Jahreswende 1935

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Kurt Jeserich


Jahreswende 1935.

Wie immer, ist auch dieses Jahr mit frohen Hoffnungen, mit guten Wünschen, mit Glockenklang und Gläserklirren eingeleitet worden. Die Silvesternacht ist verrauscht, ein Festtag ist vorüber, und das deutsche Volk steht wieder an den Stätten seiner Arbeit. So wollen wir hier auch nicht von dem kalendarischen Beginn des neuen Jahres sprechen, sondern vielmehr von einem anderen Datum, das uns Nationalsozialisten denkwürdiger Erinnerungstag sein und bleiben wird bis in ferne Zeiten; ein Tag, der, so glauben wir, eingehen wird in die Geschichte der Nation als entscheidender Wendepunkt eines erwachenden Volkes: der 30. Januar! Jener Tag, an dem nunmehr das dritte Jahr des Dritten Reiches seinen Anfang nimmt.

Wir haben ein Recht darauf, diesen Tag mit Stolz und Freude zu begehen, und es gibt keinen Gutgesinnten, der uns dieses Recht streitig machen wollte. Ja, mehr noch: Es gibt heute wohl keinen echten Deutschen, der, zurückschauend, nicht die Stunde segnet, in der am 30. Januar 1933 die Sturmkolonnen mit lodernden Fackeln und wehenden Fahnen durch die Wilhelmstraße zogen, um dem greisen Feldmarschall zu danken, um den Kanzler Adolf Hitler, den Führer des Volkes, zu grüßen.

Mit diesem Triumphzug der SA hatte ein langer Marsch sein Ende gefunden. Der Kampf um die Macht, die erste Etappe einer großen Sendung, wurde mit einem vollständigen Sieg beschlossen. Aber nicht nur deshalb ist uns der 30. Januar Gedenk- und Feiertag, weil wir an ihm die Macht errangen und weil unter dem Gleichschritt der braunen Bataillone die deutsche Zwietracht zermalmt wurde, sondern vielmehr noch deshalb, weil damals auch ein ganzes Zeitalter dahinsank und nun erst am Horizont des deutschen Schicksals das Morgenrot des neuen, des 20. Jahrhunderts aufzuglühen begann.

Zwei Jahre sind seitdem verflossen; zwei Jahre zäher Arbeit und mutiger Entschlüsse. Grundlagen einer neuen Staats- und Gesellschaftsordnung wurden geschaffen, ein verrostetes Wirtschaftsgetriebe in Gang gebracht, Not bezwungen und der Lebenswille der Nation von den Schlacken befreit, die ihn hemmten. Eine Umwertung auf allen Gebieten setzte ein. In der Gemeinschaft wurde ein neuer Glaube verankert. Wenn wir Rückschau halten, so sind die Erfolge, gemessen an dem, was war, gewaltige! Rückschläge auf diesem oder jenem Gebiet vermögen am Gesamtbild nichts zu ändern. Und die Richtigkeit des eingeschlagenen Weges zu einer neuen Gemeinschaft der deutschen Menschen wird vielleicht durch nichts eindeutiger bewiesen als dadurch, daß die Nation auch die bitterste Enttäuschung, geboren aus Treulosigkeit und Verrat, die sie in diesem Jahr durchleben mußte, nicht nur ohne Schaden überstand, sondern sie nur zum Anlaß nahm, um aus dem Prüfstein der Untreue von wenigen den Markstein der Treue von Millionen zu gestalten. Die unseligen Junitage des vergangenen Jahres hatten letztlich doch nur eines zur Folge, daß sich das Volk fester zusammenschloß hinter dem einen, dem Führer, bereit, Helfer an seinem Werke zu sein.

Aber wir würden den Tag des 30. Januar nicht als echte Nationalsozialisten begehen, wollten wir uns lediglich damit begnügen, festzustellen, daß es auch im zweiten Jahre unserer Epoche vorwärtsging, daß wir arbeiteten und erfolgreich waren. Notwendig ist vielmehr, daß wir uns an diesem Tage vergegenwärtigen, welche gewaltigen Aufgaben noch vor uns liegen.

Rein äußerlich, politisch gesehen, ist die Revolution beendet. Aber der Kampf um die deutsche Seele geht weiter, muß weitergehen, wenn es uns gelingen soll, auf den Grundmauern, die gelegt sind, die deutsche Gralsburg zu errichten, die fest genug ist, um den Sturm ganzer Jahrhunderte zu überdauern.

