Der Kampf um die deutsche Vorgeschichte
Aus NS-Archiv
Dr. Rudolf Ströbel
Der Kampf um die deutsche Vorgeschichte.
In dem großen Weltanschauungsringen der Gegenwart bietet die deutsche Vorgeschichte eine für unsere Bewegung außerordentlich geeignete, scharfe und unzerbrechliche Waffe. Sie bildet einen unentbehrlichen Bestandteil unseres neuen Geschichtsbildes und ist mit dem Rassegedanken wesenhaft verbunden. Unser Volk, das den Willen hat, zu den Urgründen seines Daseins zurückzufinden, bringt gerade der Vorgeschichte eine große Bereitschaft entgegen. Das große Gefühl, einen jahrhundertealten Schutt und Dämmer, der über die frühe Zeit unserer Herkunft gelegt wurde, weggeräumt zu sehen, ist aufgebrochen und will sich nicht länger beirren lassen.
Unter allen unseren großen Nachbarvölkern haben wir Deutschen uns am spätesten der bewußten Pflege der nationalen Vorgeschichte zugewandt. In Frankreich waren die Altertümer gallischer Vorzeit längst durch Wort und Bild für jeden Staatsbürger lebendig geworden; in den neugegründeten Museen Dänemarks und Schwedens ordnete man unter starker Anteilnahme der Bevölkerung, in emsiger Arbeit die Kulturschätze germanischer Frühzeit, und selbst in Rußland fand die panslawische Bewegung ihre letzten und entscheidenden Stützen im Kulturboden der frühesten nationalen Vergangenheit. In Deutschland war man indessen mit allem anderen, am wenigsten aber mit der Klärung der arteigenen deutschen Vorzeit beschäftigt. Ein deutscher Kaufmann, Schliemann, erschloß den Griechen die klassische Welt ihrer Ahnen. In Troja, Mykenä, Tyrins, Olympia, auf den Inseln des Ägäischen Meeres und in den griechischen Pflanzstädten Kleinasiens, in den babylonischen und assyrischen Ruinenfeldern Mesopotamiens und in Ägypten arbeitete der deutsche Spaten. In Italien entstand unter entscheidender deutscher Mitarbeit das fast lückenlose Bild römischer Kultur, gaben die neuerschlossenen Foren und Paläste der Kaiser, die Tempel und Grabmäler der jungen nationalen Bewegung Ansporn und Halt. Aber nicht allein im Süden, auch in den nordischen Ländern, ganz besonders in Island, waren es Deutsche, die in vorderster Reihe für die Erforschung frühester nordgermanischer Kultur und Geschichte eintraten.
Was für die deutsche Arbeit in fremdem Lande als Selbstverständlichkeit galt, die durch den Spaten erschlossenen Kulturgüter der nationalen Geschichte der dortigen Völker einzugliedern, ja selbst die nationale Frühzeit in begeisterten Worten zu verherrlichen, das fand für die deutschen Altertümer - mit wenigen Ausnahmen - keine Anwendung. Wenn es aber doch einmal geschah, dann sicherlich mit einer tiefen Verbeugung vor irgendeinem kulturspendenden Fremdvolke, das unseren „barbarischen“ Vätern angeblich die Segnungen seiner Gesittung, seiner Kunst und Technik hatte angedeihen lassen. Es war selbstverständlich, in Griechenland die ausgegrabenen Kulturstätten, die Erzeugnisse der Kunst und des Handwerks, wenn auch nicht immer mit Recht „griechisch“ zu nennen, die in Ägypten „ägyptisch“ oder die in Rom „römisch“. Nur in Deutschland umging man die Bezeichnung „germanisch“, wo es nur irgend sein konnte. „“Heidnisch, vorrömisch oder im wissenschaftlich „objektiverem“ Gewande „norddeutsch, metallzeitlich, bronze- und eisenzeitlich, merowingisch“ usw. traten an ihre Stelle. Es gab eine Zeit, in der das Schrifttum fast den Eindruck vermittelte, als ob auf deutschem Boden einst nur Kelten, Römer, Slawen und namenlose vorgeschichtliche Stämme gesessen hätten. Von Germanen war, zumindest für die vorchristlichen Jahrtausende, keine Rede.
Die Gründe für die Mißachtung unserer eigenen Ahnen sind sehr alt. Sie liegen bereits in der Zeit des großen Kulturbruches, dort, wo mit Karl dem Franken, seinen Vorgängern und Nachfolgern, die Überlieferung unserer Vergangenheit abbrach. Was einst die Römer nicht vermocht hatte, suchte man damals zu vollenden: Überfremdung soll unser endgültiges Schicksal sein, mit Gewalt wird eine aus südlichem Raum und Blut entsprungene Weltanschauung zur herrschenden gemacht. Es sind für die Erklärung jener Politik die mannigfachsten Gründe gesucht worden; das eine aber kann nicht bestritten werden, daß die fremden Anschauungen nicht im germanischen Wesen begründet lagen, sondern einen folgenschweren Bruch bedeuteten.
Zur selben Zeit, da Karl italienische Baumeister nach Deutschland holte, entwickelte sich in Schweden und Norwegen auf alter germanischer Grundlage ein Bau- und Kunststil, der an Schönheit und Kraft späteren Stilepochen durchaus ebenbürtig ist. Während Karl im Verein mit fremden Mächten gegen germanisches Blut wütet, durchziehen die Wikinger die Mittelmeerwelt. Sie gründen germanische Reiche in der Normandie, in England, Sizilien und Rußland. Ihre verwegenen Fahrten gehen die Wolga hinab bis in das Kaspische Meer; Island und Grönland werden von Wikingern germanisch besiedelt. Ja, selbst die Entdeckung Amerikas im Jahre 1003 ist eine Tat jener letzten freien Germanen.
Wer bodenwüchsiges Germanentum kennenlernen will, der muß zu den alten isländischen Bauerngeschichten, den Sagas, und den Büchern der Edda greifen, der wird es im frühen Island finden, in diesem eisbedeckten, wogenumbrandeten „trutzigen Ende der Welt“! Die große einheitliche innere Haltung dieser germanischen Menschen macht Kultur im eigentlichen Sinne aus. Diese Haltung haben unsere Vorfahren besessen; durch den gewaltsamen Kulturbruch wurden wir zum zwiespältigen Volke.
