Fichte, ein Kämpfer für die geistige Einheit der Nation

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Alfred Rosenberg


Fichte, ein Kämpfer für die geistige Einheit der Nation

Anläßlich Fichtes 175. Geburtstag sprach Reichsleiter Rosenberg am 23. Mai 1937 in einer feierlichen Gedenkstunde in Rammenau, dem Geburtsort dieses großen deutschen Denkers. Der Reichsleiter hob den kämpferischen Einsatz Fichtes als Verkörperung einer aktiven im Leben stehenden Persönlichkeit hervor, die mit kühnem Mut an die Lösung der Probleme der Welt heranging, und ein großes Denkgebäude errichtete, das inmitten einer inneren Zerrissenheit ein stolzer Appell an die ewigen Charakterwerte des deutschen Volkes ist. Nach seiner Rede legte der Reichsleiter in Begleitung von Gauleiter Mutschmann einen Kranz an dem schlichten Gedenkstein des deutschen Philosophen und Predigers nieder.

Am 19. Mai d. J. beging das deutsche Volk den 175. Geburtstag eines Großen seiner Geschichte. Im kleinen Ort Rammenau als Sohn eines armen Webers geboren, war es Johann Gottlieb Fichte vergönnt, in einer schweren Schicksalsstunde das deutsche Volk aufzurütteln aus tiefer Mutlosigkeit und ihm ein neues hohes Ziel der Freiheit und nationalen Einigkeit zu setzen. Über seine Zeit hinweg aber wurde der Name Fichte für viele der Inbegriff heroischer Geisteskämpfe um die Freiheit des deutschen Denkens und für die Kraft einer bewußten deutschen Tat. So wirkte sein Lebenswerk über die Jahrzehnte hinweg klärend und in seinen Forderungen unnachsichtlich hart als eine der stärksten Erziehungskräfte zu deutschem Charakter und deutschem Zukunftswillen.

Bei jedem großen Menschen werden wir, um seine Gesamtpersönlichkeit zu verstehen, uns vergegenwärtigen müssen, inmitten welcher politischer Zustände und inmitten welcher geistigen Umwelt er geboren wurde, welches äußere Schicksal ihm entgegentrat, mit dem er sich innerlich auseinanderzusetzen hatte.

Fichtes Leben fällt überwiegend in das 18. Jahrhundert, d. h. in eine Zeit, da die Welt müde zu werden begann der dynastischen Zwistigkeiten, in eine Zeit, die nur noch mit Unwillen die Herrschaft vieler kleiner und großer Despoten ertrug, in deren Taten sie nicht mehr den Ausdruck einer großen Formkraft, sondern nur Willkür und Ausbeutungslust zu verzeichnen vermochte. Dieses 18. Jahrhundert war zudem die Zeit, da die Ausläufer der Gegenreformation die Tätigkeit der wichtigsten Höfe Europas bestimmten und neben der fürstlichen Tyrannei auch die kirchlichen Machtansprüche die erwachenden Geister der Völker immer erneut zu drosseln sich bemühten. Da war es wohl verständlich, daß weit ausgreifende Geister, müde dieser ganzen kirchlich-politischen Einschnürung, glaubten, alle Fesseln und zugleich alle Bindungen sprengen zu müssen. Sie blickten über Fürstenhöfe und Dogmen hinaus und erträumten sich die Idee einer einigen Menschheit, aufgebaut auf der Summierung der zu erziehenden Millionen Einzelwesen, eine Regentschaft freier Denker und den Aufbau eines Staates nach Grundsätzen, die sie als der Vernunft entsprechend glaubten aufstellen zu können.

Weltgeschichtlich betrachtet, folgte also auf eine große Epoche allseitiger Abschnürung ein gleichsam hemmungsloses Atemholen, dessen geistig-politische Auswirkungen schließlich ohne Form blieben, weil mit den das Leben einengenden Grenzen zugleich auch alle Linien einer organischen Gestaltung zerstört werden mußten.

