Die Lüge der Deutschen Gewerbeschau

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Alfred Rosenberg


Die Lüge der Deutschen Gewerbeschau.

„Völkischer Beobachter“, 13. Mai 1922.

Am 13. Mai wurde die „Deutsche Gewerbeschau“ eröffnet. Sie war selbstverständlich noch lange nicht fertig eingerichtet, aber immerhin konnte man sich ein annäherndes Bild von ihrem allgemeinen Wesen machen.

Hier sei vor allem etwas Grundsätzliches betont, was immer geflissentlich übersehen wird: der verhängnisvolle heutige Zusammenhang zwischen Wirtschaft und Politik. Die Erfüllungspolitik der Rathenau-Wirth saugt Deutschland einen Geld- und Warenstrom nach dem andern aus dem Körper, ohne daß neue Blutzufuhr eintritt. Alle Erzeugnisse deutscher Erfindungsgabe und deutschen Schweißes gehen zu zwei Dritteln uns vollkommen verloren. In wahnwitziger Hysterie predigen unsere Erfüllungsapostel: Arbeit, Arbeit, Produktion allein kann uns retten! Und sie müssen es doch alle wissen, daß die Rufe nichts weiter bedeuten, als ein immer neues Aufpeitschen des deutschen Volkes zu immer neuer Sklavenarbeit, bis es endlich doch zusammenbrechen wird. Aber die Novemberverbrecher, die uns noch heute über unseren Zustand belügen, um ihre Erfüllungs„leistungen“ fortzusetzen und sich an ihren ergatterten Posten zu erhalten, täuschen uns einen Aufstieg vor durch Messen in Leipzig, Frankfurt usw. Und auch duch die sogenannte „Deutsche Gewerbeschau“ zu München.

An der Gutgläubigkeit, der ehrlichen Arbeit vieler Veranstalter, der Opferfreudigkeit mancher Leiter der Deutschen Gewerbeschau soll nicht gezweifelt werden. Aber wir wissen nur zu genau, wie unfähig auch manche „führenden“ Männer sind, die politischen Hintergründe von Veranstaltungen zu erkennen, denen sie ihre ganze gute Kraft zur Verfügung stellen.

Die „Deutsche Gewerbeschau“ wird freilich große Bestellungen zur Folge haben, die ins Ausland fließen. Daraus ergibt sich für Herrn Rathenau sicher auch die Möglichkeit, die „Reparations“leistungen höher hinaufzuschrauben. Aber das zweite Ergebnis der „erhöhten Produktion“ ist ein weiterer Warenmangel auf dem inneren Markt, ein sprunghaftes Hinaufsteigen der Preise für sämtliche Bedarfsgegenstände. Diese Knappheit an wirklichen Werten aber wird das weitere Fallen der Mark auf den Weltbörsen zur Folge haben. Die deutschen Verkäufer, die dann nach Absatz ihrer Waren im Auslande neue Käufe tätigen wollen, werden für das „riesige“ Geld vielleicht nur halb soviel an Rohmaterialien einkaufen können, als sie brauchen, um dieselbe Menge an Fertigware herzustellen, die sie ans Ausland verkauften. Die großen Umsatzziffern werden sich als ein ebenso großer Bluff erweisen.

Wir haben dasselbe Ergebnis schon in Wien beobachten können. Die erste internationale Messe wurde von allen Judenblättern als ein weltgeschichtliches Ereignis in alle Welt hinausposaunt. Man denke: 25 Milliarden Kronen Umsatz! Und die Folge war doch nur, daß Wien eine ausgesogene, bettelarme Stadt war, daß die Krone fürchterlich entwertet wurde. Die zweite Messe besorgte ein übriges: die internationale Anleihe legte Österreich die letzte Schlinge um den Hals...

Ist es nicht geradezu verbrecherisch, uns dasselbe Gaukelspiel vorzumachen, das man in Wien vor Augen hat?

Alle Reden von der steigenden Erzeugungskraft, den Tausenden, die durch die „Deutsche Gewerbeschau“ Stellung und Brot finden usw., sind nichts als Lug und Trug. Denn die Folge davon, daß einige Tausend verdienen, ist, daß Millionen dem fürchterlichen Elend entgegengehen. Und diese Millionen, diese breiten Schichten unseres werktätigen Volkes sind es, die uns einzig und allen den Maßstab für die Beurteilung auch der Gewerbeschau geben dürfen.

Wäre Deutschland stark und frei, ja, dann würden wir die Erzeugnisse deutscher Arbeit ohne Sorgen bewundern und loben können. Ständen an der Spitze des Reiches Männer, die eine deutsche Politik treiben und nicht jüdische Börsengeschäfte stützen, dann würden wir auch erhöhter Erzeugung in dem Bewußtsein das Wort reden, daß der Erfolg deutscher Arbeit auch dem eigenen Volk zugute käme, seine Kraft erhöhe, seine Gesundheit stärke. Aber was unter anderen politischen Umständen zu begrüßen ist, ist heute zu verdammen. Deutschland ist geknechtet, an seiner Spitze stehen noch immer die Männer, die stolz darauf sind, dem deutschen Volk das Blut durch die Rippen spritzen zu lassen, die uns vom „Pathos des Leidens“ vorzumauscheln wagen, von Erfüllung der „Pflichten“ bis zur „letzten Grenze des Möglichen“, von der Bereitschaft, dem deutschen Volk neue und immer neue Steuern aufzulegen, als „Wiedergutmachung“ für den von der Entente über Deutschland gebrachten Krieg!

Sachlich betrachtet, sagt die „Deutsche Gewerbeschau“: Seht her, es steht mit uns gar nicht so schlimm, wie wir behaupten! Noch sind die Glasfenster mit kostbaren Büchern gefüllt; noch hängen in ihnen erlesene Pelze und Seidenkleider; noch stehen reihenweise Kupfer-, Messing- und Zinnerzeugnisse an den Wänden; noch blinken Automobile, Straßenwagen und Lokomotiven in den Räumen ... Wir sind noch leistungsfähig. Die 46 Milliarden Goldmark haben uns noch nicht bettelarm gemacht. Es gibt noch was zu holen.

Die Lüge der „Deutschen Gewerbeschau“ ist die Behauptung, sie würde den Wohlstand des deutschen Gewerbes und damit des deutschen Volkes heben.

Das Gegenteil ist wahr: die „Deutsche Gewerbeschau“ wird den Marsch zum wirtschaftlichen Bankrott und zur politischen Anarchie beschleunigen.

Quellen

Anmerkungen

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