Morgenland und Abendland
Aus NS-Archiv
Alfred Rosenberg
Morgenland und Abendland
- „Völkischer Beobachter“, 11. August 1921.
- „Nur der Deutsche kann im Zwecke für seine Nation
- die gesamte Menschheit umfassen.“ Fichte.
Jahrhundertelang sprach man in Europa von einem fernen, sagenhaften Morgenlande. Man glaubte, annehmen zu können, daß das Wesen der östlichen Völker nicht sehr verschieden sei, das Wort von „morgenländischer Kultur“ war eine oft gebrauchte Redensart. Das 19. Jahrhundert hat uns nun eines Besseren belehrt. Eigenartig und doch vielfarbig entrollt sich heute vor unseren Blicken das Wesensgefüge der verschiedenen Völker und Rassen, angefangen von näheren Verwandtschaften bis zum fast völligen seelischen Gegensatz China-Indien. Das Wort vom „Morgenlande“ ist für uns heute kaum mehr als ein erdkundlicher Begriff.
Seit Spenglers verführerisch-gleißendem Werk „Der Untergang des Abendlandes“ ist das Wort „Abendland“ zum Modeschlager der heutigen Großstadt geworden.
Es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß es neben vielen individuellen völkischen Eigenschaften auch Kultursinnbilder der Völker Westeuropas gibt, die eine innere Verwandtschaft bezeugen. Es hieße Eulen nach Athen tragen, wollte man näher auf das verwandte Gefüge der Kathedralen von Reims, Paris, Ulm, Straßburg, Lincoln verweisen, auf dem Parsifal, oder auf Tristan und Isolde ... Aber wir können wohl heute als Ergebnis folgendes buchen:
Das alte Rom ging zugrunde, als immer mehr und mehr Völkerscharen es überschwemmten, als es in Bastardierung verfiel, als Syrier und Sklaven Soldatenkaiser wurden, als ein Auswurf aller Rassen nach innerer Zersetzung das Land in seine rohe Faust nahm. Nur der Norden des Landes entzog sich dieser Völkerversuchung.
Dann kamen die „Barbaren“ über die Alpen. Eine Welle nach der anderen zog übers Land. Das neue Blut aber wurde aufgesogen und verschwand. Nur ganz im Süden und im Norden werden Germanen seßhaft, ja abgeschlossen. Bei Lockerung dieses zurückgehaltenen Vermischungsvorganges entsproß wieder in Italien eine Kultur, die vor allem mit dem Namen Florenz gekennzeichnet wird.
Wie Frankreich semitisiert wurde, darüber hat uns Gobineau ein erschütterndes Bild hinterlassen. Die afrikanischen und syrischen Truppen Roms durchzogen Gallien von Massilia bis zum Rhein. Die Etappen, die Garnisonen taten dasselbe, was in Rom geschah ... Auch hier bedeutet der Einfall der „Barbaren“ eine Blutauffrischung, und das früher ganz gotische Toulouse war ein Mittelpunkt des Widerstandes gegen die römischen völkervernichtenden Weltmachtansprüche. Die Albigenserkriege bedeuten die Ausrottung des germanischen Blutes im Süden des Frankenreiches. Das alte herrliche Paris, wo man noch im Mittelalter mehr flämisch als französisch sprach, war ebenso gotisch-germanisch, wie nur je die Normandie und das Friesenland. Bis auch diese Stadt überflutet wurde von Juden, Mischlingen aus dem Süden, Römern usw. und den Charakter verlor, wie das alte Rom. Am Ende des 18. Jahrhunderts wurde in Paris das Germanentum gebrochen. Nur in der Bretagne und in der Normandie verfügt Frankreich noch über nordische Kraftquellen.
Auch das vielgestaltige Deutschland hat gegen das heranziehende Chaos um sein Leben kämpfen müssen. Der Dreißigjährige Krieg bedeutete einen der fürchterlichsten Aderlässe, und selbst heute gibt es Städte und Ortschaften im Deutschen Reiche, von denen man sagen kann, daß das Germanentum nur schwach im Bewußtsein und im Instinkt lebendig ist.