Immerhin: wenn wir begreifen wollen, warum auch die leidenschaftlichsten nationalistischen Menschen von damals diese geistige Atmosphäre zunächst als die ihre betrachteten, so werden wir dieses große Atemholen des 18. Jahrhunderts in der Richtung der Abschüttelung überlebter Formen als eine uns auch heute verständliche Richtung des Denkens und Handelns zu würdigen haben. Denn es ist kein Zufall, daß ein Lessing von der „Erziehung des Menschengeschlechts“ träumte; daß ein Herder die Stimmen aller Völker zu sammeln sich bemühte, und deshalb erscheint es uns auch natürlich, wenn ein Fichte sich in seinen jungen Jahren das Ideal so hoch stellte, nichts weniger als eine Neuordnung der ganzen Menschheit anzustreben. Er glaubte, daß über alle Völker und für alle Völker ein Weltplan bestünde und daß inmitten dieses Weltplans Deutschland, das deutsche Volk, eine bestimmte Mission für die Menschheit zu erfüllen habe.

Auf dieser großmütigen Denkungsweise erbaut sich Fichte seine Philosophie der Freiheit, sein ethisches Handeln, seine hohe Auffassung von der Gerechtigkeit im Menschenleben, was er alles zusammen als die Idee des deutschen Idealismus kennzeichnet.

Das viel zitierte Wort von der „Gleichheit alles dessen, was Menschengesicht trägt“, stammt, wie wenig bekannt sein wird, von Fichte. Jedoch, wenn dieser Satz in unserer Zeit leidenschaftlich abgelehnt wird, so dürfen wir nicht vergessen, daß er doch trotz aller Menschheitsphilosophie nicht so abstrakt dasteht, wie ihn der Liberalismus zitierte, sondern daß er eingefügt erscheint in einer seiner letzten Schriften mit dem Titel „Über den Begriff des wahrhaften Krieges“. Hier erwächst eine Kraft bei Fichte im Verlauf seines kämpferischen Lebens, - das ihn aus tiefster Dürftigkeit zu höchster Bewunderung seines deutschen Volkes führte -, sein innerer Instinkt zu jenem Gleichnis, das in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder die besten Deutschen zu neuer Erprobung angefeuert hat.

Dieser urgermanische Instinkt Fichtes empöfte sich mit Leidenschaft gegen jeglichen Versuch einer Tyrannei und jeder scheinbare Apostel einer „Erziehung der Menschheit“ fand in ihm seinen erbitterten Bekämpfer, wenn er die Ehre und Freiheit der deutschen Nation antastete.

Hier ist es für uns Nationalsozialisten eine tiefe Freude, festzustellen, wie in den Zeiten der größten Schande und Niederlage Fichte eine Kritik an den herrschenden Mächten seiner Zeit ausübte, wie sie in schärferen Worten auch von uns gegenüber den Verfallserscheinungen unserer Epoche nicht angewendet wurden. Es ist dies wiederum die ehrenfeste Außenseite des beispielhaften inneren Willens, der auch in der größten Schmach nie verzagte und nach Niederlagen sofort zum neuen Widerstande auf allen Gebieten des Lebens gegen den Unterdrücker Europas aufrief.

Was also bei Fichte gleichnishaft in Erscheinung tritt, ist zugleich jener absolute innere und äußere Freiheitswille, der aber nicht zu einem abstrakten Vernunftsdogma wird, sondern, durch einen sicheren Instinkt deutscher Art gezügelt und ins Innere seines Lebens verwandelt, genau jene Auffassung von dem Verhältnis zwischen Freiheit und Gesetz wiedergibt, die immer wieder in germanischer Art hervorgetreten ist, bei Luther sowohl, als auch bei Kant und Goethe, und dann in jener Form des 20. Jahrhunderts, die wir zu vertreten glauben, wo Autorität und Freiheit in einer neuen Zusammenschau heute zum Lebensgefühl und Lebensstil nicht nur einiger Einzelner, sondern der gesamten Nation geworden sind.

„Wir wollen freilich Freiheit“, sagt Fichte, „und sollen sie wollen. Aber wahre Freiheit entsteht nur vermittels des Durchganges durch die höchste Gesetzmäßigkeit“.

An Luther, „den mutigen Mann“, den ihr, wie er erklärte, „jetzt in eure Grüfte der Lebenden einmauern würdet“, lobte er, daß er der Hand des römischen Despoten das Recht entwunden habe, über unsere Meinungen zu sprechen, wobei Fichte jedoch gleich wieder tadelt, daß er dieses Recht auf „ein totes Buch übertragen“ habe.

