Der Weg zur Ruhr

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Hans zur Megede


Der Weg zur Ruhr.

Der Nationalsozialismus ist die große Bewegung, die es sich aus dem Gesetz des Blutes heraus zur Aufgabe gemacht hat, den deutschen Menschen in seinem tiefsten Wesen zu erfassen und in ihm die Kräfte seines rassisch bedingten Wollens freizulegen. Wenn wir also die Geschichte des Nationalsozialismus schreiben, so sind wir uns dessen bewußt, daß wir dabei von der inneren Gesetzmäßigkeit des Deutschseins schlechthin auszugehen und alsdann auch darzustellen haben, was vom Anfang der Bewegung an den nationalsozialistischen Menschen in seinem Fühlen direkt oder indirekt bewegt, in seinem Denken und Handeln beeinflußt, was ihn gefördert oder ihm hindernd im Weg gestanden hat.

Wir haben den Beginn des erbitterten Kampfes verfolgt, den Adolf Hitler mit den Seinen, mit uns Nationalsozialisten, gegen Lüge und Verrag, gegen Feigheit und Treulosigkeit, gegen die ganze schmähliche Haltung der Regierenden im Nachkriegsdeutschland aufgenommen hatte. Wir haben aber auch gesehen, daß dieser Kampf seinen Ursprung nicht nur in den innerpolitischen Verhältnissen hatte, sondern auch in der außenpolitischen Gesamtsituation begründet war.

Gerade jetzt, nachdem wir bei unserer letzten Darstellung über die Taten der Gegner Deutschlands in kurzen Umrissen bis zu den ungeheuerlichen Forderungen des Londoner Ultimatums gelangt sind und damit gesehen haben, daß Frankreich um diese Zeit sich anschickt, über Rhein und Ruhr hinaus nach Essen vorzustoßen, gerade jetzt müssen wir den Blick auf das damalige Geschehen jenseits der Grenzen richten.

Und dabei drängt sich sofort eine Frage auf: Was veranlaßte das westliche Nachbarvolk, uns seit Jahrhunderten in historisch kurzen Zeitabschnitten wieder und wieder den Rost von der Klinge zu fegen? Welche Idee steckte dahinter, welcher Trieb, welcher Wille, welches Ziel?

Diese Fragestellung macht es erforderlich, daß wir uns diesmal von der eigentlichen Geschichte der Bewegung abwenden, um auf Frankreich, den großen Gegenspieler des deutschen Volkes, näher einzugehen, auf seine Geschichte, auf Land und Volk.



Die Idee ist alt. Seit der durch Raubkriege aus verschiedenen Ländern zusammengewürfelte Nationalitätenstaat Karl des Franken mit dem Teilungsvertrag von Verdun 843 auseinanderfiel und sich diesseits des Rheins das germanische Blutserbe wieder bemerkbar zu machen begann, hat Frankreich die Rheinidee in hin- und herwogender Unruhe beherrscht. Seither ist das Gebiet zwischen Rhein-Alpen und der Rhone-Maas-Schelde-Linie mit dem jetzigen Lothringen, damals schon vorübergehend als Pufferstaat geschaffen, ein Zankapfel zwischen Deutschland und Frankreich gewesen. Mit dem nur sehr allmählich aufsteigenden Nationalbewußtsein der deutschen Stämme verfolgen wir den Kampf um dieses Gebiet durch die Jahrhunderte. Ein Ringen, das oft genug vom Widerstreit dynastischer Interessen getragen und von wechselseitigen Erfolgen begleitet war.

Dreimal stand Frankreich im 10. Jahrhundert am Rhein, dreimal wurde es von den Ottonen zurückgeschlagen, um schließlich durch den Tod des letzten Karolingers und die Regentschaftsübernahme durch Hugo Capet im Jahre 987 auch jeden dynastischen Herrschaftsanspruch auf das lothringische Erbe zu verlieren, das nun der römischen Kaiserkrone verfiel. Das alemannische Elsaß war bereits 930 mit Schwaben verbunden worden. Mochten darauf Frankreichs Söldner hinter dem Machtstreben der mittelalterlichen Päpste gestanden haben, mochten seine Heerscharen 1365 und 1445 vorübergehend ins Elsaß eingebrochen sein und der Dauphin von Frankreich sogar mit der Belagerung Straßburgs gedroht haben, so konnte dieses Land doch erst im 17. Jahrhundert gewaltsam erobert und damit der französische Rheintraum zur Tatsache werden.



Bis dahin war Frankreich unter den Wehen seiner inneren Einigung nicht zu voller Machtentfaltung gekommen. Von außen bedrängt durch die Habsburger, also Österreich und Spanien zugleich, von innen gefährdet durch die Hugenotten und einen ständig rebellierenden Hochadel, krachte es um 1600 sogar in allen Fugen. Katharina von Midici, die Königinmutter, sehr intrigant und locker, erwehrte sich nur mit Mühe der Feinde ihres unmündigen Sohnes, von dem einzelne Geschichtsschreiber wissen wollen, daß er ein verjudeter Bastard [=Mischling] gewesen sei. Ein Falkenwärter, Charles de Luynes, setzte ihn auf den Thron, nachdem er den Günstling der Königin, Marquis von Ancres, gestürzt und Katharina selbst nach Blois vertrieben hatte.

König Ludwig XIII., erzogen unter ausgiebiger Benutzung der Peitsche, war in manchen Dingen nicht untalentiert, besaß aber keineswegs Eigenschaften, die ihn zum Herrscher befähigt hätten. Noch unfähiger war sein Mentor, de Luynes. Gegen ihn und die Krone glaubte daher der Adel leichtes Spiel zu haben. Die alten Geschlechter, die Montmorency, Turenne und Condé, im Besitz weiter Landstrecken und befestigter Schlösser, versuchten, das Zepter an sich zu reißen, und die Hugenotten nutzten diese chaotischen Zustände aus, um das Recht auf eigenen Glauben im Kampf zu erringen.

Hilflos sah die Königinmutter sich und das Schicksal Frankreichs einem uferlosen Treiben ausgesetzt. Hilflos rief sie ihren letzten Ratgeber, den Bischof von Lucon. Es war Armand Duplessis, Kardinal de Richelieu. Der Ruf war nicht umsonst.

