Drohung mit Hungermärschen

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Drohung mit Hungermärschen

Arbeitslose vor dem Weißen Haus

Paris, 16. Januar.

Die Radio Agentur meldet aus Washington: Das Arbeitsproblem in den Vereinigten Staaten stellt sich den verantwortlichen Stellen der amerikanischen Regierung wieder in sehr eindringlicher Form. Man stellt sich besorgt die Frage, ob es ähnlich, wie vor einigen Jahren, demnächst wieder zu den „Hungermärschen“ kommen wird, die aus dem ganzen Lande nach Washington zogen, um vom Präsidenten Roosevelt Unterstützungskredite zu erzwingen.

Anlaß dazu gibt eine am Freitagabend in Washington veranstaltete Arbeitslosenkundgebung. Etwa 3000 „Abgeordnete“, die von etwa einer Million Arbeitslosen entsandt worden waren, versammelten sich vor dem Weißen Haus. Mehrere Redner hielten Ansprachen und stellten die Forderung auf Erhöhung der vom Kongreß bereits bewilligten Kredite um eine weitere Milliarde Dollar, womit die öffentlichen Notstandsarbeiten, mit denen gegenwärtig Hunderttausende von Arbeitslosen beschäftigt sind, bis Ende Juni dieses Jahres fortgesetzt werden können. Die Drohungen der Redner, daß die Arbeitslosen in kürzester Frist „Hungermärsche“ auf Washington antreten würden, falls der Kongreß ihre Forderungen nicht erfülle, wird in den politischen Kreisen Washingtons ernst aufgenommen.

Nach dem Waffenstillstand, der zwischen der Leitung der General Motorswerke und der Gewerkschaft erzielt wurde, ist am Freitag ein Teil der Nationalgarde aus der Stadt Flint zurückgezogen worden. Am Sonnabend wird das Werk völlig geräumt werden.

Quelle

  • Der Angriff - 17. 01. 1937, S. 7