Im Dienste dieser deutschen Freiheit ist nun entscheidend für das Charakterbild Fichtes, daß er niemals nur als abstrakter Philosoph seine Erkenntnisse niederschrieb, sondern, daß alles, was er sprach und tat, aktiv angreifendes Handeln war, daß hier also eine stärkste Männlichkeit überall durchbrach, selbst auf die Gefahr schlimmster Verfolgungen seitens der deutschen Fürsten oder später seitens des korsischen Unterdrückers. Er erklärte: „Jedem ‚Ich will‘ in seiner Brust müßte ein ‚Es steht da‘ in der Welt der Erscheinungen entsprechen“. „Alles bloß leidende [=passive] Verhalten ist das gerade Gegenteil der Kultur“.

Hier greift diese seelische und politische Tätigkeit, dieses Tätig-sein-wollen, sofort auf das ganze germanische Wesen über und begreift, unserem tiefstem Wesen gemäß, daß Gesittung niemals eine passive, niemals nur eine ideals Form, sondern immer eine aktive Gestaltung bedeutet, ohne welche der Deutsche den Begriff einer großen Kultur für sich nicht anzuerkennen vermag. Deshalb ist es auch verständlich, wenn Fichte zurückblickt in die Vergangenheit und dort als Vorbilder jene Menschen sucht, die einmal große Schicksale gestalteten. Er beschwört die Geister der Vorwelt als seine Lehrer, deren Schatten ihn unsichtbar umschweben. Die großen Griechen und Römer, an deren noch fortlebenden Schriften sein Geist sich zuerst versuchte, die ihm „diese Kühnheit, diese Verachtung der List, der Gefahr und des Todes, dieses Gefühl für alles, was stark und groß ist“ unmerklich in die Seele gehaucht haben. Er erklärt, sein Geist fliege sehend zu den unbekannten Gräbern und zu den Stätten, wo sie weilen und möchte gerührt aber männlich an ihrem Grabe ihnen danken und ihnen die Hand drücken und ihnen sagen: „Ihr seid meine Väter. Teile von eurem Geiste sind in den meinigen übergegangen“. - Und er erklärt weiter: er liebe die freien Denker, wie Leibnitz, Lessing und Kant, die nicht erst fragen, was sie gewinnen würden, sondern sich ihren eigenen eigentümlichen Weg zu ihrem Geisteskampf gewählt hätten.

Diese Kühnheit der Welt gegenüber hat Fichte sein Leben lang selbst erproben müssen, als er in tiefster Armut sein Studium begann, als er als kleiner Hauslehrer in Zürich sich mühsam seinen Lebensunterhalt erwerben mußte, bis ihn schließlich seine erste Schrift mitten unter die großen Geister des deutschen Volkes versetzte. Und es ist deshalb nicht verwunderlich, wenn er, stolz im Alltag, ebenso stolz sich vor die tiefen Probleme des Lebens stellte und von den Deutschen das gleiche stolze Denken forderte.

Er geißelte am kirchlichen Wesen, daß jede Religion, die „offenbar eine Dienerin der Selbstsucht“ geworden wäre, allerdings mit der alten Zeit zugleich zu Grabe getragen werde; „denn“, wie er ausruft, „in der neuen Zeit bricht die Ewigkeit nicht erst jenseits des Grabes an, sondern sie kommt ihr mitten in ihre Gegenwart hinein, die Selbstsucht ist aber sowohl des Regiments als des Dienstes entlassen, und zieht demnach auch ihre Dienerschaft mit ihr ab.“

Es erscheint Fichte als eine unnütze und verkehrte Beschäftigung, anstatt in der Sache zu leben, nur immer das Andenken des zurückgelegten Weges sich zu wiederholen. Und er hofft, daß in einem Zeitalter, das er vor seinem geistigen Auge erblickt, wenn auch nach mancherlei Verirrungen, Männer aufstehen würden, welche diesem Zeitalter geben würden, was ihm nottäte. Er blickt zurück in die Vergangenheit, ob nicht auch inmitten dortiger Irrungen der eine oder andere Wille zu einer inneren seelischen Zukunft aufleuchtete, und er findet, daß man bei der klassischen Literatur „jene hohe Ergebung in das durchaus unbekannte Schicksal findet, jenes feste Beruhen auf sich selber, als dem Einzigen, worauf man bauen könne, jenes frische Ergreifen des Lebens, solange es noch da ist, indem wir für die Zukunft auf nichts rechnen können, jene bekannte Prometheische Gesinnung, kurz, das moderne Heidentum.“

Erst von dieser Grundhaltung ist es verständlich, wenn Fichte für seine Zeit ein abstraktes altes Dogma verwirft und ein freies lauteres Christentum erwartet.