Mit Richelieu kam der genialste Staatsmann zur Regierung, den Frankreich je gehabt hat. Ein Geist von weltgeschichtlicher Bedeutung, eine Persönlichkeit, deren Fluidum richtungsweisend durch die Jahrhunderte auf alle nachfolgenden Politiker Frankreichs gewirkt hat, ob sie Clemenceau, Poincaré, Briand oder Tardieu heißen. In seinem Gesicht schon spiegelte sich der Zweiseelenmensch, typisch für diese Nation, wider. Ein dunkles, wildkantiges Gesicht, mit weichem Mund und harten Zügen, mit fast schwarzen, schräggestellten Augen, die ebenso klein und grausam funkeln wie groß und milde glimmen konnten. Er war voller Tradition, aber skrupellos, er war brutal, aber umsichtig, er war listig, aber nicht feige; er kannte keine Freunde, keine Dankbarkeit, kein Gesetz, aber er kannte eins: Frankreich. Er jagte den Falkenwärter de Luynes in den Kampf mit den Hugenotten und trat darauf die Herrschaft an. Er zwang, kaum dreißigjährig, die Glaubenskrieger zum ersten Frieden (1622) und nahm den König in seine Gewalt. Er machte diesen königlichen Kümmerling zum Sekretär im eigenen Kriegsministerium und ließ ihn Zeitungsartikel zur Verteidigung seiner zwar notwendigen, aber keineswegs christlichen Kardinalspolitik schreiben. Er verband sich mit England, mit den Niederlanden zum gemeinsamen Krieg gegen Spanien und benutzte deren Flotte doch nur dazu, um den Hugenotten in ihrem letzten Bollwerk zu Leibe zu gehen, in der Seefeste La Rochelle. Er betrog die Engländer darauf sofort und schloß mit Spanien heimtückisch einen Sonderfrieden. Er zog, Staatsmann und Feldherr zugleich, jetzt sogar persönlich gegen das von den gereizten Engländern unterstützte und wieder befestigte La Rochelle und vernichtete die Hugenotten politisch, als Staat im Staate, ließ aber ihre Glaubensfreiheit unangetastet.

Das führte zum Aufstand. Zunächst rebellierte der Klerus, geführt von der enttäuschten Königinmutter. Doch Richelieu fertigte seine Widersacher mit harten Schlägen ab und hetzte Katharina in atemloser Flucht außer Landes, nach Köln. Dort starb sie 15 Jahre später, arm und vergessen. Allein es flackerte weiter, bis 1632 das ganze Land in den Flammen des Aufruhrs loderte. Adel, Parlamente und Klerus erhoben sich jetzt vereint gegen den Revolutionär in Purpur.

Er wich um keinen Zoll. Jedes Mittel war ihm recht, den Widerstand zu brechen. Und er brach ihn durch Bestechung und Verrat. Montmorency, die Seele des Aufstandes, wurde in eine Falle gelockt und gefangengenommen. Er endete auf dem Schafott, mit ihm ein großer Teil des Adels und alle, die zu den Rebellen gehört oder ihnen auch nur nahe gestanden hatten. Dem Kardinal Richelieu sind, wie er selbst einmal sagte, tote Gegner die angenehmsten gewesen.

Jahre nur später hatte er aus dem zerrissenen Frankreich einen Nationalstaat mit einheitlicher Zentralgewalt, einen Staat von eiserner Festigkeit gemacht. Ihn brauchte Richelieu, um seinen hohen Zielen näher zu kommen. Sie lagen östlich des Rheins. Der Kardinal hatte diese Ziele in seinem Gutachten vor dem Staatsrat bereits am 13. Januar 1629 wie folgt umrissen: „Frankreich muß sich Pforten zum Eintritt in alle benachbarten Staaten öffnen ... und wenn möglich, bis Straßburg vordringen. Das erfordert viel Zeit und ein vorsichtiges und verdecktes Verhalten ...“ Dies ist die Anweisung, mit der Richelieu das politische Gesetz Frankreichs geprägt hat, eine Zielsetzung von ungeheurer Tragweite, der alle französischen Staatsmänner gefolgt sind bis auf den heutigen Tag.

Er selbst handelte danach. Seine Hand mischte hinter den Kulissen des Dreißigjährigen Krieges die Karten des diplomatischen Intrigenspieles. Er veranlaßte Gustav Adolf von Schweden, über Pommern in Deutschland einzudringen. Nicht nur in der Absicht, die Hausmacht der Habsburger zu schwächen, sondern auch in dem Willen, das deutsche Volk selbst durch den immer wieder aufstiebenden Wirbel der Kriegsfurie in eine lang anhaltende Ohnmacht zu versenken. Daneben schmeichelte er sich bei den deutschen Fürsten ein, spielte deren Beschützer und erhielt in Bernhard von Weimar einen Bundesgenossen, der ihm schließlich das Rheinprojekt verwirklichen half. Französische Söldner, unterstützt von den Scharen dieses Fürsten, eroberten Lothringen, das Elsaß und den größten Teil des unteren Rheingebietes für das Frankreich Richelieus.

Als der Kardinal 1642 starb, verkörperte das französische Königtum die einzige geschlossene Macht in Europa und wurde bald darauf mit Abschluß des Westfälischen Friedens zum Herrn über Deutschland. England erschüttert, Spanien besiegt und das Reich in Atome zerstückelt - das war die Bilanz einer Politik, die in Frankreich auch fürder beibehalten werden sollte nach den Grundsätzen Sr. Eminenz.



Der erste hervorragende Epigone Richelieuschen Geistes war Ludwig XIV. Mit seinen Raubzügen über den Rhein setzte er das begonnene Werk fort und machte die Lande ringsum durch Krieg und BRand zu einer schaurigen Einöde. Dies geschah mit einer geradezu fanatischen Zerstörungswut, wie sie bisher in Europa unbekannt gewesen. Nach dem Tode des letzten pfälzischen Kurfürsten nämlich hatte der König Ansprüche auf die kurpfälzischen Gebiete für seine Schwägerin Liselotte von der Pfalz erhoben und sich zur Durchsetzung dieser Ansprüche zunächst der Städte Mannheim und Heidelberg bemächtigt (1688). Während sich Ludwig selber an seinem Hof mit Glanz und Gepränge umgab - Sonnenkönig nannte man ihn -, ließ er durch seinen Kriegsminister Lonvois den französischen Generälen Befehl erteilen, in den eroberten Gebieten keinen Stein auf dem andern zu lassen und die Einwohner zu erschießen, sobald sie den Versuch machen sollten, ihre Häuser und Gehöfte wiederaufzubauen. Kreuznach, Oppenheim, Baden, Bruchsal, Offenburg, Worms, Speyer, das kurköllnische und trierische Land wurden in Trümmerhaufen und Stätten des Elends verwandelt. 1681 war Straßburg, die alte deutsche Reichsstadt, bereits in französischen Besitz gelangt.

So hatte Ludwig, der sich gern als „christlichster aller Könige“ bezeichnen ließ, kurz vor seinem Tode die von Richelieu empfohlenen Eingangspforten nach Deutschland aufgeschlagen. Das obere Rheinufer war gewonnen und weit standen französische Vorposten im Moselgebiet.

Indes, wie groß und imponierend das von Ludwig hinterlassene Reich auch war - von langer Dauer ist die Vorherrschaft Frankreichs am Rhein in dieser Zeit nicht gewesen. Allenthalben machte sich in der französischen Oberschicht daher bald eine völlige Verrottung und Verweichlichung bemerkbar, die nicht nur zur Abnahme des französischen Einflusses am Rhein, sondern auch zu jener Unzufriedenheit mit der Bourbonenherrschaft in Frankreich selbst führte, die schließlich in den folgenden Revolutionswirren ihr Ventil finden sollte. Zuvor hatte auch die bisher als „unbesiegbar“ geltende französische Armee einen bedenklichen Rückschlag erlitten, als sie zum ersten Male die Waffen mit dem preußischen Heer gekreuzt und von Friedrich dem Großen bei Roßbach besiegt worden war.



