Nicht genug an einer Blamage

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Nicht genug an einer Blamage

Neue Lügenversuche in Paris

Paris, 16. Januar.

Seit gestern ist ein neues Anschwellen der Marokkohetze gerade in jenen Kreisen zu beobachten, die schon vor acht Tagen als Drahtzieher und Träger der Verdächtigungen gegen Deutschland festgestellt worden sind. Den neuen Auftakt gab der französische Deputierte Grumbach. Der elsässische Jude greift in äußerst scharfer Weise das Deutsche Nachrichtenbüro an, das gewagt habe, zu erklären, Frankreich suche den Krieg in Marokko. Der Auswärtige Ausschuß der Kammer erhebe Protest gegen diese plumpe Entstellung der Wahrheit.

Krasser kann man die Wahrheit nicht auf den Kopf stellen, als es Grumbach versucht. Die Vorgänge, die sich am letzten Wochenende abgespielt haben und auf die eine ganze Welt aufmerksam geworden ist, dürften auch der Aufmerksamkeit des Herrn Grumbach nicht entgangen sein. Er weiß genau wie jeder Politiker Europas, woher die Verleumdungen gegen Deutschland stammen, und er weiß auch genau, wie berechtigt die Besorgnis ist, welcher die deutschen Meldungen über das französische Vorgehen in Marokko Ausdruck gegeben haben. Es ist bekannt, daß noch heute französische Garnisonen jene befestigten Plätze in Spanisch-Marokko besetzt halten, die sie während des Rifkrieges bezogen haben - und seitdem nicht mehr verlassen haben!

Die Methode des Herrn Grumbach verfolgt einen anderen, sehr durchsichtigen Zweck. Zweifelsohne hat die von seinen Gesinnungsgenossen begonnene Propaganda im Verlauf der ganzen Aktion im Angesicht der ganzen Welt eine totale Blamage erlebt! Diese Scharte auszuwetzen gilt der neue Ball, den Grumbach über die Bühne rollen läßt und den die geschäftige Madame Tabouis bereits aufgenommen und aufgefangen hat. Sie erklärt neuerdings, „es gäbe zwar keine deutschen Truppen in Marokko, aber es mache sich ein großer Zustrom von deutschen Technikern, Militärinstrukteuren und vor allem aktiv tätigen Festungsbau-Ingenieuren bemerkbar.“

Wir brauchen uns nicht damit abzugeben, Madame Tabouis auf den Weg der Wahrheit zu führen: es genügt für heute, die „Liberté“ zu zitieren, welche den Reisebericht eines Korrespondenten der Agentur Fournier veröffentlicht (neben der offiziösen Havas-Agentur das bedeutendste der französischen Nachrichtenbüros).

Er stellt fest, daß er nirgends im ganzen Lande deutsche Truppen angetroffen habe. Ursprung dieser Legende könne seiner Meinung nach die Ähnlichkeit zwischen der graugrünen Uniform der in Melilla liegenden spanischen Artillerie und den deutschen Uniformen sein. Auch der Kasernenbau für Deutsche sei ein Märchen! In ganz Melilla gäbe es schon seit langem keinen Neubauplatz mehr. Auch in Ceuta habe er keine modernen Kanonen gesehen. Die alten Kanonen der Forts könne man deutlich von der Strandpromenade aus immer noch wahrnehmen.

Quelle

  • Der Angriff - 17. 01. 1937, S. 2
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