Die Genueser Blamage

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Alfred Rosenberg


Die Genueser Blamage.

„Völkischer Beobachter“, 20. Mai 1922.

Die Schauspieler des internationalen Genueser Theaters packen ihre Koffer und fahren in die verschiedenen Länder zurück, um neue Kostüme für das kommende Theater im Haag zu schneidern. In Berlin werden die Davidsharfen für „unsere Großen“ gestimmt, wird der Weihrauch hergerichtet. Kein Wunder, bei den Erfolgen! Eine Milliarde Papiermark hat der Aufenthalt in den Palmengärten Genuas gekostet, aber dafür hat man die hohe Ehre gehabt, Herrn Joffe und Tschitscherin die Hand zu drücken, sich von Barthou amtlich als Lügner bezeichnen zu lassen und doch nachher mit ihm zusammen zu schmausen. Weiter wurde ein herrlicher Vertrag unterschrieben, der dem armen deutschen Volke die Hilfe des heute so über alle Maßen reichen russischen sichert und der Deutschland bisher davor bewahrt hat, zur nächsten Zusammenkunft im Haag überhaupt eingeladen zu werden.

Weitere Erfolge? Mehr als genug. Z.B. hat das Publikum vollkommen übersehen, daß zur selben Zeit, als Rapollo in aller Munde tönte, das internationale Bankkonsortium in Genua weiter ausgebaut wurde! Jetzt sind Herr Morgan und Otto Kahn unterwegs nach Europa, um aus lauter Menschenliebe und Gebeseligkeit dem deutschen Volke wieder auf die Beine zu helfen. Nur Kleinigkeiten verlangen sie, Kleinigkeiten, die unser großzügiger Rathenau gewiß ohne weiteres erfüllen wird: Verpfändung von Bergwerken, Eisenbahnen usw.

„Deutscherseits“ wird schon emsig an der weiteren Sättigung der armen westlichen Völker gearbeitet. Der große Hermes braut in Paris Finanzmixturen, und die Regierung zu Hause legt eine große Zwangsanleihe auf, um die geforderten 60 Milliarden, die man entrüstet ablehnte, aber mit alter Gewissenhaftigkeit gleich darauf wieder als Fügung des Schicksals anerkannte, einzutreiben.

Der „grauße“ Rathenau befürwortet das internationale Bankkonsortium. Seine Unterschrift steht aber auch unter dem Vertrag mit den „antikapitalistischen“ Sowjetjuden. Und in Deutschland ist er der Mann, den ein Staatsrat von Meinel als „verantwortlichen Staatsmann“ bezeichnet, hinter den sich die „Nation geschlossen“ stellen müsse. Kann es dabei denn noch fehlen, daß das deutsche Volk die neue Zahlung von 60 oder 120 oder 140 Milliarden als Geschenk Gottes ansehen wird? Und Otto Kahn, wenn er seinen Freund und Nahverwandten Max Warburg in Hamburg die Hand drücken wird; Herr Melchior, wenn er Genueser Versöhnungspläne unterbreitet, und Herr Rathenau, wenn er seinen syrischen Senf dazu gibt, sie alle walten ihres Amtes zu Ehren des auserwählten Volkes.

Das deutsche Volk aber erklärt durch seine Regierung seinem Reichstag, es habe die Abordnung nach Genua nicht nach rassischen Gesichtspunkten zusammengestellt. Nächstens werden Mulatten und Neger die neue Republik vertreten, und alle Staats- und Geheimräte werden geschlossen hinter ihnen marschieren, wenn ihnen nur befohlen wird.

Diesem Reichstag, der sich alle Verhöhnungen schweifwedelnd gefallen läßt, wünschen wir einen tüchtigen Stallknecht, der die ganze Gesellschaft mit einer Lederpeitsche auseinandertreibt.

Das wäre der gerechte Lohn für seine milden Gaben an das deutsche Volk!

Quellen

Anmerkungen

Im Original gesperrt gedruckte Abschnitte sind hier kursiv wiedergegeben. Ergänzungen in eckigen Klammern.

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