Der Kampf um die Freiheit der Forschung

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Alfred Rosenberg


Der Kampf um die Freiheit der Forschung

Der Gauleiter von Halle-Merseburg und der Oberbürgermeister der Stadt Halle waren gemeinsam mit Rektor und Senat der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg an Reichsleiter Rosenberg mit der Bitte herangetreten, sich im Sinne einer weltanschaulichen und geistigen Festigung der Wissenschaftsaufgaben dieser Universität zur Verfügung zu stellen. Dieser Bitte ist Reichsleiter Rosenberg nachgekommen. Seine Halleschen Universitätsreden sind keine innerakademischen, lebensfernen Angelegenheiten, sondern lebendige, geistige Auseinandersetzungen des Nationalsozialismus mit den Problemen unserer Zeit. Die Universität Halle-Wittenberg nimmt damit eine alte ehrwürdige Tradition wieder auf, die sie schon in der Vergangenheit an die Spitze aller vorwärtsdrängenden Kräfte des geistigen Lebens des deutschen Volkes stellte. Die Universität, die zweimal von Napoleon um der nationalen Gesinnung ihrer Lehrer und Studenten willen geschlossen wurde, der die Systemregierung aus dem gleichen Grunde beinahe dasselbe Schicksal hätte zuteil werden lassen, bekennt sich wiederum in vorderster Front zu ihrer Aufgabe, ein Mittelpunkt des neuen geistigen Lebens in Deutschland zu sein.
Im Rahmen eines Festaktes überreichte der Rektor der Universität Reichsleiter Rosenberg ein auf Pergament abgefaßtes Dokument, in welchem er gebeten wird, „seine besondere Förderung dieser altehrwürdigen, gegenwartsnahen und zukunftsstarken Hochschule zu gewähren und an ihr der akademischen Jugend des deutschen Volkes das Gedankengut der nationalsozialistischen Weltanschauung persönlich zu vermitteln“. Der Oberbürgermeister von Halle gab die Errichtung der „Alfred-Rosenberg-Stiftung“ zur Förderung der Wissenschaften an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg bekannt, die jährlich für Forschungsaufträge an junge Wissenschaftler 100.000 RM. zur Verfügung stellt. Die Verwaltung dieser „Alfred-Rosenberg-Stiftung“ ruht in den Händen der „Halleschen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften“, deren Gründung gleichfalls anläßlich der ersten großen Wissenschaftsrede des Reichsleiters an der Universität Halle-Wittenberg vollzogen wurde.
In seiner Rede vom 16. Februar 1938 legt der Reichsleiter ein Bekenntnis zur ernsten wissenschaftlichen Forschung als einem Reichtum des geistigen Lebens ab.

Vor einiger Zeit traten der Gauleiter und der Ober-Bürgermeister an mich mit der Bitte heran, der Universität Halle eine besondere Förderung zukommen zu lassen. Ich war gern dazu bereit, aber nur unter der Bedingung, daß alle entscheidenden Instanzen, die Universität und ihr Senat, selber einmütig die gleiche Bitte aussprächen. Das konnte sehr bald erfolgen. Ich komme deshalb der Bitte der hiesigen Universität nach und werde mich bemühen, das Meinige dazu beizutragen, um gemeinsam mit Professorenschaft und Studentenschaft diese Universität weitgehend zu fördern. Ich verbinde damit den Dank an das Reichserziehungsministerium, dessen Versprechen wir heute freudig vernommen haben, seine Kräfte für den weiteren Ausbau dieser Universität zur Verfügung zu stellen.

