pöbel‘ herumschlagen und alles andere sind als salonfähig.“ Standpunkt des „ehrsamen“ Bürgers, von ihm im Grunde beibehalten bis zur Gegenwart. Schlaffheit im Blut und von der Blässe fremder Gedanken bis ins tiefste angekränkelt, lehnt er in jener Zeit auch die Rassenthese Rosenbergs ab. Schließlich, so meint der Bürger, sind doch die Juden „auch Menschen“. Aber daß sie völlig andersgeartete Menschen sind, aus ihrer Rasse heraus dem deutschen Wesen ewig fremd bleiben müssen und nicht nur als Herrschende eine ungeheure Gefahr für die Einheitlichkeit des Deutschtums darstellen, das erkennt der materialistische Bürger nicht, dem die Nationalsozialisten schon wegen ihrer Armut als unbeachtlich oder gar als unangenehm erscheinen. Ein Grund übrigens, der nach bürgerlicher Meinung die junge Bewegung niemals zu einem Faktor im politischen Geschehen machen kann.

Doch es kommt anders. Zunächst gelingt es Adolf Hitler sowie seinen Mitarbeitern Eckart und Rosenberg, den „Völkischen Beobachter“ zu einem lesenswerten Blatt zu machen, das sich aus sich selbst heraus als Kampfzeitung erhält. Verfolgungen, denen Dietrich Eckart als verantwortlich zeichnender Hauptschriftleiter ausgesetzt ist, erträgt er mit Gleichmut, obwohl die recht zahlreichen Gefängnisstrafen seine Gesundheit derart untergraben, daß er schießlich an den Folgen der Haft stirbt.

Indessen wäre alle Arbeit umsonst gewesen, hätte Adolf Hitler in seinem alten Kompaniefeldwebel, Max Amann, nicht einen hervorragenden Geschäftsführer für den Parteibetrieb und insbesondere auch für den „Völkischen Beobachter“ gefunden, zu dem sich Xaver Schwarz als bedeutender Finanzverwaltung gesellt. Bei Übernahme dieses schweren Amtes erklärt Schwarz sogleich seinen Grundsatz, daß die Partei sich durch Beiträge der einzelnen Mitglieder zu erhalten habe und nicht bei irgendwelchen wohlhabenden Freunden betteln gehen dürfe.

Das große Werk aber kommt erst in Gang, als Adolf Hitler am 1. August sich gegen die Ausschüsse und einen gewissen Teil des Vorstandes in der Partei durchsetzt und nun die Führung der Bewegung allein übernimmt. Zielbewußt baut er sie nun auf nach dem Führerprinzip, nach dem germanischen Gesichtspunkt von Führer und Gefolgschaft, die geeint sind durch das Band der Treue. Der Führer kämpft für den Erfolg der Gemeinschaft und der Gefolgsmann für den Führer.



Immer stärker geht in dieser Zeit eine nationale Welle durch das Land. Was gut ist und kraftvoll in der Münchener Bevölkerung schart sich um Adolf Hitler. Grund genug für die bayerische SPD, den Aufstieg der jungen Bewegung mit Argwohn, Groll und schließlich mit Wut zu verfolgen. Denn für den Marxismus tritt nun etwas völlig Unvorhergesehenes ein: Die Absplitterung wichtiger Teile der Arbeiterschaft beginnt sich bemerkbar zu machen, und eine Reihe ehemaliger Marxisten bekennt sich zur NSDAP. In ihrer Angst um den Verlust von Anhängern zetert die Sozialdemokratie Tag für Tag in ihrer Presse über „die völkische Pest“. Ganz offen spricht die „Münchner Post“, das Zentralorgan der SPD Bayerns, davon, daß man die Bäume nicht in den Himmel wachsen lassen dürfe und es an der Zeit sei, jetzt endlich „proletarische Fäuste“ arbeiten zu lassen. Hinter den Kulissen aber klüngelt man an einem Plan, mit dem Ziel, die NSDAP zu zerschlagen.

