Der Retter Deutschlands

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Alfred Rosenberg


Der Retter Deutschlands.

„Völkischer Beobachter“, 4. Februar 1922.

Er ist da, wieder da, der große unvermeidliche Walter Rathenau! Ganz Deutschland schaut zu ihm empor, voller Hochachtung tauchen die Schreiberlinge die Federn in die Tinte und bejubeln, wie es sich in den Freistaaten gehört, den Schöpfer der Volksauswucherungsgesellschaften. Er ist aber auch wirlich alles, der geniale Mann: er ist Monarchist, Demokrat und Bolschewist, er ist Großkapitalist und Arbeiterführerliebling, er ist Jude und „Norddeutscher“, er wird verhimmelt vom Zentrums-Wirth und von der „Roten Fahne“, seine Stange halten alle, alle, alle!

Monarchist: „Nicht aus bloßer Abneigung gegen Wahlumtriebe und Streberei, gegen Advokaten- und Publizistenmache bin ich Anhänger des monarchistischen Gedankens, sondern aus angeborener Empfindung...“ („Von kommenden Dingen“).

Republikaner: Es ist bekannt geworden, das herrliche Wort, die Weltgeschichte hätte ihren Sinn verloren, wenn Wilhelm II. als Sieger in Berlin einziehen würde. Walter Rathenau wurde Mitglied der Demokratischen Partei, auf Händen von der „Frankfurter Zeitung“ getragen, wie es sich für den großen „Monarchisten aus geborener Empfindung“ gehörte.

Als Bolschewist ist er begeisterter „Freund“ Radek-Sobelsohns und erklärte dem tschechischen Ingenieur Fleischer mit Stolz, Lenin arbeite nach seinen Wirtschaftsplänen.

Als Großkapitalist verfügt er über Dutzende von Millionen in der Schweiz und in der A.E.G. über weit über eine Milliarde Mark.

Als Arbeiterliebling zeigt sich der hehre Name in den Spalten aller „Arbeiter“blätter, wie „Münchner Post“, „Vorwärts“, „Arbeiter-Zeitung“ usw.

Als Jude pries ihn Dr. Wirth am Grabe seines Herrn und Meisters Matthias Erzberger aus Buttenhausen.

Als Norddeutschen empfahl er sich selbst auf der Tagung der deutschen Industrie am Ende des vergangenen Jahres in München. Also ein Universalgenie vom Spitzkopf bis zur Plattsohle.

Aber Rathenau ist noch viel mehr als der vergötterte monarchistische, republikanische Bolschewist, er ist vor allem ein Prophet, wie nur je einer in Juda gelebt hat. Vor 13 Jahren „prophezeite“ er, die Zeiten seien gekommen, da an Stelle der Könige die Hochfinanz die Zügel der Regierungen in die Hand nehmen würde - und die „Arbeiterpresse“ jubelte - und der Kaiser von Deutschland schloß ihn in die Arme.

Aber Herr Rathenau weiß noch viel mehr; in den „Züricher Nachrichten“ schrieb der große Prophet im Frühjahr 1919:

„Wer in 20 Jahren Deutschland betritt, das er als eines der blühendsten Länder der Erde gekannt hat, wird niedersinken vor Scham und Trauer. Die großen Städte des Altertums, Babylon, Ninive, Theben waren von weichem Lehm gebaut, die Natur ließ sie zerfallen und glättete den Boden und Hügel. Die deutschen Städte werden nicht als Trümmer stehen, sondern als halb erstorbene, steinerne Blöcke, noch zum Teil bewohnt von kümmerlichen Menschen. Ein paar Stadtviertel sind belebt, aber aller Glanz und alle Heiterkeit ist gewichen. Müde Gefährte bewegen sich auf dem morschen Pflaster, Spelunken sind erleuchtet, die Landstraßen sind zertreten, die Wälder sind abgeschlagen und auf den Feldern keimt dürftige Saat. Häfen, Bahnen, Kanäle verkommen und überall stehen traurige Wohnungen, die hohen verwitterten Bauten aus der Zeit der Größe. Rings umher blühen, erstarkt, alte und neue Länder im Glanz und Leben neuer Technik und Kraft, ernährt vom Blute des erstorbenen Landes, bedient von seinen vertriebenen Söhnen. Der deutsche Geist, der für die Welt gesungen und gedacht hat, wird Vergangenheit. Ein Volk, das Gott zum Leben geschaffen hat, das noch heute jung und stark ist, lebt und ist tot.“

Kann man jetzt noch daran zweifeln, daß es gerade Walther Rathenau ist und sein muß, der die deutsche Politik zu leiten hat? Er weiß genau, wie es kommen muß, also liegt Deutschlands Schicksal in seinen Händen sicher wie in Abrahams Schoß.

Das Internationale Syndikat (das privat sein soll) wird halb zu arbeiten beginnen, um die Träume von „kommenden Dingen“ ganz zu verwirklichen, die Erfüllungspolitik geht ihren Gang weiter.

Auf dem Bremer Parteitag der Demokraten sagte Herr Rathenau, ein passiver Widerstand gegen die Ententediktate sei „verwerflich, weil er schlapp“ sei. „Es ist etwas Großes für uns im Urteil der Welt, wenn wir es in die Hand nehmen, Europa wieder in Ordnung zu bringen. Das ist die Mission Deutschlands.“ Nach obigen Worten kann über das Wesen der vom Propheten Israel dem deutschen Volke zugemuteten Mission kein Zweifel obwalten: die andern Länder in Glanz und Leben, bedient von den vertriebenen Söhnen des Deutschen Reiches. Der Psalmist würde hinzufügen: Sela! Sela! Herrlich waltet Gott Jehovah: er schlägt mit Blindheit die Völker Europas und gibt sie in die Hände der Großen von Juda!

Nur immer weiter so, immer weiter! Es hat schon mancher Brandstifter sein Ende im eigenen Feuer gefunden, und mancher Totengräber ist in die eigene Grube gefallen.

Quellen

Anmerkungen

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