Ich habe jener Bitte entsprochen, und zwar vor allen Dingen aus zwei persönlichen Gründen. Ich habe es begrüßt, daß eine solche Initiative aus einem Gau selber gekommen ist. Entgegen manchen Anschauungen unserer Gegner ist es ein guter alter nationalsozialistischer Grundsatz, bestimmte Bekenntnisse auszusprechen, aber dann möglichst nicht autoritär-staatlich vorzugehen, sondern abzuwarten, ob ein Ruf im Lande gehört wird und ob sich die Kräfte selber melden, die sich zu diesem Rufe bekennen. Zweitens bin ich froh, hier unmittelbar an der Fortführung eines Erbes teilnehmen zu können, das mit dem Namen dieser Universität für immer verknüpft sein soll. Wir sehen von diesem Standpunkt aus Martin Luther nicht nur als Reformator einer Konfession, sondern verehren alle in ihm einen der größten Charakterrevolutionäre der deutschen Geschichte.

Halle selber ist auch später nach Luther stets ein Forum weltanschaulicher Auseinandersetzungen gewesen, und es kommt bei der Betonung dieser Tatsache nicht so sehr immer auf den Inhalt dieser Auseinandersetzungen an. Die Probleme, die an verschiedene Epochen herantreten, sind verschieden. Entdeckungen, Gedanken und politische Zucht erfordern verschiedene Lösungen zu verschiedenen Zeiten. Darum ist nicht das das Entscheidende, was die Auseinandersetzungen innerlich behandeln, sondern der Mut, sich zum Schicksal einer bestimmten Epoche zu bekennen - wie damals, als die Welt aufhorchte, da Martin Luther ein solches Bekenntnis zum Schicksal seiner Zeit aussprach. Aufgaben werden deshalb immer gelöst aus dem gesunden Instinkt einer Zeit; die Probleme müssen fest ins Auge gefaßt und mit allen Mitteln des Herzens und einer hohen Vernunft ihrer Entscheidung entgegengebracht werden.

Wenn Sie mich gebeten haben, so nehme ich das nicht persönlich. Ich nehme es nicht als Verpflichtung zu einer Summe von Einzelbekenntnissen, sondern zu einer allgemein entschlossenen Haltung, daß das Recht, das mit uns geboren wurde, nicht in Frage stehen darf, sondern mit allem Ernst verteidigt werden muß.

Wir haben in diesen Jahren schon manche Kämpfe bestanden und wir glauben, daß uns deshalb auch die Verpflichtung auferlegt wurde, daß wir nicht nur Enkel sein dürfen, sondern daß wir auch zu Ahnherren werden wollen. Politisch ist das zum großen Teil schon geschehen. Der Nationalsozialismus ist heute Schicksal nicht nur von einigen Millionen, sondern für alle Deutschen auf dem Erdball geworden. Er ist Inhalt unseres Lebens, Inhalt für alle jene, die gemeinsam die Jahre für ihn kämpften, und für alle jene, die guten Herzens zu ihm gekommen sind. Er ist vielleicht nicht Inhalt, aber doch Bedingung auch für alle jene, die noch nicht zu ihm gefunden haben. Auch unsere noch vorhandenen Gegner werden sich, wenn sie tiefer forschen, sagen müssen, daß, falls unsere Bewegung und damit unser Staat zusammenfallen sollten, nicht etwa wir allein darunter begraben werden würden, sondern sie alle mit uns.