Der Kulturbruch
Von Julius Cäsar (58 v. Chr.) an bis zur Völkerwanderung, also rund 500 Jahre, haben römische Legionen am Rhein gestanden. Bei den Legionslagern bildeten sich Städte. Römische Beamte verwalteten die eroberten und besetzten Gebiete. Kaufleute und Handwerker siedelten sich an. Die römische Kultur breitete sich bis an den Rhein aus. Aber weit darüber hinweg kam sie nicht. Es ist auffallend, wie wenig unsere Vorfahren von den Kulturgütern der Mittelmeervölker übernommen haben. Obwohl sie ein halbes Jahrtausend neben den Römern - teils im Kriege mit ihnen, teils im friedlichen Verkehr - lebten, obwohl sie die großen Bauwerke sahen, die Landhäuser, Stadthäuser, die Paläste und Tempel, die Wasserleitungen, die Mauern und Türme der Städte, obwohl Tausende und aber Tausende germanischer Jünglinge im römischen Heeresdienst den Steinbau erlernten, übernahmen die freien Germanen weder den Stein als Baustoff noch die Stadt als neue Lebensform. Sie bezogen wohl am und zu römische Gefäße und Geräte, aber ihre Kunst, ihr Handwerk blieben durchaus selbständig, ja, im dritten und vierten Jahrhundert nach unserer Zeitrechnung war die germanische Goldschmiedekunst der römischen sogar weit überlegen. So arteigen und stark war die Kultur, war das Leben unserer Vorfahren, daß 500 Jahre Nachbarschaft dast gar keinen Einfluß auf die östlich des Rheins lebenden Germanen gehabt hat.
Erst als nach den Stürmen der Völkerwanderung (375 n. Chr.) germanische Fürsten und Stämme auf altem römischen Reichsboden ihre Staaten gründeten, übernahmen sie römische Staats- und Verwaltungseinrichtungen und mit ihnen die Stadtkultur und das geistige Erbe des alten Roms. Damit wurden germanische Fürsten, und in ihrer Nachfolge die Frankenkönige, unter der Einwirkung einer fremden geistigen Macht zu Vernichtern der Kultur ihrer Väter und Vorväter. War bis dahin das bodenverwurzelte freie Bauerntum der Träger altgermanischer Kultur gewesen, so ging das Schwergewicht jetzt auf die Städte und die Fürstenhöfe über. Der Vollstrecker dieses Kulturbruches war Karl der Franke, indem er auch den letzten, noch freien, großen Germanenstamm auf deutschem Boden, die zwischen Ems und Elbe lebenden Sachsen, unter seine Herrschaft zwang, und indem er, verbunden mit südlichen Geistesmächten, all das vernichten ließ, was an kulturellen Gütern und an Zeugen einer hochentwickelten Geistigkeit in den deutschen Landen östlich des Rheins vorhanden war. Daß er sich bewußt war, wertvolles altes Gut zu zerstören, geht aus dem uns von seinem Biographen Einhart überlieferten Befehl hervor, „die barbarischen und ältesten Lieder, in denen die Taten der alten Könige und ihrer Kriege besungen wurden, niederzuschreiben“. Diese Niederschriften ließ dann sein Nachfolger Ludwig vernichten, und die römische Kirche gab ihm nun den Beinamen des „Frommen“. Nur ein einziges Lied blieb uns erhalten, das Hildebrandlied, und wür können uns glücklich preisen, daß die alten Heldengesänge wenigstens im hohen Norden und auf der einsamen Insel Island Aufnahme fanden und schließlich aufgezeichnet wurden.
Der Kulturbruch, der also nicht aus einer inneren Überlegenheit des Südens über den Norden hervorging, sondern durch Gewalt erfolgte, ging Hand in Hand mit einer ständig fortschreitenden Knechtung des freien deutschen Bauerntums. Die bäuerliche Kultur wurde zu einer solchen zweiten Ranges, der freie Bauer Höriger seiner Grundherrn. Der Städtebau erfolgte nun auch in den Landen rechts des Rheins, und städtische Gesittung wurde der Maßstab aller Dinge. Pagani, das heißt Heiden, nannte man jetzt die Menschen, die auf dem flachen Lande wohnten, im Gegensatz zu den Städtern, die das Christentum viel früher angenommen hatten. Mit der griechisch-römischen Bildung drang auch der Begriff des Barbarentums nach Norden vor, wobei unter „Barbaren“ diejenigen verstanden wurden, die Sprache und Gesittung des römischen Mittelmeergebietes nicht annahmen, sondern die an dem altererbten Gut zäh festhielten. Mit dem Begriff „Barbar“ verband sich schließlich der Begriff „Heide“, und so konnte es bisher geschehen, daß unsere Vorfahren sehr bald mit halbwilden Naturvölkern, mit Negern oder Lappen, verglichen wurden.
Die Gegenwirkung des germanischen Geistes
Aber die Gegenwirkung blieb nicht aus! Geist und Art des Germanentums waren zu kräftig, als daß sie völlig niedergehalten werden konnten. Das Bauerntum bewahrte durch die Jahrhunderte hindurch, obwohl es immer wieder und wieder unterdrückt wurde, die alte Art der Väter, das alte Kulturerbe. Blieben auch die Sinnbilder, die der Dorfhandwerker in die Truhen, Stühle und Schränke schnitzte, mit denen er die Pfosten und Balken der Häuser verzierte, lange Zeit hindurch ihrem Sinn nach unbekannt, so wurden sie doch durch alte Gepflogenheit bis in die Gegenwart hinübergerettet, um jetzt zu einem neuen Leben aufzuerstehen. Das heldische Wesen des germanischen Kriegertums erfüllte trotz neuer äußerer Formen noch das Rittertum des Mittelalters. Die altgermanische Kunst setzte sich in dem - fälschlicherweise so genannten - romanischen Baustil wieder durch und kam schließlich in der Gotik zu einer neuen späten Blüte. In lebendiger Form wirkte sich der germanische Geist in der Mystik eines Meister Ekkehard von neuem aus.
Die zweite volksfremde Welle aus dem Süden
Dem so in der Gotik wieder aufstrebenden germanischen Geist traten neue Mächte des Südens entgegen, zunächst die sogenannte Scholastik, die eine kirchlich bedingte Bildungsform des Mittelalters war. Sie kam aus Frankreich. Ein geflügeltes Wort sagte: „Italien das Papsttum, Deutschland das Kaisertum, Frankreich das Studium.“ Ihre Anregungen zog die Scholastik in starkem Maße aus der arabisch-jüdischen Wissenschaft des benachbarten Spaniens. Die Araber hatten die Schriften des griechischen Philosophen Aristoteles übersetzt und sie dem Abendlande übermittelt. Nun stürzte sich die Scholastik auf diesen Philosophen und suchte ihn und sein Leben zur Erläuterung und Stützung der christlichen Glaubenslehre zu benutzen. Die Scholastik trat der Mystik entgegen.
