Hilferding!
Aus NS-Archiv
Alfred Rosenberg
Hilferding!
- „Völkischer Beobachter“, 15./16. August 1923.
- Mitten in der Ruhrkrise 1923 hatte das Kabinett Cuno seinen Rücktritt erklärt. Ebert beauftragte darauf Stresemann mit der Bildung eines neuen Kabinetts auf „weiter parlamentarischer Grundlage“. Dieses Kabinett, das auf Zugeständnissen nach allen Seiten hin aufgebaut war, bestand u.a. aus: Robert Schmidt, Dr. Brauns, Sollmann, Dr. Deser, Geßler, Radbruch und Hilferding. Dem sozialdemokratischen Juden Hilferding war das Finanzministerium übertragen worden. Gleichzeitig mit der Veröffentlichung dieser Kabinettsliste im „Völkischen Beobachter“ erschien schon nachfolgende Stellungnahme zu der Person Hilferdings, der die schwerste Belastung des Kabinetts darstellte.
Stresemann hat sein Kabinett nun glücklich beisammen. Wir finden in ihm alle die alten bekannten Namen wieder, nur einer leuchtet uns neu und verheißungsvoll entgegen, das ist der Name Dr. med. Rudolf Hilferding. Mit diesem Namen hat das Kabinett Stresemann seinen eigentlichen Sinn erhalten. Deshalb ist es notwendig, sich mit der Persönlichkeit dieses österreichischen Juden etwas näher zu befassen.
Er ist 1879 in Wien als österreichischer Staatsbürger geboren, entstammt einer jüdischen Familie, studierte Medizin und war dann politisch tätig als Leiter einer marxistischen Schule in Berlin. Später „arbeitete“ er in der Redaktion des „Vorwärts“ und am 4. August 1914 trat der Jude Hilferding als nichtdeutscher Staatsbürger gegen die Bewilligung der deutschen Militärkredite auf. Nach der Revolution 1918 erwarb er das deutsche Staatsbürgerrecht und übernahm die Leitung des Hauptblattes der unabhängigen Sozialisten, der „Freiheit“. Das hinderte nicht, daß der unabhängige Kapitalistenbekämpfer in der kapitalistischen „Frankfurter Zeitung“ Artikel veröffentlichte, wie z.B. am 21. Dezember 1922.
Besonders wichtig in der heutigen Zeit ist die außenpolitische Haltung des Herrn Hilferding. Und da ist vor allen Dingen eine Rede dieses Hebräers auf dem französischen marxistischen Parteitag in Lille zu vermerken, wo Hilferding als Vertreter der Vereinigten Sozialdemokratie gesprochen hat. Nach dem Bericht seines Blattes, des „Vorwärts“, vom 6. Februar 1923, erklärte Hilferding: „Wir deutschen Sozialisten wollen nicht nur, daß Frankreich die Reparationen erhalten, sondern wir wünschen auch, daß ihm die notwendigen Garantien gegeben werden.“
Ferner sprach Hilferding die Ansicht aus, daß eine Lösung wirtschaftlicher Art möglich sei, und daß die Intervention der ausländischen Sozialisten eine Lösung herbeiführen würde. Mit diesen Worten ist das Schicksal des deutschen Volkes, das jetzt in die Hände des neuen jüdischen Finanzministers gelegt ist, deutlich umschrieben; denn das Versprechen der „Reparationen“ und das Versprechen der „Garantien“ aus einem Munde wie Hilferdings, dessen Partei kein Vaterland kennt, das Deutschland heißt, bedeutet die vollkommene Auslieferung der gesamten deutschen Wirtschaft und Industrie, die Auspressung bis aufs Blut, die Duldung der Bespitzelung aller unserer technischen Einrichtungen, die Anerkennung einer vollständigen Finanzkontrolle, mit einem Worte die vollständige Versklavung des deutschen Volkes.
Dieses Volk, namentlich aber die sogenannten bürgerlichen Parteien, welche die Stresemänner und Scheidemänner in den Reichstag gewählt haben, haben nun nicht das geringste Recht, sich über das kommende Chaos zu beklagen. Im Gegenteil, ein jeder Bürger der Deutschen Volkspartei, der einen Familienangehörigen nach dem andern langsam verkommen sieht, hat sich zu sagen, daß er mit schuld ist an diesem ganzen Elend unseres Volkes. Jeder christliche Zentrumswähler, der die Wirth und Genossen unterstützt und in Erzberger einen großen Katholiken sah, möge vor seinem Abgang ins bessere Jenseits noch einige Rosenkränze beten, die ihm über den Hunger, herbeigeführt durch die Wirthsche Erfüllungspolitik hinweghelfen können. Und die Deutschnationalen, die nach einer Rede des Herrn Hergt „deutschvölkisch bis auf die Knochen“ sind, und „ins Volk“ zu gehen versprachen, sie mögen sich sagen, daß ihre Führer zu feige waren und während ihres ganzen Daseins im Reichstag kein wahres Wort über die Zusammenhänge zwischen Börse und Marxismus und Judentum zu sprechen wagten. Die Wähler der „christlichen“ Bayerischen Volkspartei, die der Völkischen Freiheitsbewegung durch die Unterstützung der Schweyer und Genossen durch alle Jahre hindurch einen Knüppel nach dem andern zwischen die Beine warfen, können sich ebenfalls an die eigene Nase greifen, wenn sie sehen müssen, daß diese Freiheitsbewegung noch nicht so stark geworden ist, den Spuk der Hilferdinger unmöglich zu machen.
Die Severing und Genossen, die Levi und Cohn und die Stresemann aber können sich die Hände reiben: denn die große Koalition ist gekommen.
Für uns gibt es natürlich nur eine einzige Losung, und das ist: rücksichtslose Bekämpfung des neuen Erfüllungskabinetts, und in dieser Bekämpfung hoffen wir, daß auch manchem denkenden Wähler allmählich die Augen übergehen vor dem großen Theater, das noch kommen wird, und daß viele sich entschließen werden, eine Bewegung zu unterstützen, die nicht mehr Kämpfer für deutsche Freiheit hinter Schloß und Riegel setzt, sondern den Bedrücker hinter eiserne Gardinen steckt. Das ist der Tag, für den wir arbeiten, und der einst kommen wird und kommen muß.
Quellen
- Völkischer Beobachter, 15./16. August 1923.
- Blut und Ehre III, S. 235-237.
Anmerkungen
Im Original gesperrt gedruckte Abschnitte sind hier kursiv wiedergegeben. Ergänzungen in eckigen Klammern.