Weltanschaulich wird die nationalsozialistische Bewegung ihren Anspruch noch zu erweisen haben. Wir haben uns bewußt auch hier hineingestellt in einen harten Ausleseprozeß der Natur. Wir sind nicht enttäuscht darüber, daß wir noch weltanschauliche Gegner besitzen. Vielmehr begrüßen wir das sogar, denn jede geistige Gegnerschaft zwingt uns, uns immer wieder neu zu prüfen. Wir glauben deshalb, daß der Wahrheitsgehalt des nationalsozialistischen Denkens an der Fruchtbarkeit der Zukunft abgelesen werden muß. Deshalb glaube ich, daß wir in ein entscheidendes Zeitalter getreten sind, und ich glaube auch, sagen zu können: Es ist das Ende aller universalistischen Systeme, das sich heute vor dem forschenden Auge kundtut. Jedes universalistische System, wie es sich auch immer nennen mag, hat ein gemeinsames Zeichen. Es verkündet eine einzige bestimmte Lehre, und zwar mit dem Anspruch, daß sich alle Völker und Rassen dieser Lehre beugen sollen. Es beansprucht in irgendeiner Form eine geistige Herrschaft über die ganze Menschheit und erstrebt konsequenterweise dann auch, wenn irgend möglich, eine politische Herrschaft über alle. So ist jedes universalistische System immer von einer Satzung ausgegangen, und zwar mit dem Ziel, sich über die ganze Welt zu verbreiten. Der Bolschewismus unserer Tage erscheint von hier aus gesehen gleichsam als der letzte Versuch, noch einmal ein universalistisches System über alle Völker und Rassen zu errichten, gleichsam mit einer harten Hülse den lebendigen Leib aller Nationen zu überziehen. Die politischen Zuckungen aber, die wir heute in der ganzen Welt beobachten können, sind zum Teil bewußte, zum Teil aber noch sehr verzweifelte Versuche und äußere Zeichen dafür, daß eine innere Abwehr dagegen aus der Substanz eines jeden Volkes eingesetzt hat. Bewußt oder unbewußt sind das alles Versuche der Rückkehr zu dem granitenen Fundament ihres eigenen Wesens geworden, und hinter diesen Versuchen steht schon an einigen Stellen eine entscheidende weltanschauliche Wende. Man hat ja vielfach Religion und Weltanschauung miteinander verglichen. Ich glaube aber, es ist richtig und zweckmäßig, die Weltanschauung als etwas ganz Allgemeines, als eine innerste, alles umfassende Haltung zu verstehen.

Eine Weltanschauung besteht, wie ich glaube, aus drei entscheidenden Elementen: aus einem religiös-metaphysischen Glauben, dann aus einer Summe wissenschaftlicher Überzeugungen und schließlich aus einer bestimmten Ordnung und Rangordnung der Charakterwerte. Wenn Sie diese drei Gebiete überblicken, so werden Sie finden, daß sich der Kampf der nationalsozialistischen Bewegung fast ganz auf das dritte beschränkt hat. In einer Zeit der Ehrlosigkeit ist der Grundsatz der nationalen Ehre zum höchsten Werte unseres Handelns erhoben worden und hat sich durchgekämpft gegen alle seine Gegner. Dagegen hat der Nationalsozialismus als Bewegung und Partei den Grundsatz einer prinzipiellen religiösen Toleranz verkündet. Er wird an dieser Toleranz festhalten, solange religiöse Glaubensgemeinschaften sich nicht gegen den Bestand des Deutschen Reiches versündigen. Auf dem Gebiete der wissenschaftlichen Forschung hat die NSDAP. den gleichen Standpunkt eingenommen und die grundsätzliche Freiheit des Forschens ausgesprochen. Das ist nicht etwa, wie man es heute manchmal hört, eine liberalistische Angelegenheit, sondern es ist nur die Folge von heroischen vielhundertjährigen Kämpfen der besten Männer Europas. Alles, was sich in den kosmischen Vorstellungen einer Forschung, der Erdkunde, Physik und Chemie abspielt, soll grundsätzlich für alle ernsten Forscher frei sein. Wir können es uns sehr gut vorstellen, daß Nationalsozialisten, die in den verschiedenen Gliederungen der Partei stehen, wissenschaftlich manche Fehden auf diesen Gebieten ausfechten. Wir sehen das nicht als einen Mangel an, sondern als einen Reichtum des geistigen Lebens, zu dem wir uns unbedingt bekennen wollen.