Vielfach verstärkt wurde die verderbliche Wirkung der Scholastik durch die Renaissance und den Humanismus. Diese breiteten sich von Italien her aus und begannen vom 15. Jahrhundert an ihre Herrschaft in Deutschland. Das Wesen des Humanismus bestand in der Wiedererweckung des klassischen Altertums, das heißt der römisch-griechischen vor- und frühchristlichen Kultur. Bezeichnend ist das Bildungsideal jener Zeit, der dreisprachige Mann, der Mann also, der das Griechische, Lateinische und Hebräische beherrschte. Damit erfolgte die gefährliche Spaltung des Volkes in „Gebildete“ und „Ungebildete“, wobei man unter Bildung die Aneignung volksfremden Wissensstoffes verstand.
Die Wiedererweckung des germanischen Altertums
Wieder wehrte sich der nordische Geist, und zwar mit den Mitteln jener Zeit. Während die meisten Gelehrten und ihre Schüler die alten Römer und Griechen nachahmten und ihre Schriften wiedererweckten, fanden sich einige wenige, die sich auch dem germanischen Altertum widmeten, zunächst freilich nur dadurch, daß sie den römischen Überlieferungen über unsere Vorfahren wieder zur Geltung verhalfen. Seit der Mitte des 15. Jahrhunderts beschäftigte man sich mit der „Germania“ des Cornelius Tacitus, in der uns schon dieser Römer aus der Kaiserzeit ein staunenswertes Bild unserer Kultur entrollte. Sie ist eins der ersten Bücher, das in Deutschland gedruckt wurde. Einem größeren Kreis aber wurde sie erst zugänglich durch die Übersetzung vom Lateinischen ins Deutsche (1535). Schon vorher hatte einer der großen geistigen Führer jener Zeit, Ulrich von Hutten, den Cherusker Arminius, den Befreier Germaniens, als Nationalhelden geschildert (1529).
Der Stolz des Deutschen auf die Anfänge seiner Geschichte ist erwacht. Neben die römischen und griechischen Helden treten die germanischen: Ariovist, Arminius, Claudius Civilis, der Führer im Freiheitskampf der germanischen Bataver gegen die Römer, und Widukind, der Sachsenherzog. Daß ein Hans Sachs sich dichterisch mit Arminius beschäftigt, beweist, daß die Wiedererweckung des germanischen Altertums sich nicht auf Gelehrtenkreise beschränkt, sondern auch eine starke Anteilnahme im Volk findet.
Von den antiken Quellen ging man auf die Erforschung der heimischen Quellen und der vaterländischen Denkmäler über. Es wurden die Volksrechte der alten Deutschen untersucht und veröffentlicht, und es begann das Studium der alten germanischen Sprachen. Ein wesentlicher Schritt war die Auffindung des ältesten, größeren germanischen Sprachdenkmals, der Bibelübersetzung des gotischen Bischofs Wulfila (gestorben 382 n. Christus) in Werden a. d. R. (um 1554). Dadurch wurde die Erforschung des Gotischen, und der nordischen Runenschrift entscheidend gefördert.
Der Ursprung der „Theater-Germanen“
Diese Frühperiode der deutschen Altertumskunde, die noch durch volkskundliche und landeskundliche Forschungen erweitert wurde, stand aber immer noch entscheidend unter der Vorherrschaft der Anschauungen des griechisch-römischen Altertums. Die Gelehrten jener Zeit sahen die Germanen nur mit den Augen der Römer. Sie übernahmen deshalb auch all deren Irrtümer und Fehlmeinungen. Da man keine wirkliche Kunde von Kleidung, Bewaffnung, Schmuck, Gerät, Haartracht und häuslichem Leben der Germanen hatte, so stellte man sie entweder mit römischen Waffen und Rüstungen dar, oder man phantasierte sich ein Bild zusammen, das der damaligen Anschauung von wilden und barbarischen Völkerschaften - als solche waren die Germanen ja von den Römern geschildert worden - entsprach. In jener Zeit entstanden diejenigen Figuren, die man leider heute noch ab und zu auf unseren Bühnen sieht, die „Bettvorleger-Germanen“, Männer und Frauen nackt oder nur mit Fellen bekleidet umd mit Bären-, Hirsch- oder Auerochsenschädeln als Kriegsschmuck. Besonders die wilden Germanengestalten, die Klüver in seiner „Germania Antiqua“ 1660 veröffentlichte, sind bis heute in unserem Volke lebendig geblieben *).
Seitdem laufen zwei Darstellungsrichtungen über unsere Vorfahren nebeneinander her; eine, die sich bemüht, der Wahrheit gerecht zu werden und den alten Deutschen das zukommen zu lassen, was zu ihrer Kultur gehört, und eine andere, die aus der antiken Vorstellung heraus, den schriftlichen Überlieferungen der griechisch-römischen Schriftsteller folgend, im Germanenvolk Barbaren sieht, also ein halbwildes Naturvolk, das in jeder Beziehung den hochentwickelten Mittelmeervölkern unterlegen war.
==Der Romanismus==
Zwar begann man bereits im 16. Jahrhundert im Boden der Heimat nach Altertümern zu graben. Aber von einer Wissenschaft konnte damals noch nicht die Rede sein. Man sammelte die Altertümer als Raritäten und vereinigte sie in Raritätenkabinetten. Aber die wenigen Funde von Bedeutung, die in jenen Jahrhunderten bekannt wurden, konnten die Vorherrschaft des „Romanismus“, eben jene Auffassung, die die Kultur der Mittelmeervölker als hoch überlegen über den „Barbarismus“ der nordischen Stämme ansah, nicht brechen. Das klassische Ideal kam im 17. Jahrhundert und später durch die Französische Revolution und durch Napoleon wieder überragend zur Geltung. Die damals herrschende Geisteshaltung kennzeichnet sich in einer 1806 erschienenen „Ältesten Geschichte der Deutschen“: „Der Germane ist ein Tier, welches schläft, wenn es nicht jagt oder frißt.“
Das 19. Jahrhundert brachte nun zahlreiche Funde und Entdeckungen aus vorgeschichtlicher Zeit. Allenthalben begann der Boden unserer deutschen Heimat zu reden. Vor allem die Gräber, von denen es doch sonst heißt, daß sie stumm sind, führten eine deutliche Sprache. Die romanistisch eingestellte, am klassischen Altertum gebildete Wissenschaft und mit ihr die Welt der „Gebildeten“ wußte sich aber auch da zu helfen. Die Germanen durften die Schöpfer dieser im Boden gefundenen, vorzüglich gearbeiteten Waffen und eigenartig schönen Schmuckstücke nicht sein, denn sie sind ja nach dem Zeugnis der Römer Barbaren gewesen. Also mußten andere Völker in Deutschland gelebt haben oder alle jene Dinge, die für eine hochentwickelte Kultur zeugten, dorthin gebracht haben. So hat man denn den Kelten, den Griechen, den Etruskern, den Phöniziern oder den Römern alle Funde zugeschrieben, die Kultur zeigten. Ja, es wurde zum Lehrsatz erklärt, daß es „für deutsche Länder als Regel gelte, daß die in Gräbern gefundenen Altertümer von Bronze und Gold, wenn sie nicht römisch sind, notwendig keltisch sein müssen“.