Fast ein Jahrhundert hat es dann gedauert, bis Frankreich das Rheinprogramm wieder aufnahm, dort, wo Ludwig XIV. es liegen gelassen hatte. Es geschah dies aus den Anschauungen der liberalen Revolution von 1789 heraus, die Frankreich mit einem Meer von Blut überschwemmte und in der zugleich „die geheiligten Menschenrechte“ proklamiert wurden. Als „dritter Stand“ war das französische Bürgertum, später politisch geteilt in Girondisten und Jakobiner, zur Macht gekommen und damit ein Kraftstrom entfesselt worden, der sich alsbald nach außen richtete. Unter dem Vorwand, daß Österreich und das inzwischen zum europäischen Machtfaktor emporgestiegene Preußen die „Errungenschaften der Revolution“ bedrohten, beschloß die in Paris tagende Nationalversammlung 1792 einstimmig den Krieg. Die Armee der „Sansculotten“ marschierte, nicht nur durchdrungen von den „gefährdeten Menschenrechten“, sondern auch davon, daß die Zivilisation des Abendlandes einzig eine französische sein könne.

Diesen Gedankengang hatte Richelieu praktisch als erster zur ideologischen Grundlage seiner Politik gemacht, die jetzt nach hundertjährigem Schlaf triumphierend ihre Auferstehung im liberalen Kleide feierte. Dreiundzwanzig Jahre dauerte mit kurzen Unterbrechungen dieses Ringen, das mit den fürchterlichen Verwüstungen der Sansculotten am Rhein, mit Eroberungen abwärts der Mosel und der Einverleibung Belgiens an Frankreich begann, um in den Kriegszügen Napoleons seinen Gipfel und schließlich auch sein Ende durch den Sieg des von England, Österreich und Rußland unterstützten Preußen zu finden. Bis an das Elsaß wurde Frankreich 1815 zurückgedrängt; auch Belgien ging ihm verloren.



Seit Jahrhunderten war dies der erste schwere Rückschlag, den die bis ins Ungemessene überspannte Volkskraft der Franzosen erlitten hatte. Dieser Rückschlag mußte sich um so eher wiederholen, je unruhiger der westliche Störenfried Europas blieb und je stärker der Widerpart wurde, den Frankreich in Preußen gefunden hatte. Als dann die werdende Einigung der deutschen Stämme sich unter der Führung Bismarcks immer stärker am politischen Horizont abzuzeichnen begann, glaubte Napoleon III. das Gefüge Europas in Gefahr und prägte den Satz: „Frankreich hat die Aufgabe, in alle Verträge seinen Brennusdegen [Brennus war der gallische Führer, der nach der Eroberung Roms (387 v. Chr.) bei der Tributzahlung, als die Römer über die schweren Goldabgaben stöhnten, angeblich noch hohnvoll sein Schwert zusätzlich auf die Waage warf, die mit Gold gegenzuwiegen war] zugunsten der Zivilisation zu legen.“

Suchte sich Napoleon damit auch das „verdeckte und vorsichtige Verfahren“ Richelieus zu eigen zu machen, um wieder über den Rhein vorstoßen zu können, so darf man doch nicht übersehen, daß er sowohl wie das französische Volk tatsächlich dieser Ansicht waren; und daß die Alleingültigkeit der westlichen Zivilisation für diese Nation auch heute noch ein feststehender Begriff ist, der mit den „natürlichen Grenzen am Rhein“ eine Einheit bildet wir Körper und Geist.

Aus dieser Anschauungswelt heraus mußte es zum Kriege 1870/71 kommen, als dem alten Kraftpol im Westen ein neues Kraftfeld von Osten entgegenzuwirken begann. Das junge entstehende Deutschland Bismarcks, schlug den Franzosen das von Richelieu gewiesene Tor nach dem Reich (Elsaß) wieder zu, und der Rhein wurde das, was er einst gewesen: deutsch!



Wir sehen: französische Zivilisation und deutsche Kultur, das Land Descartes, Voltaires, Rousseaus und das Land Goethes, Kants und Nietzsches, sie standen sich schon lange gegenüber. Und auch hier erweist sich das Wort Alfred Rosenbergs als richtig, daß die Geschichte ein Ringen von Blut mit Blut, von Charakter mit Charakter, von Rassen mit Rassen, von Volkskulturen gegen und mit Volkskulturen ist. Wir Deutschen des Dritten Reiches nehmen diese Erkenntnis auf in dem Wissen, daß alles Leben, auch das der Völker und ihrer Kulturen, aus Reibungen positiver und negativer Kraftpole entsteht, die einander bedingen wie Mann und Weib.

Von dieser Schau her betrachten wir auch den bisher größten Waffengang der Weltgeschichte, den Krieg von 1914 bis 1918, dessen tragende Elemente Deutschland und Frankreich waren. Und die Tatsache, daß um sie herum, auf der einen und auf der anderen Seite, sich auch andere Völker scharten, zeigt uns lediglich das Aufkommen neuer Kraftströmungen, die es dereinst erforderlich machen werden, daß die beiden Nationen sich nicht mehr in Kriegen zerfleischen und aufreiben dürfen, sondern ihre Kräfte gemeinsam gegen Angriffe auf die wahre Kultur Europas zu richten haben werden.

Leider ist man an der Seine noch lange nicht so weit. Es gibt dort immer noch Strömungen, von denen die politische Atmosphäre vergiftet wird, besonders mit der unwahren Behauptung, daß Deutschland die Schuld am Weltkriege trage. Als ob es nie eine von Frankreich und England, von Eduard VII., Lord Grey, von Poincaré, Delcassée und Paléologue sorgsam geleitete Einkreisungspolitik gegeben hätte! Und wenn man fragt, welche äußere Zielsetzung Frankreich dabei gehabt hat, dann erhält man wohl die beste Auskunft in der im August 1914 erschienenen Schrift des Franzosen Reclus: „L'Allemagne en morceaux“ (Deutschland in Stücke), einer viel beachteten Broschüre, die für die Wiederherstellung des Zustandes nach dem Westfälischen Frieden eintrat und die Abtrennung der Rheinlande von Deutschland forderte. In gleichem Maße waren die führenden Geister am Quai d'Orsay (dem französischen Außenministerium) beherrscht von der traditionellen Rheinpolitik Frankreichs. Man darf deshalb auch nicht an jener Äußerung vorbeigehen, die ein bekannter französischer Hournalist dem deutschen Verteidiger vor französischen Kriegsgerichten, Professor Dr. Grimm*, gegenüber gemacht hat: „Streiten wir uns doch nicht immer um die Kriegsschuldfrage, wir wissen es doch alle, daß der eigentlich Kriegsschuldige Richelieu ist.“ Es liegt ein Korn gesalzener Wahrheit in diesem Satz, denn in der Tat hat der Kardinal nie bessere „Testamentsvollstrecker“ gehabt, als die Staatsmänner Frankreichs im 20. Jahrhundert: Clemenceau, Poincaré und Briand, zu denen sich Tardieu und Berthelot als Helfer von Rang gesellten. Wenn sie indes ihr Endziel, das sei vorweggenommen, doch nicht erreichten, dann lag das wahrlich nicht an ihnen, sondern daran, daß sich von den beiden Kraftpolen Europas das deutsche Volk als der widerstandsfähigere erwiesen hat. Im Kriege sowohl, den wir nicht wollten und auch künftig nicht wollen, als auch nach jenem „Frieden“, dessen Besserung unsere Sehnsucht bleibt: Versailles!