An einem Punkte aber tritt allerdings ein Unterschied zwischen der grenzenlosen liberalen Freiheitsauffassung der Forschung ein und dem, was wir darunter begreifen wollen. In dem Augenblick, da der Mensch selber beteiligt ist und selbst sowohl Subjekt als auch Objekt der Forschung wird, kann die nationalsozialistische Bewegung nicht wie die früheren davon gleichsam abstrahieren, sondern sie muß irgendwie ein Bekenntnis aussprechen zu dem Wesen dieses Menschentums und zu einer bestimmten Bewertung einer volklichen Gegebenheit, in deren Mitte wir leben. Darum ist gleichsam symbolisch und geheimnisvoll neben dem politischen Kampf der nationalsozialistischen Bewegung auch eine neue Wissenschaft geboren worden, die wir Rassenkunde nennen, gefolgt von mancher Neubewertung der Geschichte Europas und der übrigen Völker. Die Rassenkunde ist somit die Geburt einer neuen, wenn auch schon längst verbreiteten umwälzenden Forschung. Sie bedeutet die Anerkennung einer tiefen Gesetzmäßigkeit des Lebens. Sie ist nicht, wie unsere Gegner etwa in den Vereinigten Staaten und in Frankreich es heute glauben machen wollen, ein Dogma, das aus Willkür oder Bösartigkeit verkündet wurde, sondern sie ist seit der Entdeckung des Blutkreislaufes innerlich schon vorgezeichnet. Nur hat sich unsere Zeit die Forschung und Mühen der besten Gelehrten aller Nationen zunutze gemacht und hat ein Bekenntnis ausgesprochen, das zweifellos schicksalhaft mit dem politischen Kampf verbunden erscheint. Das ist in unseren Augen kein „blöder Materialismus“, wie man es auszusprechen beliebt, sondern eine Gegebenheit des Lebens wird hier mutig anerkannt, wie ich es schon einmal auszusprechen versucht habe: die Rasse ist die Außenseite einer Seele, und die Seele ist die Innenseite einer Rasse. Wir wissen, daß noch vieles zu erforschen übrig bleibt, wir wissen auch, daß es eine Vererbung schöpferischer und parasitärer Anlagen gibt, und daß wir aus dieser Erkenntnis auch staatspolitisch zum Schutze von Menschen, Leib und Charakter alle Konsequenzen ziehen müssen, weil wir der Anschauung sind, daß, wenn diese Konsequenz in diesem chaotischen Zeitalter nicht gezogen wird, die europäische Menschheit schließlich einem ähnlichen Schicksal wird entgegengehen müssen, wie einstmals die antiken Völker.

Mit diesem Anerkennen einer tiefen Gesetzmäßigkeit des Lebens verbindet sich naturgemäß auch das Anerkennen des ganzen Forschungsprinzips unseres Erdteils, nämlich das Bekenntnis zur kausalitätsbedingten Forschung. In einer Zeit des Umbruches haben wir manche phantastische Lehre gehört, als ob nunmehr die Kausalität des Lebens „überwunden“ sei. Wir sind der Überzeugung, daß diese Kausalität die methodologische Voraussetzung aller unserer Wissenschaft gewesen ist. In verschiedenen Formen aufgetreten, betont sie, daß der europäische Mensch Leben und Weltall gar nicht anders zu erblicken vermag als von einer inneren Gesetzmäßigkeit bedingt. Ob wir das die mechanische Ursächlichkeit nennen, ob wir das als Reiz betiteln oder ob wir das Motiv nennen - alle diese Feststellungen entspringen der gleichen Charakteranlage. Schopenhauer hat die Motivation sehr schön als „die Kausalität von innen gesehen“ bezeichnet. Für die Biologie können wir dabei wohl ohne weiteres auch die finale Betrachtung miteinbeziehen, wonach der Zweck eines Organs seine Bildung von vornherein bestimmt. Wie wir das auch immer nennen wollen und wie wir immer zu forschen gedenken - gerade diese kosmische Gesetzmäßigkeit ist für uns das große Wunder der Welt gewesen und nicht die angebliche Aufhebung der Gesetze durch Zauberei.