Der Aufschwung der germanischen Volkstumsforschung
Inzwischen hatte jene Richtung von Forschern, die nach Erkenntnis der Wahrheit strebte, und die unseren Vorfahren gerecht zu werden bemüht war, neuen Auftrieb erhalten. In den nordischen Ländern wurden durch Dänen, Schweden und Isländer die Lieder der Edda veröffentlicht und durchforscht. Leibnitz, der große deutsche Philosoph des 17. Jahrhunderts, hatte die sprachgeschichtliche Forschung wesentlich gefördert, und sein Sekretär Johann Georg Eckhardt hatte das altehrwürdige Hildebrandlied 1729 zum erstenmal bekanntgemacht.
Der entscheidende Anstoß erfolgte im Zeitalter der Romantik im Anfange des 19. Jahrhunderts. Schon vorher hatten deutsche Dichter und Denker darauf hingewiesen, daß die Urgeschichte des deutschen Volkes auf das Studium der deutschen Volkssprache gegründet werden müsse. Jakob Grimm, dessen 150. Geburtstag wir vor kurzem feierten, wurde der eigentliche Begründer der Sprachforschung. Er und sein Bruder beschäftigten sich grundlegend mit Recht, Sprache, Sage, Religion und Märchen unserer Ahnen. Sie und ihre Anhänger hatten damals gegen die herrschende Auffassung vom Barbarentum unserer Vorfahren, gegen den Romanismus, zu kämpfen. In jener Zeit entstanden zahlreiche Altertumsmuseen und -vereine. Immer mehr bezog man sich auf die heimischen Überlieferungen und auf die aus dem Boden der Heimat gewonnenen Funde.
Von Anfang des 19. Jahrhunderts an liefen zwei Forschungen nebeneinander, die Sprachforschung und die Vorgeschichtsforschung. Zunächst lag das Gewicht bei der ersteren. Man erkannte, daß eine große Zahl europäischer Sprachen auf eine gemeinsame Ursprache zurückgingen, und daß sigar in Indien und in Persien Sprachverwandtschaften vorhanden waren. Das Volk, von dessen Sprache diese Entwicklung ausgegangen sein sollte, bekam 1823 den Namen Indogermanen. Da man die ältesten Sprachdenkmäler im Orient gefunden zu haben glaubte, entwickelte sich die Auffassung, daß die indogermanischen Völker von Asien nach Europa gewandert seien, eine Auffassung, die ein Mittelding zwischen der vorherrschenden Anschauung des Romanismus und der damals noch in den Anfängen steckenden germanisch-nordischen Auffassung darstellt.
Die Begründung der Vorgeschichtswissenschaft
Die Wissenschaft des Spatens, die Vorgeschichtsforschung, begann eigentlich erst, als vor nunmehr 100 Jahren der Rektor am Gymnasium in Salzwedel, Johann Friedrich Danneil, das Dreiperiodensystem in seinem Bericht über Ausgrabungen in der Gegend von Salzwedel aufstellte. Er teilte die kulturgeschichtliche Entwicklung des heimischen Bodens in eine Steinzeit, eine Bronze- und eine Eisenzeit ein, denn er hatte drei Arten von Gräbern untersucht, die „Hünengräber“, in denen er neben Tongefäßen nur Steingerät vorfand, die „Kegelgräber“, die vorwiegend Bronzesachen enthielten, und die „Gräber ohne künstliche Erhöhung“, in denen er vor allem Eisengerät gefunden hatte. Etwa gleichzeitig mit ihm fanden der mecklenburgische Archivar Friedrich Lisch und der Däne CHristian Thomsen das Aufeinanderfolgen dreier Zeitalter, eben der Stein-, Bronze- und Eisenzeit. Damit war die Grundlage für eine wissenschaftliche Durchforschung der im Boden der Heimat enthaltenen Altertümer geschaffen. Hatte man sich bis dahin auf das Sammeln solcher Altsachen beschränkt, so war es nun möglich, sie zeitlich zu gliedern.
Schon Danneil kam zu dem Schluß, daß das norddeutsche Bronzezeit-Volk mit den Germanen gleichzusetzen sei, und Lisch stellte die Überlegenheit der Kultur der Bronzezeit in Germanien gegenüber den gleichzeitig lebenden Völkern des Südens auf Grund der Funde fest. Im Jahre 1844 schrieb er, daß „die norddeutschen Altertümer aus dieser Zeit (der Bronzezeit) keineswegs hinter den altgriechischen und altitalischen zurückstehen, sondern dieselben an Reinheit der Form oft übertreffen“. Lisch war es auch, der auf die Hakenkreuze, die auf germanischen Tonurnen der Eisenzeit eingeritzt waren, aufmerksam machte und ihnen eine heilige Bedeutung zumaß. Der Turnvater Jahn, den diese Forschungen sehr bewegten, hat dann die vier F (frisch, fromm, froh, frei) seiner Turnbewegung in Form des Hakenkreuzes eingeordnet. Damit wurde das Hakenkreuz zum erstenmal das Symbol einer deutschvölkischen Bewegung.