Als die Herbstnebel über München brauen, durcheilt plötzlich ein Gerücht die Stadt: „Auer ist erschossen worden!“ Man weiß, daß es sich um den sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten handelt, der unter den marxistischen Anhängern besonders beliebt ist. Obwohl sich sehr bald herausstellt, daß dieses Gerücht unwahr ist und Auer selber lediglich angibt, daß man auf ihn gelegentlich [=während dieser Gelgenheit; nicht „ab und an“] eines Abendspazierganges ein Attentat versucht habe, trotz alledem ist das eine erreicht: die Gemüter sind bis zur Siedehitze erregt; eine Atmosphäre, aus der heraus die Marxisten sich zur Tat entschließen.

So kommt es zu einem denkwürdigen Tag in der Geschichte der Bewegung, dem 4. November 1921. Für diesen Termin hat die NSDAP eine Massenversammlung im Hofbräuhaus angesetzt. Am späten Nachmittag erhält Hitler die Nachricht, daß die Roten nun endgültig mit der Bewegung Schluß machen wollen. Doch jetzt ist es bereits zu spät, um ein stärkeres Aufgebot von kampfbereiten Parteigenossen zusammenziehen. Nur eine sehr schwache Ordnertruppe steht zum Versammlungsschutz zur Verfügung, nicht mehr als etwa 45 Mann. Da bleibt nur noch die Hoffnung, daß sich die marxistische Tatarennachricht als falsch erweisen würde, zumal derartige Alarmierungen schon öfter erfolgt sind, ohne daß sich etwas Ernsthaftes ereignet hat. - Aber schon beim ersten Anblick bietet der Saal des Hofbräuhauses kein angenehmes Bild. Lange vor Versammlungsbeginn ist er gefüllt mit annähernd tausend Marxisten; darunter in übergroßer Zahl jener Typ von Untermenschen, die, feige und brutal, zu jeder Gewalttat fähig sind. Dicht sitzen sie beieinander, erregt und aufgebracht, ein Zustand, der durch die Vertilgung von Unmengen Münchener Bieres noch gesteigert wird. Unaufhörlich schieben sich die Kellnerinnen durch den Raum, das Brett voll schwerer Maßkrüge. Hastig werden diese ergriffen, gierig geleert und einer zum anderen unter den Tisch gestellt. Über eine ganze Batterie solcher Maßkrüge verfügt darum bald jeder Marxist.

Stärker und stärker wogt das Stimmengewirr im Saal empor, vermengt mit lauten Zurufen an die Nationalsozialisten, als sie den Saal betreten. „Gebt auf eure Gedärme acht“, brüllt es allenthalben auf. „Besorgt euch Taschentücher, damit ihr eure Knochen nach Hause tragen könnt.“

Um ¾8 Uhr betritt Adolf Hitler den Saal und erkennt sofort den Ernst der Situation. Er läßt die Türen schließen, geht noch einmal zurück in die Vorhalle und sieht dort der in Reih und Glied angetretenen Ordnertruppe ins Auge. Eine kurze zündende Ansprache hält er darauf.

„Zum erstenmal“, so hebt er an, „werdet ihr der Bewegung auf Biegen und Brechen die Treue halten müssen. Keiner von uns darf den Saal verlassen, es sei denn, man trägt uns als Tote hinaus. Ich glaube an euch, an euren Mut und eure Zähigkeit. Ich weiß, daß keiner von euch mich im Stiche lassen wird. Erblicke ich aber einen, der sich als Feigling erweist, dann werde ich ihm persönlich die Binde herunterreißen und das Abzeichen fortnehmen. Wir müssen eben kämpfen bis zum letzten Mann. Darum geht vor beim geringsten Versuch, die Versammlung zu sprengen, und seid eingedenk dessen, daß man sich am besten verteidigt, wenn man selbst angreift!“

Starr und gebannt steht einen Augenblick der kleine Trupp. Dann erklingt aus heiseren Kehlen ein dreifaches „Heil“, rauh und hart.