Chamberlain hat einmal an Cosima Wagner im Jahre 1889 in einem Briefe folgendes scheinbar Paradoxe geschrieben: „Es mag ein Phänomen noch so wunderbar erscheinen, wir werden es schon in unsere Gesetzmäßigkeit bringen und es mathematisch erklären, und wir können es, gerade weil die Gesetzmäßigkeit in uns selber sitzt. Wenn eine alte Frau im hypnotischen Zustand es vermag, den Kaiser von China zu sehen, wie er in seinem Garten in Peking spaziert, so habe ich (nach sorgfältiger Feststellung einer genügenden Anzahl von Fällen) die absolute Sicherheit, daß dieses Phänomen durch die mathematische Physik so klar gemacht werden kann, wie die Bewegungen der Sterne.“

Dieses paradoxe Bild wurde vor über 30 Jahren gebraucht, ehe der Rundfunk und das Fernsehen erfunden waren. So zu denken ist unser eigenes Gesetz, dem wir nicht entgehen können. Dieses Gesetz war die Voraussetzung aller großen Entdeckungen und schuf unsere ganze Naturwissenschaft im Unterschied zu einer großen nur empirischen Betrachtung, im Unterschied aber auch zu einer rein magischen Betrachtung dieser Welt. Aus beiden Anlagen ist kein gestaltendes Wissen entstanden. Der reine Empiriker konnte im besten Fall Chroniken sammeln, der Magier zerstört im Prinzip jeden Ansatz zur Erfassung von Gesetzen in syrischen Wundererzählungen oder in afrikanischen Medizinmanngebräuchen. Wissenschaft an sich gibt es deshalb in unseren Augen überhaupt nicht. Sie ist, wenn wir von den verwandten Griechen absehen, Schöpfung von Menschen, die in einem ganz kleinen Raum der Welt gewohnt haben. Wenn Sie eine Linie von Paris über Schottland, Stockholm, das baltische Meer nach Wien, nach Florenz und wieder nach Paris ziehen, so umschreibt diese Linie wohl das Zentrum all dessen, was jemals wirklich wissenschaftlich gedacht wurde, was jemals heroisch unternahm, die kosmischen Gesetze zu entziffern. Von diesem heroischen Kampf zehren heute zwei Milliarden Menschen.

Deshalb sind für uns Idee und Erfahrung keine Gegensätze, wie es vielleicht manchmal behauptet werden mag, sondern wir beinhalten als unsere Erfahrung die Summation von Idee und Experiment: die Idee als vorwärtstastende Macht und das Experiment als die immer wache, gewissenhafte Überprüfung, damit Idee sich nie in Phantasterei verwandelt. Das zusammen nennen wir wissenschaftliche und weltanschauliche Erfahrung. In diese Erfharung eingefügt erblicken wir deshalb auch schon unsere Rassenkunde als ein gesichertes Element unseres ganzen nicht nur staatlichen, sondern auch innerlichen weltanschaulichen Lebens. Und hier sind wir allerdings der festen Überzeugung, daß diese einmal gemachte wissenschaftliche Entdeckung durch keinerlei noch so laute Proteste der Vergangenheit wird ungeschehen gemacht werden können. Die Rassenkunde, besser: die Rassenseelenkunde, hat uns neue Augen geschenkt. Wir sehen die Vergangenheit und die Gegenwart heute in einer anderen Perspektive und auch in einer anderen Beleuchtung als früher. Uns erscheint die Geschichte nicht einfach als Welt-Geschichte, nicht einfach als eine sogenannte Entwicklung von einem primitiven zu einem vorgeschrittenen Zustand, als ob eine bestimmte primitive Schickt allen Rassen und Völkern gemeinsam gewesen sei. Wir sehen diese sogenannte Welt-Geschichte nicht gleichsam gradlinig hinsteuern zu einem vorgefaßten Plan, sei es der Christianisierung aller Völker und Rassen oder sei es der Humanisierung aller Nationen, wie es das 18. Jahrhundert predigte.