Nach vier Jahren erbitterten Kampfes hatte das deutsche Volk die Waffen niedergelegt und dann sein Schicksal in die Hände eines Mannes gegeben, der es von je gehaßt hat wie nie einer zuvor: Georges Clemenceau, den man den Tiger nannte und der von allen Ministerpräsidenten Frankreichs der temperamentvollste war. In ihm ballte sich die ganze seelische Energie seiner ruhm- und ehrsüchtigen Nation bis zum äußersten, wenn er seine Gedanken über den Rhein schweifen ließ. Dort saß nach seiner Meinung nach ein Volk, das Zivilisation nur in der Theorie besitze und das der „Barbarei auch heute zu nahe“ sei, „um in der Anmaßung der deutschen Aristokratie, in der kriecherischen Gemütlichkeit des Gebildeten und Gelehrten, in der plumpen Eitelkeit des besonders befähigten Industriekapitäns und der schwülstigen Volkspoesie“ jemals etwas anderes sein zu können als „ein Element der Verschwörung gegen die Würde des einzelnen und der Völker“. Es sind das Clemenceaus eigene Worte, wie er sie niedergeschrieben in seinem Buch „Größe und Tragik eines Sieges“. Nach ihnen richtete er sich in seinen Taten. Er, der es ablehnte, gegen die Deutschen objektiv zu sein oder sie auch nur kennenzulernen, ging, ein echter Franzose, im Schatten Richelieus zu Werk, verdeckt und vorsichtig.

Um dieser Taktik willen verwarf er die Pläne Fochs und Poincarés einer unverschleierten Annektion der rein deutschen Rheinlande. Der Marschall von Frankreich und Präsident der Republik wollte das linke Rheinufer, Belgien, Luxemburg und Elsaß-Lothringen mit Frankreich und den Rheinlanden in einer „militärischen Organisation“ zusammenfassen, die - wie sich Foch in seiner ersten Note an die Alliierten vom 27. November 1918 ausdrückte - „imstande wäre, im Kriegsfalle gegen Deutschland zu kämpfen“. Dieser „Lösung“ widersprach Clemenceau aber nicht etwa, weil er sie nicht begrüßt hätte, sondern nur, weil er wußte, daß er damit bei den Alliierten nicht durchdringen konnte. Vor allem beharrte Wilson auf dem Grundsatz des Selbstbestimmungsrechtes der Völker. Eine ärgerliche und bedrohliche Klippe für Clemenceau, die er mit der Behauptung umsegeln zu können glaubte, daß die Rheinländer und Pfälzer von Preußen und Bayern unterdrückte Völkerschaften seien, die nichts mehr wünschten, als von der „Knutenherrschaft“ befreit zu werden und Frankreich, dem Lande ihrer Sehnsucht, angehören zu dürfen. Das jedoch war nun wieder eine häßliche Melodie in den Ohren Lloyd Georges, der ebenso zu Recht wie zu spät an das ohnehin gestörte Gleichgewicht der Kräfte Europas dachte. So war die Kluft zwischen den Allierten plötzlich riesengroß. Das Selbstbestimmungsrecht der Völker, der seit Cromwells Tagen von England vertretene Grundsatz des kontinentalen Gleichgewichtes und die traditionelle Rheinpolitik Frankreichs, das ergab Gegensätze, die unüberbrückbar schienen.Clemenceau überbrückte sie. Er baute, kein schlechter Architekt diplomatischer Bastionen, das Reparationsgebäude Wilsons, das lediglich zur Wiederherstellung der zerstörten Kriegsgebiete gedacht war, zu einem Mauerturm für Deutschland um. Hier sollte das Reich in Form von Zahlungen eine Last aufgebürdet erhalten, von der es erdrückt werden mußte. Man hüllte sich vorläufig in Schweigen über die Höhe der Summe, weil man Zeit zum Ersinnen von Mitteln und Wegen finden wollte, um die Reparationen bis ins Unerträgliche steigern zu können. Ihre Tilgung sollte dem Reich von vornherein unmöglich gemacht werden, damit Frankreich einen „Rechtsanspruch“ erhielt auf deutschen Boden, das Land am Rhein. Man schrieb den 22. April 1919, als Clemenceau ein Kompromiß unter den Alliierten dahin zustande brachte, daß Rhein- und Saargebiet von den Heeren der Entente auf 15 Jahre besetzt bleiben sollten, als Garantie für die Reparationen.

Raymond Poincaré, damals Präsident der Republik, hat dieses Kompromiß dem alten Tiger nie verziehen. Er wollte mehr, viel mehr. Nicht auf Umwegen sollte Deutschland zugunsten Frankreichs ein Torso werden, sondern durch Gewalt, durch brutale Ausnutzung der Ohnmacht und inneren Zerrissenheit des Reiches, durch den Knockout! Er schwamm vollkommen im Fahrwasser der Generale, in dem des Marschall Foch, der die Absicht gehabt hatte, wenn möglich bis zur Elbe vorzudringen und in großem Zuge, wie Napoleon, Pufferstaaten zu schaffen. Daß es einen Franzosen geben konnte, der sich dieser Politik, sei es unter dem Druck Englands und Amerikas, versagte, das war für Poincaré ein glatter Verrat an Frankreich, seinem Ruhm und seiner Zukunft.

Am 25. April 1919 zitierte er Clemenceau in Gegenwart Fuchs vor einen Kabinettsrat und saß zu Gericht über den „Verlierer des Sieges“.

Unter diesem Wort, das ihn getroffen wie ein schwerer Hieb, bäumte sich der Tiger auf. Dann zwang er sich zur Ruhe und sagte langsam: „Herr Präsident, Sie sind viel jünger als ich. In fünfzehn Jahren werde ich nicht mehr sein. In fünfzehn Jahren werden die Deutschen nicht alle Bedingungen des Vertrages erfüllt haben. Wenn Sie mir dann die Ehre erweisen wollen, mein Grab zu besuchen, so bin ich überzeugt, Sie werden mir sagen können: ‚Wir stehen am Rhein, und da bleiben wir!‘“

Dieser „erschütternde Dialog der Greise“, wie Mermeix ihn nennt, macht jede weitere Ausdeutung der Politik Clemenceaus überflüssig. Indes, Poincaré war auch jetzt noch nicht zufrieden. Ein direktes Vorgehen schien ihm sicherer. Der methodische Geist dieses an sich klugen Mannes steckte derart tief in den Gedankengängen des französischen Militärs, daß er sich zum Drahtzieher eines Putsches herabließ.



Er und Foch veranlaßten den General Mangin, der als Befehlshaber der Besatzungstruppen in Mainz saß, mit einem der übelsten Subjekte, die jemals die Luft unseres deutschen Vaterlandes atmen durften, gemeinsame Sache zu machen, mit dem damaligen Staatsanwalt Dr. Dorten. General Mangin berief diesen Verräter und dessen Freunde in sein Hauptquartier und beschloß mit ihnen, eine unter französischem Protektorat stehende „Rheinische Republik“ auszurufen. Zur gleichen Zeit befahl in Landau General Gérard dem Regierungspräsidenten v. Winterstein, nichts dagegen zu unternehmen, wenn demnächst von einem Dr. Haaß die „Freie Pfalz“ gegründet werde. Tatsächlich fand die Ausrufung der beiden Separatistenstaaten dann auch am 1. Juni 1919 statt. Sie verschwanden jedoch ebenso schnell wie sie gekommen, weil das rheinische und pfälzische Volk sich mit aller Inbrunst gegen diese Niedertracht zur Wehr setzten und daneben von Wilson sowohl wie von Lloyd George energisch Einspruch gegen eine solche Politik erhoben wurde. Sie drohten sogar, die Friedenskonferenz endgültig auffliegen zu lassen, wenn General Mangin nicht zur Rechenschaft gezogen werde. Um sein Werk zu retten, erteilte Clemenceau, den dieser Staatsstreich keineswegs überrascht hatte, dem General einen Verweis. Er tat das aber, kurz nachdem Mangin von Poincaré und Foch empfangen worden war und gewichtig über das gelungene Unternehmen berichtet hatte.