Der Ordnertrupp marschiert auf seine Plätze, ein Teil umgibt den Tisch, auf den Adolf Hitler nach seiner Gewohnheit steigt und zu reden beginnt. In den ersten aufbrausenden Beifall mischen sich sofort höhnische Bemerkungen und wieherndes Lachen. Doch zunächst zwingt Adolf Hitler die bunt zusammengewürfelte Zuhörermenge in seinen Bann und erwidert die Zwischenrufe mit der Geschicklichkeit eines geschulten Redners, der Neues zu sagen hat und dieses Neue aus den Quellen einer zwar tief fundierten, aber noch unbekannten Weltanschauung schöpft. Mit ganzer Seele wendet er sich an seine Gegner, an sie, die heute die Bewegung vernichten wollen. Und sie horchen auf, als er sie fragt, ob sie im Stumpfsinn zu Sklaven werden wollen; ob sie sich jahrelang aufgebäumt hätten gegen die kleinste Beeinträchtigung ihrer Rechte, nur um nach vierzigjährigem Kampfe vom überstaatlichen Kapital und seinen hauptsächlichsten Trägern, den Juden, unterjocht zu werden, die maßgebend und einflußreich hinter der bedrohlichen Macht des Feindbundes stehen.

Da schmettert ein Zwischenrufer ein „Pfui“ durch den Saal. Von vielen Stimmen wird es aufgenommen. Aber in das Lärmen und Toben dringen die Ordner und stellen noch einmal die Ruhe wieder her, so daß Adolf Hitler weitersprechen kann. Nun geißelt er die Führer des Marxismus, zeigt auf, wie es der gleiche Jude ist, der die Arbeiterschaft einst als Mehrheitssozialist geführt, um danach in ihren Reihen auch als Kommunist wieder aufzutauchen und nun in der Rolle des revolutionären Marxiten sein Unwesen zu treiben. „Ist es möglich“, so fragt Adolf Hitler, „daß dieser Jude die Arbeiterschaft jemals zum Kampfe gegen die Hauptstützen des Kapitals führen wird, mit denen er versippt und rassisch verbunden ist? Im Gegenteil, er wird euch hindern, den Kampf gegen die wahrhaften Ausbeuter zu führen, denn er kann nie und nimmer eure Befreiung wollen, dieser Jude, der ja nur von den Pfründen lebt, die ihm durch eure Knechtschaft anheimfallen.“

Zweieinhalb Stunden spricht Adolf Hitler. Recht flau ist die Stimmung unter den Marxisten geworden, und es scheint fast, als sollte die Versammlung ein Erfolg werden. Sie wird es, aber auf andere Weise, sls gedacht. Denn plötzlich setzen die Zwischenrufe wieder ein. Da springt mitten im Saal ein Mann auf und brüllt das Wort „Freiheit“ in die Menge hinein. Dies ist das Signal zum Angriff. Aus tausend Kehlen pflanzt sich der Schrei fort, die Meute erhebt sich, und ein ohrenbetäubender Lärm entsteht. Die Menschen schieben sich und drängen, sie johlen und brüllen; Stuhlbeine knacken, Tische brechen und Wurfgeschosse aller Art sausen durch die Luft.

Ein Bierkrug fliegt gegen Hitler. Verfehlt sein Ziel und zerkracht an der Wand mit hohlem Knall. Ein Schnellfeuer von Gläsern, Holzstücken und Scherben läßt den Saal erzittern.

Da springt ein baumlanger Ordner in einer wildkämpfende Gruppe der Marxisten. Unaufhörlich läßt er ein Stuhlbein niedersausen auf die Köpfe der Gegner. Mann an Mann fallen sie um ihn herum. Wie Wölfe stürzen sich die anderen Mitglieder des Ordnertrupps auf die Störenfriede, dreschen in sie hinein mit fanatischer Wut, drängen sie nach hinten und bahnen sich durch den Saal Gassen, die belegt sind von einer Unzahl wimmernder Körper am Boden. In Rudeln zu acht und zu zehn Mann kämpfen sie auf den verschiedensten Stellen des weiten Raumes, immer wieder angesprungen von der belfernden Meute.