Nicht die Schaffung materieller Werte ist die wichtigste Aufgabe des kämpferischen Geschlechtes unserer Tage, das sich in der Organisation der Partei zusammenschloß, sondern die Erweckung des germanischen Rassebewußtseins, die Neugeburt der deutschen Seele durch die Erkenntnis, daß unser lebendiges Blut der große heilige Strom ist, der uns verbindet mit den Taten der Altvordern und mit denen, die da kommen müssen!

Aus der Anerkenntnis dieses Blutschicksals wird sich die Charakterhaltung des deutschen Menschen ergeben, und nur sie allein wird den Weg in die Zukunft maßgeblich und dauerhaft beeinflussen können. Hier liegt die große Mission der Kämpfer der NSDAP. Denn erst, wenn es gelungen ist, die Gesamtheit des deutschen Volkes zu lehren, bewußt der Stimme ihres Glückes zu lauschen, wird der Sieg unserer Revolution für das nächste Jahrtausend gesichert sein. Denn es wird dann ein neuer deutscher Menschentyp entstehen, befähigt, den Stürmen seiner Zeit zu trotzen.

Wenn wir also feststellen, daß mit dem 30. Januar 1933 das erste Ziel - die Machtergreifung als Voraussetzung - erreicht wurde und die beiden vergangenen Jahre damit ausgefüllt waren, dem deutschen Volk den Weg für seine fundamentalsten Lebensmöglichkeiten freizulegen, so treten wir nunmehr in die zweite, schwerere und größere Etappe ein, in der es gilt, die Erziehungsarbeit der deutschen Volksseele zu bewältigen. Von dem Erfolg dieser Arbeit wird es abhängen, ob der 30. Januar tatsächlich auch im Lichte der Geschichte erstrahlen wird als der Gedenktag dafür, daß im Jahre 1933 einst ein neues Zeitalter begann, oder ob er nur gewertet werden wird als Auflehnung eines kranken Volkes, das letztmalig die Kräfte einer feindlichen Umwelt erkannte, aber schließlich doch zu schwach war, um sie endgültig zu besiegen. Niemand von uns kann sich mit einem solchen Ausgang der Ereignisse begnügen wollen. Notwendig ist aber, daß alle sich über die logischen Konsequenzen unseres Erfolges oder Mißerfolges im klaren sind. Notwendig deshalb, damit sich ein jeder, der Kämpfer im großen Heere Adolf Hitlers ist, die Verantwortung vergegenwärtigt, die er für das Schicksal seines Volkes übernommen hat. Zur Sicherung des Sieges wird es deshalb notwendig sein, daß sich ein jeder von uns selbst einer harten Schule unterzieht. Tag für Tag wird er sich prüfen müssen, ob seine Charakterhaltung, seine Treue, seine Leistung im Einklang stehen zu der Aufgabe, deren Lösung die Nation ein Recht hat, von uns zu fordern. Gleichgültig ist dabei, ob der Wirkungskreis der einzelnen kleinder oder größer ist, wichtig nur die immerwährende Einsatzbereitschaft der ganzen Kraft, deren er fähig ist. Dabei wird es dieser oder jener ertragen müssen, daß die Bewegung ihn ausscheidet, weil die Voraussetzungen, die sie zu stellen die Pflicht hat, bei ihm nicht vorhanden sind. Wir alle werden die Flamme der Auslese über uns ergehen lassen müssen, um zu beweisen, daß wir die nötige Härte und Festigkeit haben, die uns allein wert machen, die neue Aristokratie eines neuen Geschlechtes zu sein!

So wird sich dann der neue deutsche Orden bilden, der nicht nur ein Hort nationalsozialistischer Weltanschauung darstellt, sondern der ewige Kraftquelle der deutschen Seelenhaltung ist. Vorbild seien uns all jene, die für Deutschland bluteten und starben, seien uns die Großen der Geschichte, und leuchtendes Vorbild sei uns der Mann, dem wir den Eid der Treue leisteten: Adolf Hitler!

Das Schicksal hat uns in eine Zeit gestellt, die Geburtsstunde einer großen Idee geworden ist, einer Idee, die nicht „zufällig“ von den Sternen fiel, sondern die eiserner Wille formte aus einem göttlichen Funken. Wir sind als Träger dieser Idee beauftragt, Gestalter eines neuen deutschen Menschentyps zu werden. Das Werk, das wir begannen, wir wollen es vollenden. So wird einst über unseren Gräbern ein stolzes, erhabenes Denkmal in die Zukunft ragen, wie die Geschichte kein gleiches bisher zu verzeichnen hatte: Das ewige Reich der Deutschen!

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