Dieses große Charakterethos der Persönlichkeit Johann Gottlieb Fichtes ist es, das ihn befähigte, in den Stürmen der Zeit aufrecht zu bleiben, in der Zeit eines furchtbaren Niederganges die Fahne eines kommenden Deutschlands hochzuhalten und inmitten einer inneren Zerrissenheit wieder die Idee eines großen Deutschlands zu lehren. Er rief nach einem „Zwingherren zur Deutschheit“ und diente nunmehr diesem kommenden Deutschen Reiche, dem „Einheitsbegriff des deutschen Volkes“, der „noch gar nicht wirklich sei, sondern ein Postulat der Zukunft“.

Als der furchtbare Friede von Tilsit 1807 abgeschlossen war, legte sich Fichte Rechenschaft ab von den Zuständen seiner Zeit und schrieb das wohl vernichtendste Bekenntnis über das Zeitalter dynastischer Willkür, das die besten Kräfte des Volkes nicht zur Entfaltung zu bringen vermochte und den Verteidigern Preußens und Österreichs den Glauben genommen hätte. Angesichts des militärischen Zusammenbruchs erklärte Fichte, die höheren und bejahrteren Befehlshaber seien es gewesen, welche, „in träger Sorglosigkeit hintaumelnd“, keine Kunde hatten von den Bewegngen des Feindes, „welche schändliche Kapitulationen abschlossen und Festungen ohne Gegenwehr übergaben, oft zum innigsten Verdruß ihrer jüngeren Untergebenen“. Die höheren Stände, deren Aufgabe es gewesen w#re, das Volk zu erheben, seien tief gesunken; sie waren vielleicht nicht immer bösartig oder gewalttätig, aber sie waren „in der Regel bloß unwirsch, feige, faul und niederträchtig“. Fichte geißelt Fürsten, die nur an die Unterjochung ihrer blutsverwandten Nachbarn dachten, die aber ruhig zusahen und bei härtesten Demütigungen sich immer wieder trösteten, daß sie doch noch auf Lebenszeit hinreichend zu essen und zu trinken haben würden. „Es wird unseren Zeitgenossen schlechthin unglaublich bleiben, daß jemals ein Fürst blödinnig und roh genug gewesen, um zu glauben, daß bei solchen Ereignissen es nur um ihn, und selbst um ihn nur in Beziehung auf das Bedürfnis von Nahrungsstoffen zu tun sei, wenn wir sie nicht an die Erziehung erinnern, welche die Prinzen erhielten.“

Fichte erklärte, wenn man diesen Prinzenerziehern zugemutet hätte, die kommenden Lenker des Staates mit Geschichte und Philosophie vertraut, sie mit den wirklichen Verhältnissen in ihrem Volke bekanntzumachen, wer einen solchen Vorschlag wirklich gewagt hätte, der hätte sehr bald seine Wohnung im Irrenhaus gefunden. - Nach Fichte zeigte sich „dieser allen Glauben übersteigende Stumpfsinn“ auch in allen anderen Erscheinungen des Lebens. Die Verwaltung der Diplomatik hätte man nur so begriffen, daß die Diplomatik eine Wissenschaft des Ausforschens des Ablockens von Geheimnissen, der Erhorchung von Anekdoten sei, nicht aber eine große Aufgabe für einen gestaltenden Staatswillen.

Über diese Kritik hinweg schwingt sich dann Fichte zu dem Glauben auf, daß, wenn nicht schon jetzt ein eigenes Deutsches Reich entstehen könne, so müßten wenigstens die beiden großen Mächte Preußen und Österreich alle Stoffe zu Eifersucht und künftien Kriegen sorgfältig wegräumen, ein Schwer hätte das andere in der Scheide zu halten und beide hätten dann dem Auslande schon die nötige Ehrfurcht eingeprägt.