Unbeweglich steht Adolf Hitler auf seinem Tisch, sieht, wie die Kameraden niedersinken unter den klaffenden Hieben der Marxisten, sieht, wie sie sich blutend immer wieder von neuem emporreißen und ankämpfen gegen wild wogende Haufen. An einer Ecke bricht Rudolf Heß zusammen, springt wieder auf, das Gesicht voller Blut und Schweiß. So stehen sie alle ihren Mann, wahrhaft getreu bis in den Tod, die Weber, Wutz, die Körner, Wichmann und besonders tapfer Maurice. Die Kleider zerrissen, die Körper voll Wunden, so raffen sie sich wieder und wieder empor, bis sich der Sieg auf die Seite der kleinen Gruppe von Nationalsozialisten zu neigen beginnt. Schon lichtet sich der Saal, fast undurchsichtig infolge der dicken Rauchschwaden über den Köpfen. Und in die Atmosphäre von schalem Biergeruch mischt sich die fade Süßlichkeit geronnenen Blutes.

Da durchzuckt, wabernder Lohe gleich, ein Feuerstrahl den dunstigen Raum und ein Knall peitscht auf; gleich darauf ein zweiter. Pistolen blitzen, eine wilde Schießerei beginnt. Besonders heiß geht es in der linken rückwärtigen Saalecke zu, in der ein großer Haufen erbitterten Widerstand leistet. Aber nun ist die Wut der blutenden Nationalsozialisten ins maßlose gestiegen. Zäh kämpfen sie, fanatisch, mit der Kraft von Männern, die der Kampf an den Fronten des Weltkrieges erprobt und gestählt. Nicht früher geben sie nach, bis endlich auch der letzte Störer aus dem Saal getrieben worden ist.

Von nun an aber nennt Adolf Hitler seine Kameraden, die an diesem Tage bewiesen haben, daß sie nicht ein landläufiger „Ordnertrupp“, sondern Soldaten der deutschen Revolution sind, „Sturm-Abteilung“: SA.

Auf seinem Tisch steht der Führer wie zu Versammlungsbeginn, schaut hinweg über das Chaos am Boden von zerbrochenen Stühlen, Scherben und verwundeten Menschen. Und neben ihm steht Hermann Esser, der seelenruhig verkündet: „Die Versammlung geht weiter. Das Wort hat der Referent.“



In München hält sich jetzt der Marxismus eine Zeitlang zurück und bis zum Jahre 1923 hat die „Münchner Post“ nicht mehr mit „proletarischen Fäusten“ gedroht. Feige verkriechen sich die roten Drahtzieher, nicht ohne aus ihren Verstecken gellende Angstrufe nach Berlin zu richten: „Helft, sonst erliegen wir der völkischen Pest!“

Allein die Reichsregierung, ohnmächtig aus ihrem schlechten nationalen Gewissen heraus, vermag nichts anderes zu tun, als das Reichsoberhaupt nach München zu schicken. Allein Herr Ebert hat dort keinen sehr schönen Empfang. Nicht nur, daß am Bahnhof eine rote Badehose gehißt wird - als Anspielung auf das in einer illustrierten Zeitschrift erschienene Bild, welches den figürlich nicht allzu reizvollen Präsidenten als Badeengel an der Ostsee zeigt -, sondern darüber hinaus begleiten die Münchener seine Fahrt durch die Stadt mit einem Pfeifkonzert, und aus der Menge heraus tönt ihm der recht peinliche Zuruf: „Landesverräter!“ entgegen.

Erst in Berlin kann der rote Präsident wieder aufatmen. Hier und in den außerbayerischen Teilen des Reiches ist ihm die Stimmung bei der breiten Masse, die nach wie vor unter dem Zeichen der marxistischen Propaganda steht, wesentlich gewogener. Denn dort benutzt man noch immer den Tod des einstigen Ministers Matthias Erzberger, der am 26. August 1921 von zwei ehemaligen Offizieren, Schulz und Tillessen, erschossen worden ist, zur Hetze gegen die nationalen Verbände, ohne jedoch zu sagen, aus welchen Gründen zwei an sich ehrenhafte, untadelige Männer zu einer solchen Tat gekommen sind. Nichts davon, daß Erzberger die Interessen des deutschen Volkes sowohl während des Krieges, als auch beim Abschluß des Waffenstillstandes zu Compiègne und später sogar gegen Bezahlung in verräterischer Weise preisgegeben hat; und ebensowenig davon, daß dieser Mann bis zum letzten Tage seinen unheilvollen Einfluß auf den amtierenden Reichskanzler Dr. Wirth ausgeübt und als stärkster Verfechter der Deutschland völlig ruinierenden Erfüllungspolitik zu gelten hat. Nichts von alledem. Es hätte sonst offenbar werden müssen, daß die beiden Offiziere als Angehörige einer Nation, die den politischen Mord nicht kennt, durch eine Politik des behördlich sanktionierten Landesverrates zu einem Verzweiflungsschritt getrieben worden sind, um das Volk von einem Vampyr zu befreien.