Clemenceau zog sich dadurch vollends den Haß Poincarés zu, einen Haß rein persönlicher Natur, der schließlich zu seinem Sturze führen sollte. In Versailles durfte der alte Tiger noch triumphieren bei der Unterzeichnung des Diktates, in dem die Artikel 429-430 die Verlängerung der Rheinbesetzung und die Möglichkeit einer Wiederbesetzung für den Fall vorsahen, daß den Alliierten nach Ablauf der fünfzehnjährigen Frist die Sicherheiten gegen einen unprovozierten Angriff Deutschlands nicht ausreichend erscheinen sollten.

Sicherheit vor einem Angriff Deutschlands! Da stand das Wort, das nicht nur die Friedenskonferenz beherrschte, sondern auch zum Leitgedanken der gesamten französischen Politik wurde. Denn Sicherheit ist beim Franzosen ein blutgebundenes Verlangen, weil er sich dem Deutschen auf allen Ebenen des Lebens immer irgendwie unterlegen fühlt. Ein erstaunliches Symptom gerade für den deutschen Frontsoldaten, der im Weltkriege erlebt, mit welch außerordentlicher Tapferkeit der Franzose gekämpft hat. Und dennoch ist dieses Anzeichen keineswegs unerklärlich, sondern der natürliche Ausdruck einer Rassenmischung, die sich aus den unterschiedlichsten Blutströmen zusammensetzt und den Zwiespalt in der französischen Volksseele hervorruft.

Der Franzose will sein Leben genießen und ist dabei in den unteren und mittleren Volksschichten doch bescheiden; er arbeitet ungern intensiv, ist aber von einer andauernden, spielerischen Geschäftigkeit; er will Ruhe haben, klebt an bestehenden Zuständen und ist trotzdem ein Umstürzler mit radikalen Neigungen, wenn er Revolution macht; auf der einen Seite fügt er sich, auf der anderen will er herrschen; er meidet Gefahren, fürchtet den Krieg und ist, wenn es sein muß, doch tapfer, denn er liebt über alles sein Land, dessen Ruhm, dessen Glanz, die „Gloire“. Immer jedoch empfindet er die stille, selbstbewußte Männlichkeit, wie sie dem Deutschen eigen ist, als Bedrohung, als „barbarische“ Eigenschaft. Darum: Sicherheit!

Sicherheit und Reparationen - das waren die beiden Eisen, die Clemenceau im Feuer der europäischen Politik warm hielt und mit denen er das Rheinland in die Zange nahm. Denn durch dessen Besetzung allein konnte nach seiner Meinung - mangels anderer Garantien, die er, wie das englisch-amerikanische Bündnis, mit gewissenhafter Niedertracht hintertrieb - die Sicherheit Frankreichs garantiert werden. Irgendeine Scham darüber, daß Frankreich es für nötig hielt, sich zu diesem Zweck ganzer Regimenter von Senegalnegern zu bedienen, empfand Clemenceau nicht; vertrat er doch die Ansicht, daß jeder Neger turmhoch über einem deutschen Professor stehe. Und den engen Zusammenhang der Reparationen mit der Rheinfrage erhellt sein Ausspruch: „Wir bleiben länger als fünfzehn Jahre, wir bleiben hundert Jahre, wenn es sein muß, bis die Boches bezahlt haben, was sie uns schulden. Ist das nicht so gut, als ob wir den Rhein hätten? Was will man noch mehr?“

Poincaré wollte mehr. Vor allem aber wollte er die Anwendung einer wirksameren Methode. Darin bestand der sachliche Gegensatz zwischen ihm und Clemenceau. Beide wandelten sie in den Bahnen Richelieus, und Poincaré sah die auf dem Rhein liegende Tatze des Tigers sehr wohl, nur schienen ihm die Krallen nicht scharf genug. Er stieß sie zurück, selber vom Präsidentenstuhl hinter die Kulissen der politischen Bühne tretend, um in zielbewußter jahrelanger Arbeit die Mittel zu wechseln: an Stelle der Tatze das Schwert!

So war es Poincaré und der von ihm beherrschte „bloc nationale“ mit Maurice Barrès, Paul Tirard und den Generalen, die den alten Tiger in die Wüste schickten. Sein Werk war Versailles; ein Fluch ruht darauf, der Fluch des deutschen Volkes. Und es war, als fände dieser Fluch seinen Reflex [=seine Widerspiegelung] auch bei den Franzosen. Von den einen befehdet, weil er zu wenig erreicht, ja sogar als „Verlierer des Sieges“ bezeichnet und von den anderen gemieden, weil er zu viel getan und als Kriegshetzer verschrien, erlitt Clemenceau in Versailles, der Stätte seines höchsten Triumphes, die größte Niederlage seines Lebens. Eine Woche nach Inkrafttreten seines „Friedens“-Werkes, am 17. Januar 1920, versagte sich ihm, der an die Spitze seiner Nation treten wollte, das eigene Volk: Clemenceau wurde zum Präsidenten der Republik nicht gewählt. Grau und verwittert, geächtet und verfemt, zog er aus dem Schloß der französischen Könige in die Verbannung, ein Menschenfeind, unbeachtet und vergessen bis an sein Ende.



Ihm folgte Millerand. Weniger bedeutend als der impulsive, unberechenbare Greis. Aber im Banne Poincarés. Millerand war die Seele der Konferenz von Spa, brutal eine Erpressung nach der anderen an den Deutschen vornehmend. Die bekannten Forderungen drückte er mit einer Drohung durch: Besetzung der Ruhr. Zum ersten Male war jetzt dieses Wort ausgesprochen worden und schwebte wie ein Damoklesschwert über den Häuptern der deutschen Konferenzteilnehmer. Und daß Millerand Ernst zu machen gewillt war, hatte der Einmarsch der Franzosen in Frankfurt und Darmstadt am 6. April 1920 bewiesen, der eine Vergeltungsmaßnahme (Sanktion!) für das weitere Belassen deutscher Truppen - sie kämpften gerade unter General v. Watter gegen die rote Flut - in der neutralen Zone des Ruhrgebietes hingestellt worden war.

Neutrale Zone im Ruhrgebiet! Festgelegt durch den Versailler Vertrag! Wie schlau der Tiger gewesen.... Frei und griffbereit sollte das wirtschaftliche Herz des Reiches vor den Heeren Frankreichs liegen; keine deutsche Truppe, auch nicht um gegen den Bolschewismus zu kämpfen, durfte sich dort aufhalten, mochte sie noch so schwach sein. Keine! Denn sie wäre eine Gefahr für die riesigen Heermassen der „Grande armée“ gewesen.