Gustav Kossinna
Man sollte nun meinen, daß die Gebildeten der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und die Gelehrten mit Begeisterung die neue Kunde von der großen Vergangenheit unseres Volkes aufgegriffen und weitergetragen hätten. Das Gegenteil war der Fall, denn die klassische Bildung herrschte nach wie vor unumschränkt. Vor allem vertraten Ludwig Lindenschmit, der Begründer des mit staatlichen Mitteln unterstützten römisch-germanischen Zentralmuseums in Mainz, und sein Mitarbeiter Hostmann die Auffassung von der Kulturlosigkeit der Germanen. Ihnen galten unsere Vorfahren stets als die „Barbaren“, die ihre Kultur von Ost und Süd bezogen, ja, erst durch die Römer Ziel und Richtung eines kulturellen Aufschwunges erhalten mußten. Nur ein kleiner Freundeskreis um Danneil, Lisch und den Königsberger Otto Tischler führte einen geradezu heroischen, schweren und entbehrungsreichen Kampf gegen die Überheblichkeit dieser romanistisch eingestellten Wissenschaft. Da trat am Ende des Jahrhunderts der große Meister der deutschen Vorgeschichtsforschung, Gustav Kossinna, auf den Plan und das Entscheidungsringen begann.
Vom brennenden Willen beseelt, unsere germanischen Ahnen unverfälscht kennenzulernen, wandte sich Kossinna der Geschichte und Sprachforschung zu. Aber diese Wissenschaftszweige wußten nur wenig über die Germanen zu berichten. Zum guten Teil erforschten sie nur, was die Germanen angeblich aus dem Süden und Osten erhalten haben sollten. Von einer eigenwüchsigen germanischen Kultur war keine Rede. Gerade diese aber wollte Kossinna erschließen, und dazu konnten nicht die fremden Schriftsteller, sondern nur die unbestechlichen Zeugen der Bodenfunde verhelfen. Wie konnte man aber durch die Bodenfunde Germanen und Fremdvölker unterscheiden? Zunächst durch die Rasse. Kossinna hat von Anfang an die vorgeschichtliche Rassenkunde zur Grundlage seiner Forschung gemacht. Dann aber schuf er die siedlungsarchäologische Methode, deren Grundsatz ist: Ein scharf umgrenztes Kulturgebiet entspricht einem bestimmten Volkstum.
Diese Methode ist heute noch die entscheidende Grundlage der deutschen Vorgeschichtsforschung. Sie ermöglicht es, ohne schriftliche Quellen Völkergrenzen und Völkerwanderungen kartenmäßig genau festzulegen. Kossinna hat die germanischen Stämme dort gefaßt, wo sie erstmals „ins Licht der Geschichte traten“. Dann konnte er sie mit Hilfe seiner Methode räumlich und zeitlich über Jahrtausende zurückverfolgen. 1895 umgrenzte Kossinna zum erstenmal das Siedlungsgebiet der Germanen auf Grunde der Bodenfunde und legte ihre Urheimat in Südschweden, Dänemark und Norddeutschland um 2000 v. Chr. fest. Auf ähnliche Weise hat er nachgewiesen, daß die Indogermanen, die die Sprachforschung meist aus Asien kommen ließ, aus demselben Heimatgebiet und derselben Rasse entsprungen sind wie die Germanen. Damit aber rückten Deutschland und die nordische Rasse in den Mittelpunkt des alteuropäischen Kulturgeschehens[.]
In seinem grundlegenden Buch „Die deutsche Vorgeschichte, eine hervorragend nationale Wissenschaft“ konnte Kossinna 1912 seine reichhaltigen Forschungsergebnisse zum erstenmal zusammenfassen. In dem lesenswerten, aus einem Kriegsvortrag hervorgegangenen Büchlein „Altgermanische Kulturhöhe“ weost er die schon von Lisch erkannte Überlegenheit nordischer Kultur gegenüber der südlichen an dem Beispiel des Ackerbaues, der Schiffahrt, der Kleidung und vieler anderer Dinge nach. Schon 1902 hatte der Altmeister nach Überwindung größerer Widerstände eine außerordentliche Professur für Vorgeschichte in Berlin erhalten. Mit dieser und der 1909 gegründeten „Gesellschaft für deutsche Vorgeschichte“ konnte er sich einen immer mehr wachsenden Kreis von Schülern und begeisterten Anhängern schaffen.
Die immer größer werdende von Kossinna geführte Bewegung war der romanistischen Richtung schon lane ein Dorn im Auge. Zuerst wurde Kossinna von dieser Seite totgeschwiegen; seine Bücher fanden kaum eine Besprechung. Erfolgte sie jedoch, dann oft mit unglaublichen persönlichen Angriffen; Spott und Hohn mußte er einstecken. Nach dem Kriege, als die romanistische Richtung neuen Auftrieb gewann, erreichte der mit allen Mitteln geführte Kampf seinen Höhepunkt. Die Entscheidung zugunsten der von Kossinna verfochtenen Sache durch den Nationalsozialismus hat der 1931 verstorbene Altmeister der deutschen Vorgeschichte leider nicht mehr erlebt.
Die Gegenspieler Kossinnas waren in der Hauptsache die gleichen römisch-germanischen Kreise, die schon die Barbarentheorien Lindenschmits und Hostmanns gestützt und ins Volk getragen hatten (Römisch-Germanische Kommission in Frankfurt 1901). Es ist bezeichnend für sie, daß sie die ersten großen planmäßigen Bodenforschungen in Deutschland, so besonders die Untersuchung des römischen Grenzwalles (Limes), nicht etwa den Germanen, sondern dem Fremdvolk der Römer widmeten. Mit dem Wiederaufbau der Saalburg wurde der römischen Fremdherrschaft ein sichtbares Denkmal gesetzt.
Bestanden vor dem Kriege die römische Forschungsrichtung und die Kossinnasche Arbeit ohne allzugroße Reibungen nebeneinander, so wurde Kossinna nach 1918 aus begreiflichen Gründen noch weniger gern gesehen. Hatte seine und seiner Schüler Arbeit im Norden und Osten Deutschlands, Hans Hahnes in Mitteldeutschland, eine Reihe fester, weniger durch Geldmittel, als durch Opferfreudigkeit aufgebauter Organisationen geschaffen, so glückte es dem römisch-germanischen Kreis im Laufe der Jahre doch, mit den reichen Mitteln des Archäologischen Instituts, denen Kossinna nichts entgegenhalten konnte, Forscher und Vorgeschichtsfreunde ins Gegenlager zu ziehen.