Und in gleicher Weise ist es ein Verzweiflungsschritt gewesen, als kaum ein Jahr später, am 24. Juni 1922, wiederum zwei frühere Offiziere, diesmal Kern und Fischer, die Beseitigung des Außenministers Walter Rathenau vornehmen. Ihn, den eine Anzahl Schüsse in der Königsallee niedergestreckt haben, kann man wohl als den bedeutendsten Vorkämpfer für die Errichtung einer jüdischen Weltherrschaft ansprechen, der, die Fernziele klug verschleiernd, seinen Willen und seine durchaus überragenden Verstandeskräfte nicht in den Dienst der deutschen Nation gestellt hat, sondern in den des jüdischen Volkes und dessen wirtschaftlichen Beziehungen. Daß ein derart schädliches Wirken in der Republik von Weimar möglich gewesen, fällt ihr zur Last. Nicht minder aber auch, daß dadurch zwei junge Menschen mit heißem vaterländischem Herzen und gesundem völkischen Instinkt zu einer Tat getrieben worden sind, die sie bei einer nationalen Haltung der herrschenden Gewalten nie und nimmer begangen hätten. Völlig selbstlos handelnd, haben sie Leben und Ehre als letzte Möglichkeit aufs Spiel gesetzt, eine Bresche in die Befestigung des jüdischen Regimentes in Deutschland zu schlagen. Und haben ihr Leben gelassen. Doch über die Ehre dieser Männer hat die Geschichte zu richten, die ihnen nie die Reinheit des Wollens aberkennen wird, geschweige denn die Ehrenhaftigkeit ihres Handelns.

Indessen haben jetzt die Mächte von Weimar einen Vorwand, sich in Drangsalierungen gegen die nationale Bevölkerung zu ergehen, beachten dabei aber nicht, daß Druck Gegendruck erzeugt, und daß es dadurch eines Tages zwischen dem nationalen und internationalen Element auf deutschen Boden zur Kraftprobe kommen muß. Wer wird auf lange Sicht der Stärkere sein? - Der Erfüllungskanzler Dr. Wirth (Zentrum) verkündet zunächst das Gesetz zum Schutze der Republik, das sich fast ausschließlich gegen nationale Kreise richtet. Dabei donnert er erhobenen Ermes die Worte hinaus: „Der Feind steht rechts.“

Mit einer Reihe von Ausnahmegesetzen und mit der Errichtung des Staatsgerichtshofes versucht man diesen „Feind“ zu bekämpfen und ruft zur moralischen Hilfeleistung sogar die Mächte von Versailles an. Der Stahlhelm wird aufgelöst, und auch die Regimentsvereine werden, obwohl augenfällig in ihrer Harmlosigkeit lediglich als Traditionshüter der ruhmreichen alten Armee gedacht, verboten.

All das wird, namentlich in Preußen, mit besonderer Strenge durchgeführt. In Bayern verhält man sich anders. Die bayerische Landesregierung, vertreten durch ihren Ministerpräsidenten v. Kahr, der im weiteren Verlauf der Dinge eine recht unschöne Rolle spielt, sucht sich den jüdischen Machenschaften der Berliner Gewalten zu entziehen. Mit Hilfe der nationalsozialistischen Kräfte gelingt es vorläufig, Bayern zum Hort vaterländischen Geistes zu machen, und es wird erreicht, daß die NSDAP in dieser Zeit der allgemeinen Auflösung noch nicht verfällt.