So spricht aus diesem rücksichtslosen Freiheitswillen heraus Fichte seine Reden an die deutsche Nation und ruft zum Kampfe, wobei er in Vorahnung kommender neuer Reaktion 1813 erneut seine Stimme erhebt. Er lehnt es ab, wenn im Aufruf „An mein Volk“ fortwährend von Untertanen gesprochen, wenn der Herrscher vor das Vaterland gesetzt werde, als ob er selbst keins hätte. Und Fichte befürchtet, daß alle schönen Aufrufe nicht ganz so erst gemeint seien, wie sie dastünden. Es könne vielleicht kommen, daß nach der Errettung im Kampfe abermals die Selbständigkeit der Nation dem Vorteile der Herrscherfamilie aufgeopfert würde. Es könne sich zeigen, daß der Herrscher zwar wollte, daß für seine Herrschaft das edelste Blut seines Volkes flösse, er dagegen für die Selbständigkeit desselben seine Herrschaft nicht wagen wolle. Deshalb dürfte die Idee der Freiheit und der Selbständigkeit des Volkes nicht zum bloßen Mittel einer neuen Unfreiheit herabgewürdigt werden. Ein Staat, der das täte, befinde sich im Zustande der Verstockung und habe öffentlich das Siegel der Verwerfung sich selbst aufgedrückt.


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Inmitten der Menschheitsschwärmerei und Auflösung vieler Ordnungen steht für Fichte auch die Judenfrage mit im Zentrum seines politischen Freiheitskampfes. Ähnlich wie sich Goethe entrüstet dagegen wehrte, daß den Juden die Bürgerrechte in Deutschland zugestanden würden, so erhebt sich auch Fichte gegen die Anwendung uferloser liberaler Grundsätze, weil sein sicherer Instinkt hier die Zerstörung des deutschen Charakters nach dem Einbruch eines freigelassenen Judentums nur zu deutlich erblickte. Während man in dem preußischen Kabinett die Juden emanzipierte, im Glauben, hierin ein zeichen freiheitlichen Geistes zu äußern, stellte Fichte unbeirrbar fest, „daß fast durch alle Länder von Europa sich ein mächtiger, feindselig gesinnter Staat verbreite, der mit allen übrigen im beständigen Kriege“ stehe: das Judentum.

Fichte sieht hier klar, daß man es mit der Judenheit als mit einer bestimmten politischen Größe zu tun habe, die, fest verbunden und über alle staatlichen Schranken hinweg, sich anschicke, auf Grund ihres nicht zu ändernden Charakters eine eigene Nationalpolitik zu treiben. Er wehrt sich dagegen, daß in einem Staate, wo der „unumschränkte König mir meine väterliche Hütte nicht nehmen darf, und wo ich gegen den allmächtigen Minister mein Recht erhalte, der erste Jude, dem es gefällt, mich ungestraft ausplündern“ könne. Wir hätten es mit dem Judentum mit „einem Staat im Staate“ zu tun, und prophetisch erklärte Fichte:

„Fällt euch denn hier nicht der begreifliche Gedanke ein, daß die Juden, welche ohne euch Bürger eines Staates sind, der fester und gewaltiger ist, als die eurigen alle, wenn ihr ihnen auch noch das Bürgerrecht in euren Staaten gebt, eure übrigen Bürger völlig unter die Füße treten werden?“

Er erklärt: „Möchten doch immer die Juden nicht an Jesum Christum, möchten sie doch sogar an keinen Gott glauben, wenn sie nur nicht an zwei verschiedene Sittengesetze und an einen menschenfeindlichen Gott glaubten.“

Und wieder erklärt er, er wolle zwar dem einzelnen hungernden Juden helfen, „aber ihnen Bürgerrechte zu geben, dazu sehe ich wenigstens kein Mittel, als das, in einer Nacht ihnen allen die Köpfe abzuschneiden und andere aufzusetzen, in denen auch nicht eine jüdische Idee sei. Um uns vor ihnen zu schützen, dazu sehe ich wieder kein anderes Mittel, als ihnen ihr gelobtes Land zu erobern und sie alle dahin zu schicken.“

Diese Ausführungen Fichtes zeigen, daß unbeschadet seiner weltausweitenden Idee von der Erziehung des deutschen Volkes zu einem angenommenen Weltplan, er sich inmitten des kämpferischen Lebens die Nüchternheit und Klarheit des Blickes über seine gesamte Umwelt stets gewahrt hat und immer den Mut aufbrachte, aus diesen Erkenntnissen heraus auch die Konsequenzen des Denkens und der Tat zu ziehen. Er, der ein so heißes Herz für die Menschheit hat, findet zugleich die schärfsten Worte gegen Schwätzer und Schwärmer; er, der so für Humanität eintrat, spricht doch auch das sarkastische Wort: „Von der Humanität ist des Geredes nirgends mehr, als da, wo man nicht gerecht sein mag.“