Mit ihnen drohte Millerand. Die Deutschen beugten sich in Spa und unterschrieben. Es war im Juli 1920. Im September wurde er an Stelle des erkrankten Deschanel Präsident der Republik. Sein Nachfolger war Leygues, der im Dezember von seinem eigenen Kriegsminister Lefèvre gestürzt wurde, weil er sich in der Entwaffnungsfrage Deutschland gegenüber zu nachgiebig gezeigt hatte. Der neue Ministerpräsident aber war nicht unbekannt: Aristide Briand.

Man hat sich vielfach in Deutschland von Briand ein Bild gemacht, das nicht frei von Sehfehlern ist. Briand, der liebenswürdige, umgängliche Diplomat; Briand, der Deutschland nicht einmal übgelgesinnt war, der lächelnd mit Herrn Stresemann in Genf konferierte und in Thoiry frühstückte, ein Mann von Einsicht mit kosmopolitischem Weltgefühl und pazifistischem Einschlag - dieses Bild ist falsch! Aristide Briand, ein typischer Südfranzose, mit wallender Künstlermähne über einem breiten Gesicht, brachte in die Politik die ganze Wendigkeit, aber auch Zerfahrenheit seiner fast undefinierbaren Rassemischung mit. Gewiß, er hatte die leichte Ader des Bohemiens, war zuweilen konziliant, zuvorkommend, ja einschmeichelnd, aber ebenso konnte er herrisch, ablehnend und grob sein. Er schillerte in allen Farben; klagte heute voller Pathos an, was er morgen entschuldigte mit gewinnender Miene; er liebte Deutschland nicht, aber er vergötterte Frankreich und wollte im Grunde desselbe wie Clemenceau und Poincaré. Was für diese die Armee, das war für ihn der Völkerbund. Er unterschied sich von ihnen nur in der Wahl der Mittel. Richelieus Geist stand auch hinter ihm.

Schon im Kriege hatte er die Ministerpräsidentschaft innegehabt, ein Revanchepolitiker, der den unversöhnlichsten Deutschenhassern nichts nachgegeben. Bezeichnend für ihn ist ein Geheimschreiben, das er am 17. Januar 1917 an alle Botschafter Frankreichs richtete und darin über die französischen Kriegsziele**) folgendes sagte: „Die Frage des linken Rheinufers muß unbedingt besprochen werden.“ (Mit den Alliierten. D. Verf.) „Gute Geister in Frankreich, welche den ältesten Überlieferungen nationaler Politik getreu sind, bestehen auf diesem verlorengegangenen Erbe der Französischen Revolution, das notwendig ist, um unser ‚Vorfeld‘, wie Richelieu es nannte, zu schaffen.“

Jetzt benutzte er die Reparationskommission für sich, jenes Instrument in Frankreichs Händen, das aus den Vertretern der Alliierten bestand und nichts als eine Rechenmaschine war, die automatisch nach dem Wunsche Frankreichs anzeigte, was Deutschland zahlen sollte. Briand, fortan der Nerv eines Rattenkönigs von Konferenzen, handhabte sie meisterhaft.

Am 24. Januar 1936 bediente er sich noch des Finanzministers Doumer, der in Paris von Deutschland 226 Milliarden verlangte. Aber nachdem im März auf der Konferenz in London von den Deutschen die Zahlung dieser wahnsinnigen Summe abgelehnt worden war und Frankreich deshalb als Sanktion die Städte Düsseldorf, Duisburg und Ruhrort besetzt hatte, verwies Briand auf den Zeiger der Rechenmaschine: unerbittlich stand er auf der Zahl 200. Frankreich hatte also den Wert der Ruhrstädte auf 26 Milliarden veranschlagt.

Gewehr bei Fuß stand die französische Armee und sah begehrlich in das Ruhrtal hinab. Das Ziel war nahe, doch jetzt legte sich England ins Mittel. Man durfte den ländergierigen Verbündeten nicht zu groß werden lassen. Auf Drängen der übrigen Kabinettsmitglieder, namentlich Winston Churchills und Lord Curzons verlangte Lloyd George eine Herabsetzung der Reparationssumme. Briand wich vor dem entschlossenen Auftreten der Engländer zurück und erlitt eine Schlappe, die Poincaré ihm nicht vergessen hat. Seinen Sturz verhinderte lediglich das Schmerzenspflaster Lloyd Georges in Form des Versprechens, daß England sich am Ruhreinmarsch beteiligen würde, falls die im Wege eines Ultimatums geforderte Reparationssumme von Deutschland wiederum abgelehnt werden sollte.



Der Milliardenzeiger an der Rechenmaschine sank zwar auf die Zahl 132 herab, stand aber jetzt endgültig fest. In Berlin war es die Regierung des Zentrumskanzlers Wirth, welche diese frivole Forderung vorbehaltlos annahm, obwohl die bisher durchgeführten Sanktionen an der Ruhr nicht rückgängig gemacht wurden. Man fragt sich erstaunt, ob dieser Mann tatsächlich geglaubt hat, durch irgendeines der ihm zur Verfügung stehenden Mittel die Ruhrbesetzung verhindern zu können. Kannte er die Politik Frankreichs nicht oder wollte er sie nicht kennen? Man bekommt einen üblen Geschmack im Munde, wenn man in diesem Zusammenhang an die Äußerung Briands in der Kammer denkt: „Die Sanktionen sind das wirksamste Mittel, um die Regierung Wirth zu stützen, an der Frankreich ein großes Interesse hat!“

Ein fürchterlicher Schimpf. Ob das Mitglied des Zentrums, der Kanzler Wirth, in diesem Moment an das wenige Monate zuvor in München gesprochene Wort Adolf Hitlers gedacht haben mag, an das Wort von der Achtung, die man dem verweigert, der die Peitsche küßt? Vielleicht tat Herr Wirth, der mit seinem Verhalten die Ehre des deutschen Volkes besudelt hat, sogar noch Schlimmeres. Denn nach wie vor prangte über seiner Politik das Motto: Erfüllung!

Kein Wunder, daß man seitens der Alliierten die Regierenden vom Schlage Wirths mit völliger Mißachtung und keineswegs gleichberechtigt behandelte. Die Folgen aber spürten nicht sie, sondern das unglückliche deutsche Volk. Um es zu demütigen, war den Alliierten kein Mittel schlecht genug. Das Volk mußte sich gefallen lassen, daß Männer, die sich im Kriege hervorgetan, auf Befehl der Entente vor dem Reichsgericht in Leipzig wie Verbrecher abgeurteilt wurden.

Warum? Ein Major, weil er befohlen hatte, daß auf Feinde, die sich tot oder verwundet stellten, um von hinten auf deutsche Soldaten zu schießen, keine Rücksicht zu nehmen sei. Für die Erfüllung dieser absolut selbstverständlichen Pflicht im Kriege, erhielt der Offizier zwei Jahre Gefängnis. Brennend steigt jedem Deutschen die Schamröte ins Gesicht, wenn er dieser tiefsten Erniedrigung, unterstützt von der eigenen Regierung, der eigenen Justiz, gedenkt. Generale, Offiziere, U-Boot-Kommandanten und Mannschaften wurden auf diese Weise diffamiert.