Dagegen tobt die rote Meute in Berlin. Offen berät die „Sozialistische Arbeitsgemeinschaft“, bestehend aus der Sozialdemokratie und den Unabhängigen Sozialdemokraten, über einen mit den Kommunisten gemeinsam auszuführenden Marsch nach München. Auf einer Berliner Betriebsräteversammlung weist der Kommunist Remmele darauf hin, daß Hitler von München aus das Proletariat zersetzt und die marxistische Arbeiterschaft verwirrt. Angelegentlich beschäftigt sich dabei Remmele mit zwei maßgebenden Persönlichkeiten des offiziellen München, die allerdings aus ihrem Zugehörigkeitsgefühl zum Nationalsozialismus schon damals keinen Hehl gemacht haben: dem Polizeipräsidenten Pöhner und seinem treuen Berater Frick.

Als sich nun die bayerische Regierung doch nachgiebig zeigt und vor den Forderungen der roten Herrscher Schritt für Schritt zurückweicht, veranstalten Hitler und mit ihm alle nationalen Verbände eine machtvolle Demonstration gegen das Republikschutzgesetz. Mit Sorgfalt trifft der Führer die notwendigen Vorbereitungen zum Aufmarsch. Zur festgesetzten Stunde stehen auf dem Königsplatz in München die einzelnen Formationen. Der Bund Oberland in seinen malerischen Trachten, die Regimentsvereine mit ihren Fahnen, die Offiziere in Uniform vor der Front, ferner der Bund „Reichskriegsflagge“, die Organisation des Forstrats Escherich und die Münchener Einwohnerwehr. Das sind Tausende, aber weit und mächtig dehnt sich der riesige Platz und die bisher erschienenen Bünde vermögen die gähnende Leere nicht auszufüllen.

Dies geschieht erst als Adolf Hitler mit der NSDAP erscheint. Ein unendlich langer Zug ist es. Voran die Musik, und nach einem Wald wehender Fahnen sechs Hundertschaften der SA. Geordnet in Reih und Glied, uniformiert mit Windjacken, marschieren die Soldaten der deutschen Revolution nach den Klängen preußischer Militärmärsche, hinter der SA die Sektionen der Partei, welchen ungezählte Mitläufer und Zuschauer folgen.

Fast hunderttausend Menschen füllen jetzt den Platz; in seiner Mitte Adolf Hitler, dessen Rede mit Jubel und Begeisterung aufgenommen wird, als er zum Schluß erklärt: „Bayern ist heute das deutscheste Land im Deutschen Reich!“

Wohl hat der rote Schutzbund gedroht, ja sogar versucht, den Nationalsozialisten das Recht auf die Straße, das Recht zur Demonstration und das Recht zur Verkündung nationalen Gedankengutes streitig zu machen. Aber sobald das rote Gesindel sich zeigt und auf den Zug eindringt, lösen sich einige Gruppen der SA-Männer, fertigen die Roten ab und stehen bald wieder in Reih und Glied, als wäre nichts geschehen.

Das war die Vorübung zu einer weit größeren Aktion. Für den 14. Oktober 1922 nämlich haben die nationalgesinnten Koburger, deren Stadt in jener Zeit noch ganz kommunistisch verseucht ist, zu einem „Deutschen Tag“ eingeladen und dabei den Führer gebeten, „einige Begleitung“ mitzubringen, weil die Kommunisten gedroht hätten, eine Gegendemonstration zu veranstalten. Als Adolf Hitler die Einladung kurz vor Beginn der Tagung erhält, alarmiert er seine Münchener Getreuen und gibt entsprechende Weisungen an die SA der Nachbarorte. In einer Stunde bereits sind 14 Hundertschaften mit mehr als 800 Mann am Bahnhof versammelt. Ein Sonderzug führt sie nach dem Norden. Ungewohnter Anblick sind diese Soldaten der Revolution im Reich, und überall, wo der Sonderzug hält, um weitere SA-Männer aufzunehmen, gibt es Aufsehen und Erstaunen. In vielen kleineren Orten hat man noch nie die Hakenkreuzfahne gesehen. Aber bei dem Empfang in Koburg drücken die Gesichter der Festleitungsmitglieder Bestürzung aus; hatten doch die ehrsamen Bürger mit den Führern der Roten eine schriftliche Vereinbarung getroffen, daß die Stadt nicht mit entrollten Fahnen, nicht mit Musik und ebensowenig im geschlossenen Zuge betreten werden dürfe. Dafür wollten die Kommunisten die Festteilnehmer nicht weiter behelligen.