Zwar mußte man sich allgemein dazu bequemen, stillschweigend Kossinnas vielbefehdete siedlungsarchäologische Methode zu übernehmen. Gelang es auch keinem der römisch-germanischen Forscher, Kossinnas Ergebnisse über die Herkunft der Germanen und Indogermanen zu widerlegen, so gab man das keineswegs zu, sondern stellte sich auf den Standpunkt der „objektiven Wissenschaft“ und ließ vernehmen, daß diese Fragen noch in keiner Weise „spruchreif“ seien. Besonders gerne wandte man sich gegen Kossinnas „Gesamttendenz“, wie sie etwa aus dem Titel „Altgermanische Kulturhöhe“ hervorgeht. Dieser im römischen Lager „unverständliche Ton aus der Kriegszeit“ habe „das sachliche Urteil getrübt“. Niemanden um Kossinna wunderte es - es war vielmehr der krönende Schlußstein in dem vom Novembersystem geförderten Gebäude - als 1929 die Leitung der Römisch-germanischen Kommission einem Juden übergeben wurde.
Wie man in dieser Kommission über die rassisch bedingte nordisch-germanische Kultur noch 1933 dachte, das zeigt ein Zitat aus dem gleichen Jahrgang der Hauszeitschrift „Germania“. Da heißt es: „‚Ex oriente lux‘ [deutsch: „Das Licht kommt aus dem Orient“] gilt den Prähistorikern zwar als nunmehr endgültig überwunden, aber immer wieder läßt sich, auch ohne erst das Verhältnis von Vorderasien zum Mittelmeergebiet und zum prähistorischen Europa heranzuziehen, die vollkommene Überlegenheit des Südens und Ostens gegenüber dem Norden in der Vorzeit aufzeigen.“
Der Sieg der deutschen Vorgeschichte
Der Sieg des aufsteigenden Nationalsozialismus mußte notwendig auch ein Sieg der deutschen Vorgeschichte sein. Denn von Anfang an stand der nordische Rassengedanke, der Ewigkeitswert des deutschen Volkes, den die Vorgeschichte unter Gustav Kossinna verfocht, auf den Fahnen der nationalsozialistischen Bewegung. Als die Partei soweit erstarkt war, daß sie sich neben dem rein politischen Kampfe in höherem Maße der kulturpolitischen Arbeit widmen konnte, gründete Alfred Rosenberg 1929 den Kampfbund für Deutsche Kultur. Eines der ersten Mitglieder des Kampfbundes war Gustav Kossinna. Klar sah Alfred Rosenberg die geistig revolutionäre Bedeutung der Vorgeschichte. Stammt doch von ihm das Wort, daß unsere Geschichte nicht mit Karl dem Franken, sondern mit den Hünengräbern der norddeutschen Heide beginnt.
Im Frühjahr 1932 betraute Alfred Rosenberg Prof. Dr. Hans Reinerth mit der Schaffung einer Reichsfachgruppe für Deutsche Vorgeschichte im Rahmen des Kampfbundes für Deutsche Kultur. Professor Reinerth hatte in der Arbeit eines Jahrzehntes mitten in der romanistischen südwestdeutschen Domäne unter den schwierigsten Verhältnissen die Erforschung der nordischen Indogermanenzüge und der hohen Kultur ihrer Träger vorangetrieben. Bald, nachdem er die Führung der deutschen Vorgeschichtsforschung in die Hand genommen hatte, umfaßte die Fachgruppe für Deutsche Vorgeschichte zwei Drittel aller Fachvorgeschichtler und zahlreicher Vorgeschichtsfreunde, die unter nationalsozialistischer Fahne Kossinnas Erbe zu verfechten entschlossen waren.
1933 konnte nunmehr der Ausbau der deutschen Vorgeschichte auf breitester Grundlage fortgeführt werden. Professor Reinerth gründete den Reichsbund für Deutsche Vorgeschichte, um alle aufbaufähigen und aufbauwilligen vorgeschichtlichen Kräfte, Forscher und Vorgeschichtsfreunde zu einer gemeinsamen nationalsozialistischen Front zusammenzufassen. Im Juni 1934 richtete Reichsleiter Alfred Rosenberg, als Beauftragter des Führers für die gesamte geistige und weltanschauliche Erziehung der NSDAP, eine Hauptstelle Vorgeschichte in der Reichsleitung der Partei ein. Damit hatte diese Wissenschaft die ihrer grundlegenden Bedeutung zukommende parteiamtliche Anerkennung gefunden. Im Aufbau begriffen ist ein selbständiges Reichsinstitut für Deutsche Vorgeschichte, das Forschung und Schulung im ganzen Reich im nationalsozialistischen Sinne zusammenfassen wird. Das Programm, das die Reichsfachgruppe der Bewegung in den NS-Monatsheften vom Juni 1932 als Ziel der Neuorganisation vorlegte, hat schon im zweiten Jahre des nationalsozialistischen Umbruchs seine Erfüllung gefunden. Sehr viel mehr aber ist noch zu tun. Der Feind ist auch hier noch lange nicht geschlagen!
Der Kampf geht weiter
Niemand glaubt, daß der Romanismus und die Lüge von der Unkultur unserer germanischen Vorfahren durch den bisherigen Kampf bereits endgültig beseitigt und als wirkende geistige Kraft abgetan ist. Fast jeder Tag lehrt uns das Gegenteil! Da sind einmal die noch vorhandenen und zu wissenschaftlichen Zwecken ebenso wie zur Lehrtätigkeit benutzten Handbücher und Werke der liberalistischen Wissenschaft von gestern, die, auch wenn sie nicht unmittelbar sich mit der deutschen Vorgeschichte beschäftigen, doch den Geist des Romanismus weitertragen. In volkstümlichen Zeitschriften und in Tageszeitungen wimmelt es geradezu von Auswirkungen dieser Geisteshaltung. Aus Anlaß des Ehrentages des deutschen Bauern veröffentlicht ein großes Blatt einen Festaufsatz, der mit der Feststellung begann, daß die Germanen zur Zeit der Römerherrschaft am Rhein vorwiegend noch ein Volk von Jägern und Hirten gewesen seien. Zu Ehren des deutschen Handwerks brachte ein anderes Blatt einen Artikel mit der Behauptung, daß das Handwerk in Deutschland „schon“ 800 Jahre alt sei. Waren bereits die indogermanisch-nordischen Völker der Jungsteinzeit im 3. Jahrtausend v. Chr. seßhafte Bauernvölker, so geht das Handwerk im deutschen Raum mit seinen Anfängen sicher bis in die mittlere Steinzeit zurück, ist also nicht 800, sondern etwa 8000 Jahre alt!
Dem Ausdruck „Vandalismus“ begegnet man im deutschen Schrifttum allenthalben, und die Schreiber derartiger Aufsätze sind sich immer noch nicht klar, daß sie damit einer Geschichtslüge zum Weiterleben verhelfen, die von dem französischen Bischof Gregoire stammt (um 1790), und daß sie einen der edelsten ostgermanischen Stämme vollständig grundlos beschimpfen und somit die Ehre des deutschen Volkes beflecken.