Wir glauben, daß die zahlreichen Daten, die vor aller Augen liegen, heute deshalb konsequenterweise eine neue Deutung und Bedeutung bekommen, wir glauben, daß wir heute auch der Antike gegenüber freier dastehen als die früheren Geschlechter. Man war früher gezwungen, aus der Liebe zum alten Hellas auch all das noch als griechisch bezeichnen zu müssen, wogegen die alten Griechen nach unseren heutigen Ergebnissen gekämpft haben. Und wenn auch die Ganzheit des Geschicks des alten Hellas nicht zerstört werden darf, so wollen wir doch heute aus einer neuerfühlten Verwandtschaft als griechisch wirklich nur das empfinden, was einmal wirklich von diesem Menschentum getragen wurde, und nicht jenes, was in schwachen Stunden der griechischen Antike aus Vorderasien hereingesickert war. Es kämpften damals uns verwandte Menschen auf asiatischem Boden, und nicht nur die Menschen kämpften, sondern auch ihre Götte, ihre Werte und alle ihre Ideale. Sie siegten zeitweise; sie verfielen in Zeiten der Schwäche. Deshalb glauben wir, daß eine Rasse wohl ewig sein kann, wenn sie nicht physisch durch Rassenfremde vergiftet wird.

Auch damit ist an sich ein Lebensziel innerlicher und staatlicher Art aufgezeichnet, dem zu dienen wir alle heute als unsere Pflicht empfinden. Und es erhebt sich, wenn wir diese Gesamtheit der Komplexe überblicken, die Frage: Ist das etwa Unterdrückung der Forschung, wie uns heute die gegnerische Welt entgegenzurufen beliebt? Wir sind der Überzeugung, gaß ganz umgekehrt diese Themenstellung gleichsam ein Fanal einer neuen Freiheit, einer neuen Ideenbildung, neuer Experimente und neuer Aufgaben bedeutet! Wer uns das bestreiten will, kämpft nicht etwa für die Freiheit der Forschung, sondern nur für die Unterdrückung einer neu entstehenden Forschung. Wir wissen, warum das geschieht! Weil nämlich gewisse Herren der Weltpolitik nur auf Grund bestimmter Wirtschaftslehren und sonstiger Ideale an ihre Stelle gekommen sind. Sie fühlen sich von einer großen Presse, von einer bestimmten Hochschulmacht getragen, und sie wissen, daß, wenn eine neue Anschauung der Welt und des Lebens hochkommen würde, es auch mit ihrer politischen Herrschaft vorbei sein dürfte. Darum steht hinter diesem Schlachtgeschrei gegen die angebliche Unterdrückung der Forschung in Deutschland nichts anderes als das Bewußtsein, eine neuaufkommende Gedankenwelt im Dienste einer bestimmten rassenchaotischen Weltpolitik unterdrücken zu wollen.

Wir dagegen glauben, daß diese wenigen, aber entscheidenden Bekenntnisse und Erkenntnisse heute den Forschern Themen von einer Tiefe und Größe gestellt haben, wie es seit tausend Jahren nicht mehr der Fall gewesen ist. Wir können uns fragen: Wie waren die Menschen denn wirklich beschaffen, die einst Hellas schufen? Was bedeutet rassengeschichtlich das Wort vom Untergang der antiken Welt? Wie vollzog sich in Wirklichkeit der Einzug des Christentums im römischen Reich? Wir erklärt sich jetzt die alte Liebe des Germanen zum alten Hellas? Wodurch wurde der Jude zum Parasiten am Körper Europas? Wie äußerte sich germanischer Charakter im Kampf um Rom? Wie stehen heute nordische und orientalische Werte zueinander? Welche tieferen Ursachen scheiden nordisches und germanisches Rechtsempfinden vom spätrömischen? In welchen Formen vollzieht sich heute die Ausscheidung des orientalischen Lebensgefühls aus dem germanisch-deutschen? Worin bestehen die Merkmale germanisch-europäischen Forschertum? Wir haben die verschiedenen Rassen auf Kunst und Lebensart der europäischen Völker gewirkt? Welche Bedrohungen entstehen den heutigen Staaten durch dauernde Rassenmischungen? Diese und tausend andere Fragen und Themen stehen heute vor den forschenden Augen eines jeden suchenden Menschen, und das junge Geschlecht kann wahrhaftig froh und innerlich zufriden sein, heute vor Aufgaben gestellt zu sein, die größer sind als alle vorhergehenden.