Herrn Briand aber genügte das alles noch nicht. „Eine höhnische Komödie“ nannte er diese nach seiner Meinung im „Strafmaß zu niedrigen“ Prozesse; er konnte sich das einer Regierung gegenüber leisten, deren Justizminister sich damit brüstete, daß sie das Verfahren auch auf Männer ausgedehnt habe, die in den alliierten Listen nicht verzeichnet seien.

Solcher Taten war diese Regierung fähig, die es andererseits unterließ, der Entente den Tagesbefehl des französischen Generals Martin de Bouillon vom 25. September 1915 an der Lorettohöhe vorzuhalten: „Auf zum Rhein! Dort werdet ihr schon Mädchen finden und guten Wein. Gefangene werden nicht gemacht, nur so viele, damit ich sie ausfragen kann!“



Die seelische und nationale Not des deutschen Volkes fand ihr Seitenstück in der materiellen. Um sie zu heben, hatte man, schon seit geraumer Zeit an den wirklichen Ursachen mit fataler Sicherheit vorbeigehend, die Notenpresse in Bewegung gesetzt und damit eine Entwertung der deutschen Mark herbeigeführt. 1921 war die Inflation schon zu einer gewissen Blüte gelangt.

Obwohl die Entwertung der Mark durch Machenschaften an der Fondsbörse schon früher begonnen hatte, war der eigentliche Vater der Inflation durch ein jüdischer Arzt, Dr. Hilferding, aus Galizien eingewandert und von der Sozialdemokratie ausgerechnet zum Reichsminister der Finanzen gemacht. Es traf ein, was selbst das mit den Juden verbündete Zentrum weder gewollt noch vorausgesehen hatte: Die Not wurde größer, die Lebensmittel teurer; auf den Banken zerflossen allmählich die Sparguthaben zu nichts und der größte Teil des Volkes wurde an den Bettelstab gebracht.

Vielleicht wäre ein frühzeitiges Abbremsen der Inflation noch möglich gewesen, wenn Frankreich in ihr nicht die große Chance seiner Politik erblickt hätte. Jede Maßnahme, die zu einer Verminderung der deutschen Zahlungsfähigkeit und Vermögenskraft führte, war ein Schritt weiter zur Verewigung der Rheinbesetzung, ein Schritt weiter zum Ruhrgebiet. Wenn Deutschland nicht zahlen konnte, dann genügte die Feststellung der Reparationskommission, daß sich das Reich einer Verfehlung gegen den Versailler Vertrag schuldig gemacht habe, und der erforderliche Vorwand war gegeben. Die entsprechenden Feststellungen der Reparationskommission häuften sich im Verein mit immer heftigeren Angriffen auf die Mark an der Börse in Paris.



Diese Tatsache hatte Briand auf dem Ministersessel bisher gehalten. Allein seine jetzige Amtsperiode sollte nicht mehr von langer Dauer sein. Poincaré, zu der Zeit Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses in der Kammer, verfolgte jede seiner Handlungen mit Argusaugen. Und es waren nicht gerade die besten Wünsche, mit denen er Briand nach Cannes fahren ließ.

Dort, an der Riviera, fand unter strahlendem Winterhimmel am 6. Januar 1922 eine Besprechung des Obersten Rates der Allierten statt. Lloyd George hatte es sich in den Kopf gesetzt, einen Ausgleich zwischen politischen Imperialismus Frankreichs und Wirtschaftsimperialismus Englands herbeizuführen. Er ging davon aus, daß die Weltwirtschaft krank und eine Katastrophe nur zu vermeiden sei, wenn in einer Konferenz, die in Genua stattfinden sollte, eine Regelung aller Wirtschaftsfragen vorgenommen werde. Unter Hinzuziehung Deutschlands und Rußlands. Amerika hatte sich dieser Konferenz von vornherein versagt. Aber die Russen wollten nach Genua kommen, und es bestand Aussicht, daß man die Frage der russischen Vorkriegsschulden an Frankreich aufrollen konnte. Eine Gesundung der Wirtschaft aber war ohne Deutschland unmöglich, das gerade ein Stundungsgesuch für die nächste Zahlung an die Alliierten eingereicht hatte. Notwendigerweise würde man also auch über die Tribute sprechen müssen.

Dagegen jedoch wehrte sich in Cannes Briand zunächst mit aller Kraft, erklärte sich aber schließlich doch bereit, den deutschen Unterhändler, Rathenau, wenigstens anzuhören. Er tat das, weil Lloyd George zur Befriedigung des französischen Sicherheitsbedürfnisses den Abschluß eines Vertrages vorschlug, in welchem die Ostgrenze Frankreichs von England garantiert werden sollte.

Das war zuviel für Poincaré. Er wollte keine Garantie der Engländer, kein Gespräch über Reparationen - er wollte den Rhein, die Ruhr! Er mobilisierte die Kammer, die über die Politik Briands in helle Empörung geriet. Der Ministerpräsident wurde von der Konferenz zurückgerufen und einen Tag später gestürzt. Raymond Poincaré nahm das Steuer Frankreichs in die Hand.

Poincarés Schatten stand hinter der Konferenz von Genua. Am 10. April 1921 hatte sie mit einer Beteiligung von dreiunddreißig Staaten begonnen. Doch man kam nicht vom Fleck, weil der französische Finanzminister Barthou bei dem Versuch, die Tributfrage zu berühren, sofort die Verbotstafel Poincarés emporhob. Barthou hatte einen anderen Plan. Er zeigte sich bereit, die russischen Vorkriegsschulden zu streichen, wenn die Russen von Deutschland Reparationen verlangen und diese an Frankreich abtreten würden.

Als dem Chef der russischen Abteilung im Berliner Auswärtigen Amt, Freiherrn von Maltzahn, berichtet wurde, daß eine solche russisch-französische Vereinbarung kurz vor dem Abschluß sei, bestimmte er den Außenminister Rathenau dazu, sich mit den Russen in Rapollo [sic] zu treffen. Hier kam am 16. April ein bereits entworfenes Abkommen zustande, nach welchem zwischen beiden Staaten der Frieden auf der Grundlage der Gleichberechtigung und des gegenseitigen Verzichtes auf alle Forderungen hergestellt wurde. Es war dies die Liquidierung des durch Versailles aufgehobenen deutsch-russischen Friedensvertrages von Brest-Litowsk. Der Fehler in dem neuen Abkommen lag darin, daß Rathenau es mit oder ohne Absicht versäumt hatte, den Einbau von Schutzklauseln gegen die hemmungslose kommunistische Propaganda in Deutschland vorzunehmen.