Und die Gesamtheit dieser Größe wird von einem Gefühl getragen, das er selbst in schönster Form einmal niederlegte: Die Großen der Weltgeschichte, sagte er, sie hätten gesiegt, weil das Ewige sie begeisterte, „und so siegt immer und notwendig diese Begeisterung über den, der nicht begeistert ist.“ So schreibt denn Fichte gleichsam als Vermächtnis sein Werk über den Begriff des wahrhaften Krieges und fühlt sich als Bannerträger einer neuen freien Zukunft, als ein Vorkämpfer aller Kräfte des Guten und Aufbauenden gegen die Mächte einer alles Große niedertretenden Gewalt. Er erklärt:

„Dies ist das große Schauspiel, welches, meines Erachtens, dieser Zeit vorbehalten ist. Das Reich des Teufels ist nicht dazu da, damit es sei, und von den Unentschiedenen, weder Gott noch dem Teufel Gehörigen, Herrenlosen duldend ertragen werde, sondern damit es zerstört und durch seine Zerstörung der Name Gottes verherrlicht werde. Ist dieser Mensch (Napoleon) eine Rute in der Hand Gottes, wie viele meinen, und wie ich in gewissem Sinne zugebe, so ist er's nicht dazu, daß wir ihr den entblößten Rücken hinhalten, um vor Gott ein Opfer zu bringen, wenn es recht blutet, sondern, daß wir dieselbe zerbrechen.“

Und nach der Schilderung Napoleons selbst fügt er hinzu:

„So ist unser Gegner. Er ist begeistert und hat einen absoluten Willen: was bisher gegen ihn aufgetreten, konnte nur rechnen, und hatte einen bedingten Willen. Er ist zu besiegen auch nur durch Begeisterung eines absoluten Willens, und zwar durch die stärkere, nicht für eine Grille, sondern für die Freiheit. Ob diese nun in uns lebt und mit derselben Klarheit und Festigkeit von uns ergriffen wird, mit welcher er ergriffen hat seine Grille, und durch Täuschung oder Schrecken alle für sie in Tätigkeit zu setzen weiß, davon wird der Ausgang des begonnenen Kampfes abhängen.“

Und voller Hoffnung legt er ein Bekenntnis nieder, das wir heute an seinem Geburtstag als das Zeugnis eines ganz großen Geistes und Willens verehren wollen. Er schreibt:

„Lasset immer die Bestandteile unseres höheren geistigen Lebens ebenso ausgedorret, und eben darum auch die Bande unserer Nationaleinheit eben so zerrissen und in wilder Unordnung durcheinander zerstreut herumliegen wie die Totengebeine des Sehers; lasset unter Stürmen, Regengüssen und sengendem Sonnenschein mehrere Jahrhunderte dieselben gebleicht und ausgedorrt haben; - der belebende Odem der Geisterwelt hat noch nicht aufgehört zu wehen. Er wird auch unseres Nationalkörpers erstorbene Gebeine ergreifen und sie aneinanderfügen, daß sie herrlich dastehen in neuem und verklärtem Leben.“

Das war der Geist und der Wille Johann Gottlieb Fichtes! Wenn wir seiner gedenken, so überprüfen wir uns damit selber, und jeder Nationalsozialist wird sich zu fragen haben, inwieweit er zu seinem Teil dazu beigetragen hat, die geistige und politische Einheit der deutschen Nation mit verwirklichen zu helfen. Die Forderungen der Zeit sind verschieden; die geistige und politische Umwelt von heute ist eine andere als die des 18. Jahrhunderts. Gleich aber über alle Zeiten hinweg, wenn es überhaupt eine deutsche Volkheit gibt, muß sein der Charakter, der sich mit dem Schicksal auseinandersetzt. Und so ist auch Johann Gottlieb Fichte zutiefst einer der Unsrigen im Rahmen der Freiheitskämofe der vieltausendjährigen germanischen und deutschen Geschichte.

Deshalb gedenkt am heutigen Tage das ganze deutsche Volk dieses Kämpfers zu deutscher Freiheit und grüßt mit ihm über alle Jahrhunderte hinweg die Großen der deutschen Geschichte als lebendige Gegenwart.


Quelle

  • Blut und Ehre IV, S. 58-70

Anmerkungen

Im Original gesperrt gedruckte Abschnitte sind hier kursiv wiedergegeben. Ergänzungen in eckigen Klammern.

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