Wir leben in einem kämpferischen Zeitalter, und es ist dabei selbstverständlich, daß in einer solchen Zeit eines großen politischen Ringens die Staatsmänner und Soldaten im Vordergrund des Handelns stehen. Es mag sein, daß in einer solchen Zeit der eine oder andere Wissenschaftler sich vielleicht zurückgesetzt fühlt oder des Glaubens ist, daß die Gedanken, die er verkündet und lehrt, nicht jene Beachtung finden, auf die er vielleicht gehofft haben mag. Hier müssen wir aber doch wohl folgendes sagen: Die Ersetzung einer Anschauung der Welt durch eine andere ist an ganz andere Zeitspannen gebunden als eine politische Revolution, und nur mit Vorsicht wird ein neues Geschlecht daran gehen, Vertreter alter Lehren durch neue zu ersetzen. Ein Lebensprozeß kann mitten im Leben nicht unterbrochen werden, sondern muß nach und nach durch ein neues Lebensgefühl, dargestellt durch neue Menschen, ersetzt werden. Und hier will ich für die nationalsozialistische Bewegung das Bekenntnis der Hochachtung für alle Denker, Bekenner und Forscher, die heute in Deutschland wirken, ablegen.

Ich möchte Sie bitten, an ein seelisches Gesetz zu denken, das Goethe einmal wunderbar umschrieben hat: „Es sind wenige, die den Sinn haben und zugleich zur Tat fähig sind. Der Sinn erweitert, aber lähmt; die Tat belebt, aber beschränkt“. Diesem Gesetz vermögen sich nur ganz wenige zu entziehen; aber jeder einzelne hat durch sein Denken und durch sein Tun gleichsam auch den Weg für sich selbst gewählt. Wer sich dem Sinn und der Forschung ergibt, wird selbst wahrscheinlich bei sich feststellen, daß er nicht immer die gleiche Unbekümmertheit des Tuns aufbringt wie der andere, der unmittelbar Instinkt in die Tat umzusetzen vermag. Und dann wollen wir bedenken, daß der Sinn, daß stille Gedanken oft die Ursachen der größten Stürme der Weltgeschichte gewesen sind, daß aus wenigen Sätzen eines Forschers und Denkers, die in dem Herzen eines taterfüllten Menschen zündeten, die größten Revolutionen der Welt hervorgingen. Umgekehrt wollen wir auch daran denken, daß diese stillen Gedanken oft jene große Ruhe der Geborgenheit zur Folge hatten, wenn sie zum Weltbild einer großen Epoche werden konnten. Und der Genius eines Volkes wird ebenso durch seine Staatsmänner und Feldherren wie durch seine großen Künstler und Forscher dargestellt.

Neben das große Erleben einer neu entstehenden Gemeinschaft stellen wir also notwendig auch das Erleben der Einsamkeit des Denkens. Das eine wie das andere sind notwendig für das Leben eines Volkes, das große Ein- und Ausatmen entspricht dieser Verteilung der Arbeit inmitten des ganzen Lebensprozesses einer Nation. Ich glaube wohl sagen zu können: Wir haben alle Ursache, kein Organ zu mißachten, sondern jedes schöpferische Leben irgend eines deutschen Menschen in einen großen Kampf hineinzustellen, vor den das ganze deutsche Volk sich heute gestellt sieht. Das erste Reich zerbrach, und Jahrhunderte träumten die Deutschen von einem neuen Reich. Diese Träume vieler Jahrhunderte schienen manchmal für immer vergangen zu sein. Sie sind in diesem Dritten Reich Adolf Hitlers lebendige Wirklichkeit geworden. Wenn die Menschen in ihren Alltagsnöten sich dieses Bewußtsein immer wieder einprägen würden, würden sie über manche Sorgen leichter hinwegkommen, als wenn sie diese eine große geschichtliche Tatsache übersehen.