Die Bezeichnung „abendländische Kultur“ ist eine neue Art von Internationalismus, den man uns auftischen will. Die Kultur Westeuropas ist zu drei Vierteln durch germanisches Blut bestimmt worden. Es heißt einen Begriff verwässern, wenn man das seelisch Wesentliche, wie es in einer Völkergruppe zusammengeballt war und ist, mit einem unfaßbaren, aus der Erdkunde entnommenen Namen bezeichnet. Die Geschichte Europas ist fast ganz die Geschichte des Germanentums, europäische Kultur ist germanische Kultur!
Die Entwicklung des letzten Jahrhunderts ist nicht so vonstatten gegangen, wie es verschiedene Flachköpfe voraussagten. Die leichteren Verbindungsmöglichkeiten haben die Völker nicht einander näher gebracht, sondern die Verästelung ist, umgekehrt, schnell fortgeschritten und hat einen derartigen Grad erreicht, daß es denn doch nicht einfach ist, heute eine „abendländische Kultur“ festzustellen.
Gewiß hoffen wir, daß die Schicksalsgemeinschaft der Völker Europas einmal allgemein ins Bewußtsein treten wird. Aber dies hat zur Voraussetzung, daß nach all den internationalen Revolutionen einmal eine völkische Revolution sich all der Lebensadern eines Landes bemächtigt, wo eben verseuchte Volksgenossen, Juden und Semitenknechte ihre unreinen Hände im Spiele haben. Hat die völkische Erhebung einmal Deutschland von den Schmarotzern in Berlin, Wien, Frankfurt, Breslau usw. befreit, hat sie den gesunden Gefühlen in England und Frankreich die Kraft gegeben, die Börsen von London und Paris mit ihren Insassen unschädlich zu machen, dann wird man vielleicht einmal von einem wieder gesundeten Abendlande sprechen können.
Für einen Mann, der zu spät recht hat, haben die Russen eine gute Bezeichnung; sie nennen ihn einen Philosophen mit einem hinteren Verstande. Ein solcher ist Spengler. Der „Untergang des Abendlandes“ kommt nicht, sondern ist schon gewesen. Die Wiedergeburt des Germanentums, des Deutschtums aber steht vor der Tür. Alle Spenglerischen Konstruktionen beziehen sich auf ein Vergangenes. Nur weil er selbst keinen Glauben mehr hatte, weil er selbst untergehen zu müssen annimmt, deshalb konnte er dies Buch schreiben, geistreich und flach zugleich. Alle diejenigen, die schon nicht mehr den Glauben ans Deutschtum besitzen, haben ihre Offenbarung erlebt, sie haben sich jetzt offen ausgeschieden. Spengler erregte die Gemüter, rief gute deutsche Kräfte wach, jetzt, nach ein paar Jahren schon, ist er geistig tot.
Bedauerlich ist es, wenn nun biedere Leute kommen und sich verpflichtet fühlen, von der „Auferstehung des Abendlandes“ Bücher zu schreiben, und gar schon aus Vereinsmeierei eine „Werkgemeinschaft des abendländischen Bundes“ gründen. So geschehen durch einen Herrn Dr. Dickel. Die Aneignung eines fremden Titels ist schon an und für sich Sensationsmache, wirkt aber in diesem Fall besonders komisch, wenn man Deutschland retten möchte, indem man einen neuen Internationalismus hervorzaubert.
Wir anerkennen nur eins: Solange es noch kein freies, völkisches Groß-Deutschland gibt, solange besteht auch ein Abendland für uns nicht!
Dies ist unsere einzige Antwort an Frager, Zweifler, Schwärmer und Verführer.
Quellen
- Völkischer Beobachter, 11. August 1921.
- Blut und Ehre III, S. 89-91.
Anmerkungen
Im Original gesperrt gedruckte Abschnitte sind hier kursiv wiedergegeben. Ergänzungen in eckigen Klammern.