Der Kampf um eine wahrhaft deutsche Geschichtsauffassung, das Ringen um die Würdigung unserer großen Vergangenheit, die rechte Erkenntnis des gewaltigen Erbes, das uns die Germanen hinterlassen haben, stehen noch im Anfang. Es ist im Großen wie im Kleinen noch unendlich viel zu tun, um auch mit den Mitteln der Geschichts- und Vorgeschichtsforschung und mit den Ergebnissen dieser Wissenschaften das Wissen von dem, was deutsche Eigenart, deutsches Wesen und deutsche Aufgabe ist, im deutschen Volke zu verbreiten und durchzusetzen.
Der Nationalsozialismus hat die Lehre begründet, daß das deutsche Volk nicht die Summe aller heute lebenden Deutschen ist, sondern die lebendige Einheit der durch Blut, Sprache, Heimat und Schicksal verbundenen Geschlechter der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Ein jeder von uns ist Ahn und Enkel zugleich. Und er hat deshalb das Erbe der Vorzeit würdig zu wahren und auszubauen, um es den kommenden Geschlechtern als sichere Grundlage für eine starke und große deutsche Zukunft weitergeben zu können! Hierin liegt der Gegenwartswert der deutschen Vorgeschichtsforschung, und in diesem Sinne muß der Kampf der Vergangenheit, muß aber auch die Arbeit der Gegenwart verstanden werden.
Aufgaben der Schulung
Wie kein anderes Fach ist die deutsche Vorgeschichte dazu berufen, die nationalsozialistische Weltanschauung wissenschaftlich zu unterbauen. Den wissenschaftlichen Beweis für die Richtigkeit des Rassengedankens vermag nur die Vorgeschichte zu erbringen, denn sie allein verfügt über die Zeiträume, die zur Überprüfung der Rassengesetze notwendig sind. Die Ausschnitte, die die „geschriebene“ Geschichte allein zu geben vermag, sind räumlich und zeitlich zu klein für solche Beobachtung. Erst in Verbindung mit der Vorgeschichte können die großen rassisch bedingten Linien, wie sie sich durch die ganze alte Geschichte des Mittelmeergebietes, durch die Geschichte des alten und neuen Europas ziehen, richtig gesehen und gewertet werden.
Eine oberflächliche Betrachtung der Gegenwart oder der schriftlichen Überlieferungen allein könnte den Gedanken entstehen lassen, die Landschaft forme durch die Wirtschaft in langer zeitlicher Entwicklung die Eigenart des Menschen. Die Vorgeschichte zeigt aber, daß nordische Völker quer durch Europa und Vorderasien gezogen sind, und daß sie trotzdem über Tausende von Kilometern und Tausende von Jahren das Gepräge ihrer arteigenen Kultur erhielten, solange ihre Rasse rein blieb.
Die Vorgeschichte kann aufzeigen, daß von Anfang an in jedem Volkstum, in jeder Kultur eine bestimmte Rasse tragend und schöpferisch ist. Stirbt dieser tragende Rassenbestandteil aus, dann zerfallen mit ihm auch Staat und Kultur, denn sie waren Schöpfungen der führenden Rasse.
Alle diese volksgeschichtlichen Vorgänge erkennen wir in den wenig vermischten Bauernvölkern der Vorgeschichte bedeutend klarer als in der kurzen Zeit „geschriebener“ Geschichte mit ihrer Rassen- und Kulturvermischung, ihrer städtischen Kulturüberschichtung und ihrem fast ausschließlich mit den Augen des Romanismus gesehenen Geschichtsquellen. Mag die Entwicklung der meisten Epochen der deutschen Geschichte nach dem Kulturbruch unter den Karolingern als Tragödie unseres Volkes, als warnendes Beispiel zu Herzen gehen, so fällt es schwer, in dieser späten Zeit der Überfremdung die arteigenen Grundlagen unseres Volkstums klar aufzuzeigen.
Hier setzt die deutsche Vorgeschichte ein. Sie zeigt, daß seit den frühesten Anfängen deutschen Volkstums in diesem Volkstum die nordische Rasse immer die führende war. Es ist nicht so, daß Deutschlands kulturelle Größe aus der Vermischung verschiedener Wesenheiten, etwa einer nordischen, einer ostischen und westischen, zu fruchtbarer Einheit entsprungen wäre. Wohl gibt es rassisch bedingte Unterschiede in Deutschland, aber das einigende Band im ganzen deutschen Raume bildet und bildete allein die nordische Rasse. Nicht nur auf rassischem, sondern auch auf kulturellem Gebiete. Zweimal stießen im Verlauf der Vorgeschichte nordische Menschen aus ihrem Kerngebiet in den süddeutschen und ostdeutschen Raum vor und weit darüber hinaus. In diesen Zeiten besteht in den deutschen Grenzmarken eine hohe und starke Kultur. In der zwischenzeit dagegen, aber auch in der Zeit vor dem ersten nordischen Vorstoß, beobachten wir eine äußerst geringe Kulturentfaltung. Nordische Kultur bedeutet demnach für Deutschland Kraft und Blüte; südliche Überfremdung dagegen Schwäche. Das gilt für die vorgeschichtliche Zeit. Unter dem gleichen Gesichtspunkt sind aber auch Deutschlands spätere geschichtliche Perioden zu betrachten, mit ihrem immer mehr sinkenden nordischen Blutsanteil.
Wenn wir uns heute bewußt zu unseren nordischen Grundlagen bekennen, so werden uns innerhalb der vorgeschichtlichen Zeiten die bisher von gewissen Forschern in den Vordergrund gestellten Fremdkulturen, etwa der Römer und Slawen, nur insoweit fesseln, als sich auf dem Hintergrund des Fremden das Arteigene besonders deutlich abhebt. Wir lernen die Art der Auseinandersetzung der eigenen Kultur mit der fremden kennen, um daraus noch deutliche die Überlegenheit des Nordens zu ersehen. Der alten, von unseren Feinden erdachten Lüge vom Barbarentum unserer Vorfahren, stellen wir deren große, aufbauende Kulturtaten entgegen! Wir wollen unsere Ahnen sehen, wie sie wirklich waren. Es geht nicht an, daß heute noch lächerliche Popanzgestalten mit unmöglicher Fellkleidung in unseren Theatern und auf Umzügen als Germanen auftreten. Die Funde der germanischen Bronzezeit um 1600 vor Christus und die nordischen Moorleichen aus der Zeitwende zeigen uns die schlichte, praktische und saubere Tracht der Germanen in allen Einzelheiten, eine Kleidung, deren wir uns auch heute nicht zu schämen brauchen.