Ich glaube ferner, daß es noch etwas ganz anderes ist, was in diesen Jahren in Erfüllung zu gehen beginnt. Als das erste Reich der Deutschen gegründet wurde, hörte die leibliche Völkerwanderung der Germanenstämme auf, aber zur gleichen Zeit begann eine Seelenwanderung des deutschen Menschen. Er blickte zunächst nach Rom und erwartete Jahrhunderte hindurch von dort das Gesetz seines Lebens und die Verkündigung seines inneren Heils. Nach furchtbaren Erschütterungen und Revolutionen blickte dieses deutsche Volk nach Paris, eine Zeitlang nach dem fürstlichen Paris, dann nach dem Paris von 1789, und bemühte sich, sich das Leben nach den Losungen der französischen Revolution einzurichten. Im Fortschreiten der wirtschaftlichen Entwicklung suchten viele die Lehren der neuen Zeit in London, um im Welthandel und in der Industrie bestehen zu können. Und als 1918 eine ganze Welt zusammenbrach, haben Millionen irregeleiteter Volksgenossen nach Moskau geschaut, um dort das Heil zu erringen. DIese große geistige und seelische Völkerwanderung hat nach unserem tiefsten Glauben mit der nationalsozialistischen Revolution ihr Ende erreicht und Deutschland hat heimgefunden zu sich selbst!

Diese Wanderung hat Deutschland manchmal nahe an den Abgrund geführt, aber sie hat uns auch viele Reichtümer geschenkt. Sie hat manche Kräfte, die vielleicht brachgelegen hätten, wieder lebendig gemacht, und deshalb wollen wir diese tausendjährige deutsche Wanderung heute nicht schmähen, sondern wollen sie als unser Schicksal bewußt auf uns nehmen, aber in einer neuen Epoche nicht aus irgend einem anderen Zentrum der Welt die Gesetze unseres Denkens ablesen, sondern uns bemühen, aus dem Boden und aus dem Menschentum Deutschlands heraus unsere Gebote zu ziehen und uns auch geistig autonom zu entwickeln.

Die explosive Einheit des Mittelalters zersprang in furchtbaren Katastrophen. Seit dieser Zeit gab es viele Philosophenschulen in Deutschland, gab es viele Konfessionen, gab es viele Staatsrechtslehren. Aber es hat keine bindende Weltanschauung mehr gegeben. DIeser Zeitpunkt scheint für sehende Gemüter heute einzutreten. Überall zeigt sich das Streben, alle die verschiedenen Einzelgebiete des Lebens aus einem einzigen Zentrum heraus zu erblicken und jene Einheit des Denkens und Fühlens wieder herzustellen, die einmal verloren gegangen ist, die einmal zwangsweise auf kurze Zeit herbeigeführt werden konnte und die herzustellen die letzten Jahrhunderte vergebens sich bemühten. Deutschland mußte scheinbar auf den tiefsten Grund seines Daseins fallen, um die Wurzeln seiner Kraft wieder zu entdecken, entsprechend einem alten mystischen Wort, daß es die tiefsten Brunnen sind, welche die höchsten Wasser tragen.

Dieses Geschick von 1918 bis 1933 wollen wir deshalb auch von diesem Gesichtspunkt aus betrachten und werten und es als eine Notwendigkeit mit einfügen, alles das lebendig zu machen, was unter uralten Krusten der Vergangenheit scheinbar schon eingetrocknet oder ganz vergangen erschien. Aus diesem einen Erlebniszentrum heraus die germanischen Werte in allen Verästelungen des Lebens zu verfolgen, erscheint mir als eine hohe Aufgabe, die auch den deutschen Universitäten gestellt worden ist. Ich bitte Sie, die Professoren und Studenten, mit der Bewegung gemeinsam diesen Verästelungen eines neuen Denkens mit einem nimmermüden Forschen zu folgen. Es soll von uns alles geschehen, was diesem Forschen dienen könnte. Sie alle werden sich damit ohne jedes Wenn und Aber zum Schicksal unserer Zeit bekennen können, und ich glaube: diese Haltung allein ist jenes Mannes würdig, dessen Namen diese Universität zu tragen die Ehre hat.

Quelle

  • Blut und Ehre IV, S. 79-93

Anmerkungen

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