Genua
Aus NS-Archiv
Alfred Rosenberg
Genua.
- „Völkischer Beobachter“, 15. April 1922.
- Im April 1922 fand die große Konferenz von Genua statt. Als Vertreter Deutschlands nahmen an ihr Wirth und Rathenau teil. Im Zusammenhang mit dieser Konferenz schloß Rathenau mit Tschitscherin den Vertrag von Rapallo ab, der Deutschland auf lange Zeit an Sowjet-Rußland band. Auf dieser Konferenz wurde Sowjet-Rußland salonfähig. Tschitscherin wurde offiziell durch den Erzbischof von Genua mit Handschlag begrüßt. Nach der Genueser Zusammenkunft wurden dann die vollen diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Rußland wieder aufgenommen.
Das „feine Spiel“ zwischen Moskau und dem Westen, über das das alljüdische „Berliner Tageblatt“ jubelte, wird tatsächlich „enger und komplizierter“. Die „Russen“ locken mit allen möglichen Schätzen des Morgenlandes. Tschitscherin erklärt: „Rußland ist bereit, der Kultur Millionen von Hektar zur Verfügung zu stellen, ist bereit, Konzessionen zu erteilen und zwar Waldkonzessionen, Kohlen- und Mineralgrubenkonzessionen für seine unendlichen Schätze, besonders in Sibirien, sowie Konzessionen aller Art auf dem Gebiet der sowjetrussischen Republik.“
Diese Rattenfängermelodien sind für unsere Industriellen bestimmt, sich zu einem Wettlauf auf die märchenhaften Schätze Sowjetrußlands zu begeben und sich auf diese Weise mit dem Bestehen der Sowjetregierung nicht nur abzufinden, sondern sich geschäftlich an sie zu binden. Wir sehen uns schon lange der grotesken Tatsache gegenüber, daß die deutsche Industrie durch ihre Lieferungen ein politisches Werkzeug schleifen hilft, das bei der ersten Gelegenheit bereit ist, ihr die Schlagadern zu durchschneiden, und gegen das sie im Lande selbst den schärfsten Kampf führt.
Auf Tschitscherin hin traten die Engländer mit einem Memorandum hervor - natürlich auch zum „Wiederaufbar der Welt“ -, in dem die Anerkennung aller Schulden seitens Sowjetrußlands verlangt wurde, gleichzeitig die volle Bewegungs- und Handelsfreiheit für die Ausländer in Rußland. Zum Schluß wurde die Sowjetregierung auf den § 116 des Versailler „Friedens“vertrages verwiesen, der bekanntlich Rußland das „Recht“ auf Kriegsentschädigungen seitens Deutschland gibt! Die „Proletarier“ warfen sich in die Brust, lehnten den englischen Vorschlag ab, sagten, das arme Deutschland könne schon seinen Verpflichtungen der Entente gegenüber nicht nachkommen, könne also an Rußland erst recht nicht abführen. Außerdem sei Sowjetrußland an der Stärke der deutschen Wirtschaft sehr gelegen usw.
Schon vor einigen Tagen hatte Radek-Sobelsohn in Berlin gegen den Versailler Vertrag gewettert und auf diese Weise sich sogar die Herzen „nationaler“ Zeitungen gewonnen.
Im übrigen wird überall der „Kampf gegen den Weltkapitalismus“ betont.
Das Theater geht also seinen inszenierten Gang vorwärts. Der eine Teil der Spieler erstrahlt im hellen Licht des „Wiederaufbaus“, der andere steht in der Pose des Heldenkämpfers zur Befreiung der Unterdrückten. Und dann verschwinden die Schauspieler hinter den Kulissen..
Der deutsche Reichkanzler hat erklären lassen, daß der „bisherige Verlauf der Konferenz der deutschen Delegation keinen Anlaß zum Pessimismus gebe“. Man sieht hinter diesen Worten das ewige, strahlende Lächeln des Meisters Matthias Erzberger, der immer dann voll guter Hoffnung war, wenn er deutsches Eigentum verschenkte. Herr Wirth hat es schon so herrlich weit gebracht (z.B. den Dollar von 60 auf 330 Mark, eine gute Erfüllungsleistung), daß er tatsächlich mit Optimismus geradezu vollgepfropft sein muß. Rechts Herr Rathenau, links Melchior und Guggenheimer, gleich nebenan die französischen Humanitätsbrüder. Hoher Empfang beim Bischof von Genua, der leutselig von „Erfüllung aller deutschen Hoffnungen“ sprach, dahinter das Lob aller nicht von Ariern geschriebenen Zeitungen. - Wie soll man da nicht glücklich sein - auch in der Lakaienstellung!
Quellen
- Völkischer Beobachter, 15. April 1922.
- Blut und Ehre III, S. 188-189.
Anmerkungen
Im Original gesperrt gedruckte Abschnitte sind hier kursiv wiedergegeben. Ergänzungen in eckigen Klammern.