Mit dem Rapallo-Vertrag war die Konferenz von Genua vor allem für die Franzosen erledigt. Entrüstet fuhr Barthou ab, in Paris lächelnd empfangen von Poincaré, der sich die Hände rieb und sofort die Schlinge fester zog, die seit Versailles um den Hals der Deutschen lag. Von jetzt ab fuhr er Sonntag für Sonntag zur Einweihung von Kriegsdenkmälern, um sich heuchlerisch im Gedächtnis an die Toten des Weltkrieges über Deutschland zu beklagen. In Bar le Duc gab er zum erstenmal zu erkennen, daß er bereit sei, auch ohne die Verbündeten an die Ruhr zu gehen: „Wir werden die Rechte Frankreichs auch in voller Unabhängigkeit zu verteidigen wissen“, rief Poincaré aus. „Wir werden nicht eine einzige Waffe vernachlässigen, die uns der Versailler Vertrag bietet! Wir werden nicht dulden, daß unser unglückliches Land unter der Last des Wiederaufbaues zusammenbricht, während sein Nachbar sich weigert, die nötigen Anstrengungen zur Bezahlung seiner Schulden zu unternehmen!“

Indessen erfüllte die deutsche Regierung weiter, bis die Kassen leer und das Volk restlos ausgepowert war. Da häuften sich die Stundungsgesuche. Poincaré aber blieb hart. Als im August 1922 der Oberste Rat der Alliierten, besonders Lloyd George, Deutschland ein Moratorium gewähren wollte, erklärte Poincaré stur: „Es gibt kein Moratorium!“ Dafür legte er Lloyd George ein „produktives Pfänderprogramm“ vor, das einer Beschlagnahme des gesamten deutschen Staatsbesitzes im Reich gleichkam und in der Ruhrbesetzung gipfelte.

Lloyd George lehnte entschieden ab. Seit zwei Jahren kämpfte dieser Mann einen tragischen Kampf gegen sein eigenes Werk, gegen Versailles, um nun einsehen zu müssen, daß die von ihm mitverschuldete Katastrophe doch nicht verhindert werden konnte und der Geist Clemenceaus, die Grundsätze Richelieus stärker waren. Da wandte sich England zum ersten Male seit Kriegsbeginn ostentativ von Frankreich ab.



Deutschland bat und flehte. Selbst die Reparationskommission stellte fest, daß das Reich zahlungsunfähig war. Es nützte nichts. Zwar war Poincaré nun völlig isoliert; aber seinen Weg ging er dennoch weiter.

Jetzt erst erkannte die Regierung des Zentrumsmannes Wirth den völligen Zusammenbruch ihrer Politik. Sie räumte das Feld, gemeinsam mit den Sozialdemokraten, die sich vor der Verantwortung scheuten für das, was kam; für das, was sie dem deutschen Volk mit Eifer eingebrockt hatten. An die Stelle des Reichskanzlers Wirth trat der Generaldirektor der Hamburg-Amerika-Linie, Geheimrat Dr. Cuno. Aber auch er vermochte den Gang des Schicksals nicht mehr aufzuhalten. Denn hartnäckig blieb an der Seine Poincaré.



Am 26. Dezember 1922 ließ er die Reparationskommission feststellen, daß Deutschland im Laufe des vergangenen Jahres zu wenig Holz und Telegraphenstangen geliefert habe. Es handele sich demnach um eine Verfehlung im Sinne des Anhang II, Paragraph 17 des Versailler Vertrages. Entsetzt rief der englische Vertreter in der Reparationskommission aus: „Das ist eine lumpige Anklage, sie ist nur als Vorbereitung für etwas anderes vor die Kommission gebracht worden! Niemals seit dem trojanischen Krieg hat das Holz im Schicksal der Völker eine so furchtbare Rolle gespielt!“

Holz? Poincaré zuckte die Achseln, als er diese Äußerung vernahm. Sein verschlossenes Greifengesicht war blaß und ruhig. Er glühte und srühte nicht wie Clemenceau. Er sagte nicht brüsk wie der Tiger: „Ich führe Krieg!“ - sondern in dem Gesicht des einstigen Advokaten aus Lothringen hätte man die unausgesprochenen Worte lesen können: Ich führe Prozeß! Und mit der kalten Miene eines siegesbewußten Anwalts kurz vor der Urteilsverkündung ordnete er die Akten und bereitete sie vor, um das Urteil durch seinen Gerichtsvollzieher vollstrecken zu lassen.

Wer sollte ihn hindern? England? Es war in seinen Entschließungen durch den Vormarsch der Jungtürken in Kleinasien derart gehemmt, daß es Poincaré in Europa freie Bahn geben mußte. Auf dessen Veranlassung konnte daher das Urteil gefällt werden: Am 5. Januar 1923 beschloß der französische Ministerrat einstimmig die Besetzung des Ruhrgebietes.



Der „Grande armée“ aber wurde die Rolle des Gerichtsvollziehers zuteil. Vier Jahre schon stand sie am Rhein, vier Jahre ächzte die rheinische Bevölkerung unter dem Griff einer eisernen Faust im Nacken. Vier Jahre hindurch erlitten deutsche Stämme die Schmach, von Negern drangsaliert zu werden.

Aber das war nur die eine Seite der französischen Besetzung, die andere zeigte weichere Züge. Sie wurde verkörpert in dem Präsidenten der Rheinlandkommission, Paul Tirard, dem Freunde Poincarés. In Koblenz, am Deutschen Eck, residierte er, gegenüber dem Ehrenbreitstein, auf dem sich die Trikolore im Winde blähte.

Tirard hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die rheinische Bevölkerung neben Drohungen auch mit Lockungen gefügig zu machen. Unermüdlich war er in den Lobeshymnen auf die Zivilisation seines Landes, unermüdlich pries er die Vorteile, die das Volk am Rhein haben würde, wenn es vollends zu Frankreich gehöre. Nichts war ihm zu viel. In seinem luxuriös ausgestatteten Palast spielte er den freundlichen Gastgeber und ließ den Sekt in Strömen fließen bei den Empfängen zur Feier „des Sieges am Rhein“.

Im Verein mit der französischen Armee stellte er so recht den Januskopf Frankreichs dar, das in dieser Seite seines Wesens als die große Dame der Geschichte an den Rhein gekommen war, zurechtgemacht mit allen Mitteln echt Pariser Kunst, um zu gewinnen, was rohe Soldatenfäuste zu beugen nicht vermocht.

Aber Tirard merkte wohl bald, daß auch auf solche Art bei den Deutschen nichts zu erreichen war. Als sich der große schwere Mann vor dem Bilde „Rheinübergang zur Zeit Ludwig XIV.“ mit General Allen in Feldherrnstellung photographieren ließ, da war es auch für ihn bereits beschlossene Sache, das Ruhrgebiet mit Gewalt zum französischen Glacis zwecks Festigung der Stellung am Rhein zu machen.



Die Vorbereitungen waren sämtlichst getroffen. Poincaré stellte der deutschen Regierung das Urteil zu: Frankreich werde eine Abordnung von Ingenieuren und Beamten in das Ruhrgebiet entsenden, deren Aufgabe in der Sorge für die Erfüllung der deutschen Verpflichtungen bestehe. Zum persönlichen Schutz und zur Sicherung ihrer Arbeit seien der Abordnung auch militärische Abteilungen beigegeben.

Abordnung und militärische Begleitung? Die Rheinbrücken erdröhnten unter ihrem Schritt, unter dem Rattern der Tanks, unter dem Trommeln der Pferdehufe und dem Poltern der Geschütze. Die Marseillaise klang auf: Vierzigtausend Franzosen marschierten am 10. Januar 1923, überschritten den Rhein auf dem Weg zur Ruhr.

*) Friedrich Grimm: „Frankreich am Rhein.“, Hanseatische Verlangsanstalt, Hamburg/Berlin 1931.
**) Aus Tardieu: „La Paix“

Quelle

Anmerkungen

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