Die anfängliche Bestürzung der Festleitung aber wird zum wahren Entsetzen, als Hitler nun erklärt: „Vereinbarungen mit diesen Menschen erkenne ich nicht an. Meine SA tritt vor dem Bahnhof in ihren Hundertschaften an. Wir ziehen mit unserer Kapelle und wehenden Fahnen, wie wir das gewohnt sind, durch die Stadt. Sie, meine Herren, brauchen sich ja an dem Marsch nicht zu beteiligen ...“

Vor dem Bahnhof nimmt die nach vielen Tausenden zählende Menge eine feindselige Haltung an. Schimpfworte werden den Ankommenden zugerufen. Doch in vollster Ordnung geht der Aufmarsch vor sich, und der lange Zug zieht, ohne sich von der Kommune provozieren zu lassen, durch die unbekannte Stadt. Polizeibeamte führen. Aber in ihrer Angst bringen sie die SA nicht in das Quartier, eine Schützenhalle am Rande der Stadt, sondern in den Hofbräuhauskeller, nahe dem Zentrum. Dort schließen sie schnell die Tore, um ein Nachdringen der feindlichen Massen zu verhindern. Nur mit Mühe erzwingt sich Hitler eine Öffnung des Kellers, um ins Quartier abzurücken. Darauf entwickelt sich in den Gassen der Stadt eine regelrechte Straßenschlacht, da die Marxisten mit Steinen gegen die SA-Männer vorgehen. Nun gibt Hitler den Befehl zum Angriff. In einer Viertelstunde ist die Straße gesäubert und den Roten gründlich die Lust vergangen, sich weiter an den Nationalsozialisten zu vergreifen. Wohl kommt es nachts noch zu schweren Zusammenstößen, aber die Straße gehört unbestritten der SA.

Als die Kommune für den Sonntag noch einmal zu einer Demonstration auffordert, kommen nur wenige hundert Menschen, die schleunigst das Feld räumen, als Hitler mit seinen Männern erscheint. Nun erst traut sich die bisher verschüchterte Koburger Bürgerschaft hervor. Wo sich die Hitlerleute zeigen, grüßen sie begeisterte Zurufe, und am Abend dankt Koburg seinen Befreiern von der roten Zwingherrschaft.

Schwierig sind dann die Verhandlungen am Bahnhof wegen der Rückfahrt. Das Eisenbahnpersonal weigert sich, die SA - im Verlauf der Fahrt auf 1500 Mann angewachsen - wieder nach Hause zu befördern. Adolf Hitler erklärt deshalb den Eisenbahnern: „Dann fahren wir allein. Aber in jeden Wagen packen wir von euch und euren Bonzen so viele, wie wir ergreifen können. Fahren wir dann zum Teufel, so geht ihr gleich mit.“ Als die Eisenbahner merken, daß Hitler tatsächlich Ernst macht und sie alle festnehmen läßt, geben sie nach und fahren mit dem Zuge ab.

So hat die SA ihre Kampfkraft gezeigt und damit ihre Daseinsberechtigung erwiesen. Von dem unerschütterlichen Glauben an den Führer getragen, aus der Hoffnung auf Deutschlands Rettung geschaffen, beginnt sie jetzt, das Werk zu vollenden, das auf den Schlachtfeldern des Krieges entstanden und durch die Revolte von 1918 unterbrochen worden ist. Durch den Opfersinn dieser Männer, durch ihre Disziplin, ihren glühenden Idealismus und ihren Kameradschaftsgeist wird die Bewegung fortan geschützt, die unter der sorgsamen und umsichtigen Pflege des Führers zum tragenden Element in der Erneuerung Deutschlands werden soll.

Quelle

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