Die beiden Beispiele vom Vandalismus und den „Theatergermanen“ beweisen, wie grundlegend das vorgeschichtliche Quellenmaterial für die Geschichtsauffassung werden kann. Die Funde aus den Gräbern, den Siedlungen und Burgen geben uns ein viel lebendigeres und richtigeres Bild von unseren Vorfahren als die flüchtigen und falschen Nachrichten römischer und griechischer Schriftsteller. Wir nehmen uns das Recht, die schriftlichen Quellen nach den unbestechlichen Bodenfunden zu werten und nicht umgekehrt! Oft genug zeigen uns diese Funde genau das gegenteilige Bild wie die alten Schriftsteller. Nach den schriftlichen Quellen kommt die Kultur vom Süden und Osten, wir aber sehen, daß Deutschland die Quelle derjenigen Gesittung war, die Europa zu mehr als einem geographischen Begriff, zu einem rassisch wie kulturell zusammengehörenden Ganzen machte. Am Ende der Jungsteinzeit schufen die nordischen Indogermanen das alte Europa. Als dieses im Süden durch das Versiegen des nordischen Blutes verfiel, gründeten die Germanen der Völkerwanderungszeit das neue heutige Europa.
Es gibt außer der nordischen Kultur noch andere Strömungen, die zeitweise große Teile Europas beherrschten und einten. So die Antike oder die christliche Kultur. Aber gerade die Zeiten des Vorherrschens südlicher Kulturströmungen bedeuteten immer eine Schwächung nordischer Rasse und nordischer Gesittung. Heute verliert der Gedanke der Antike bei einem Großteil der europäischen Völker mehr und mehr an Wirksamkeit. Neue geistige Bindungen schaffen kann aber nur das Erinnern an einen gemeinsamen nordischen Ursprung Europas.
Dieser nordische Gedanke, den die deutsche Vorgeschichte herausschält, soll nicht zu einem Gegenstück des alten südlich-universalistischen Weltbildes werden. Wir wollen keine allseligmachende Lehre. Wir wollen keinem Volke das Recht nehmen, auf seine eigenen Ahnen stolz zu sein. Wir nehmen aber das gleiche Recht für uns in Anspruch. Wir sind stolz darauf, daß unsere Rasse und unser Raum die Grundlagen europäischer Gesittung geschaffen haben. Wir sehen aber auch die schwere Verantwortung, die Deutschland, als dem Herzen Europas, von jeher auf die Schultern gelegt ist. Wir wissen, daß ein Ausfallen dieses Deutschlands den Untergang Europas bedeuten würde!
Hier hat die deutsche Vorgeschichte die Aufgabe, zu zeigen, daß der Raum des deutschen Volkes ihm zu Recht gehört, daß ganz Deutschland uralter, nordisch-germanischer Kulturboden ist. Es sind nach dem Kriege Ansprüche auf den deutschen Osten, Süden und Westen mit fadenscheinigen vorgeschichtlichen Begründungen erhoben worden. Wir lehnen es ab, auf solche Weise Politik zu treiben. Wir müssen aber in der Lage sein, falsche Behauptungen jederzeit zu widerlegen. Wollten wir alle Gebiete beanspruchen, die irgend einmal germanisch waren, wir müßten ganz Europa verlangen. Wenn aber deutsche Randgebiete einmal von fremden Stämmen besiedelt waren, so handelt es sich nur um kurze Perioden. Das deutsche Kerngebiet war nordisch, seitdem es überhaupt Menschen beherbergen konnte, seitdem sich die skandinavischen Gletscher von Norddeutschland zurückzogen. Und alle deutschen Grenzgebiete waren schon zur jüngeren Steinzeit zum erstenmal nordischer Volks- und Kulturboden. Als zweite Welle nehmen die Germanen von ihnen Besitz, lange bevor Römer und Slawen kamen. Zusammen mit den stammverwandten Skandinaviern sind wir Deutschen das einzige Volk, dessen rassische und räumliche Grundlagen von Anfang an dieselben waren, das einzige Volk, das darum wirklich immer das gleiche Volk geblieben ist. Wir fühlen uns als Erben und zugleich als Wegbereiter eines ewigen Deutschlands, das keine Trennung nach Landschaften, nach Gesellschaftsschichten oder nach Zeitstufen kennt, sondern das in seinem innersten Kerne, wenn auch manchmal durch fremden Schutt schwer zu erkennen, stets dasselbe war und bleiben wird.
Dieses ewige Deutschland, das tief im Herzen jedes Volksgenossen schlummert, bewußt werden zu lassen, damit aus diesem Bewußtsein lebendiger Wille entspringe, das ist die Aufgabe der deutschen Vorgeschichte.
*) Siehe unsere Bildbeilage. [nur in der PDF-Version!]
Quelle
- Der Schulungsbrief, II. Jahrgang, 2. Folge (Feb. 1935), S. 48-58.
Anmerkungen
Im Original gesperrt gedruckte Abschnitte sind hier kursiv wiedergegeben, Lateinschrift im Original hier fett. Ergänzungen in eckigen Klammern. Ganzseitige Bilder nur in der PDF-Fassung enthalten.
Die Römisch-Germanische Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts in Frankfurt am Main wurde nach Kriegsende neugegründet und bestimmt heute wieder mit ihrer unglaublich tendenziösen („wissenschaftlichen“) Arbeit die Erforschung der Früh- und Vorgeschichte und die Auslegung derer Ergebnisse. Somit darf es nicht Wunder nehmen, daß heute - obgleich man eine historische Schlacht gewöhnlich nach dem Sieger zu benennen pflegt - die Hermannsschlacht nicht etwa nach Arminius, sondern nach dem unterlegenen römischen Feldherren Varus benannt wird! Alles darf aus Sicht der RGK sein - nur bloß nichts, was die Germanen, die zudem wahlweise auch gar nicht unsere Vorfahren seien (!), oder die es sogar nie gegeben habe (!!), in einem irgendwie rühmlichen Lichte erscheinen ließe. Wer heute als Deutscher die Vor- und Frühgeschichte seines Volkes erforschen will, der tut gut daran, jegliche romanisierende Literatur nach dem Zweiten Weltkrieg äußerst kritisch zu betrachten und letztlich wohl das meiste zu verwerfen.
