Bismarck, das Deutsche Reich und die Juden

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Alfred Rosenberg


Bismarck, das Deutsche Reich und die Juden.

„Völkischer Beobachter“, 22. Mai 1921.

Würdig wurde in allen Orten Deutschlands auch 1921 der Geburtstag des eisernen Kanzlers gefeiert. Nun sein Werk von verbrecherischen Händen zerbrochen als Trümmerhaufen herumliegt, beginnt wohl allmählich auch dem blödesten Demokraten deutschen Blutes ein Licht über die Größe der noch so nahen deutschen Vergangenheit aufzugehen. Ganz zu schweigen von den einzelnen Aufrechten, die von vornherein die Republik von Gnaden des Professors Preuß aus Jerusalem nicht als ein deutsches Reich anerkennen konnten.

Aber so voll Verehrung wir auch zu dem Bild Bismarcks emporblicken, so müssen wir uns hüten, dieses Bild zu einem Götzen werden zu lassen. Wir werden den Rat des großen Kanzlers immer brauchen. Viele Richtlinien von ihm werden auch für die fernere Zukunft Deutschlands maßgebend sein. Aber wir werden zugleich sein eigenes Wort in Erinnerung behalten: „Politik ist kein exakte Wissenschaft. Mit der Position, die man vor sich hat, wechselt auch die Benutzungsart der Positionen.“ Vor allem aber werden wir offen bekennen müssen, daß der Mann, der das Deutsche Haus zimmerte, zugleich doch dem Holzwurm den Eingang in das Gebälk dieses Hauses überließ. Diese schmerzliche Wahrheit darf nicht verheimlicht werden. Bismarck hat einem jüdischen Bankier einmal deutsche Geschichte anvertraut, gestattete ihm Einfluß in der auswärtigen Politik Deutschlands, brachte dessen Tochter an den italienischen Hof und schlug damit die Bresche in alte deutsche Überlieferung.

Seinem Gefühl nach ist Bismarck ausgesprochen Antisemit gewesen. Einer Abordnung klagt er einmal, fast die ganze oppositionelle Presse befinde sich in der Hand von Juden. Über den jüdischen Wucher hat er im Landtag kräftige Worte gesprochen, und seine Anschauung, es würde ihm schwer werden, seine Pflichten zu erfüllen, wenn er einen jüdischen Vorgesetzten hätte, kennt jeder. Es ist weiter zu bedenken, daß Bismarck sich einem Landtag gegenübersah, dessen Glieder er als „einzeln verständig, massenweis dumm“ sehr treffend zeichnete, daß er in den wichtigsten Angelegenheiten des Volkes sich allein sah, daß ihm für dringendste Nöte des Staates keine Kredite bewilligt wurden. So ging er zum Juden Bleichroeder. Er machte es nicht mehr so, wie ein mittelalterlicher König, der den Juden das dem Volk abgewucherte Geld für Staatszwecke abzog, sondern als Minister eines modernen „Rechtsstaates“ nahm er beim Juden eine Anleihe auf - und zahlte dafür noch hohe Zinsen. Das war der Anfang der Staatsvertrustung, wie sie heute durch die 500 Judenbanken in Deutschland zur ungeheuerlichen Tatsache geworden ist. Außenpolitisch hat Bismarck ebenfalls nicht selten zugunsten der Hebräer eingegriffen. Bezeichnend dafür waren die Entwicklung der Judenfrage in Rumänien und die Verhandlungen über die jüdische Gleichberechtigung in den Balkanstaaten auf dem Berliner Kongreß.

In Rumänien war die jüdische Bevölkerung um die Mitte des 19. Jahrhunderts ungeheur angewachsen. Der Wucher, der Zwischenhandel, der Schnapsvertrieb, all diese notwendigen Begleiterscheinungen des jüdischen Eindringens durch Jahrtausende hindurch, machten sich immer fühlbarer. Alle, die ihre Heimat und ihr Volk liebten, forderten Abhilfe dieser Plage seitens eines 300 000 Köpfe zählenden Schmarotzervolkes. 31 Abgeordnete machten dem Parlament eine heute vorbildliche Eingabe (siehe meine Übersetzung des Werkes von G. des Mousseaux: Der Jude, Hoheneichenverlag, München), es kam zu einigen Tumulten in Jassy und anderen Städten. Die „Alliance israélite“ schrie natürlich Zeter und Mordio über „Judenschlächtereien“, obwohl kein einziger Hebräer getötet worden war, verlangte auswärtige Einmischung und versandte an alle Regierungen entrüstete Proteste. Bismarck hat sich der Pariser und Londoner Börsenwelt nicht entgegengesetzt, sondern schrieb an Heern Crémieux, den Vorsitzenden der Alliance und zugleich Großmeister des Großorients von Frankreich: „Ich habe die Ehre, als Antwort des Briefes, den Sie mir am 4. laufenden Monats sandten, Sie zu benachrichtigen, daß die Königliche Regierung von neuem ihren Vertreter in Bukarest angewiesen hat, allen seinen Einfluß dahin auszuüben, um Ihren Glaubensgenossen in Rumänien die Stellung zu sichern, die ihnen in einem Lande zukommt, das sich von den Grundsätzen der Humanität und der Zivilisation leiten läßt usw. Berlin 2. II. 1868 v. Bismarck.“

Als aber doch in Rumänien die Stimmung derart zu werden schien, daß die Sicherungsgesetze gegen die Juden Aussicht auf Annahme hatten, wandte sich die Berliner Judengemeinde mit einer darauf bezüglichen Bittschrift an den preußischen Ministerpräsidenten. Und darauf lief folgende Antwort ein: „Berlin, 18. April 1868. Der König hat mich beauftragt, auf die Eingabe der jüdischen Gemeinde vom 6. des Ms. zu antworten, um die Gültigkeitserklärung eines der rumänischen Kammer, die Lage der Isrealiten betreffenden Gesetzes, zu verhindern, das gegen den Willen des Fürsten Carol eingereicht worden war. Es ist nicht wahrscheinlich, daß es angenommen werden wird, und falls es doch geschieht, daß es von der Regierung des Fürsten sanktioniert wird ... Graf v. Bismarck.“

In diesen Dokumenten hat Bismarck nicht einzelne Fälle behandelt und sich gegebenenfalls in anderer Lage auch eine andere Stellungnahme vorbehalten, sondern er hat grundsätzlich das Prinzip des grauen Liberalismus, den er im Innern zu bekämpfen hatte, die „Humanität und Zivilisation“ als Grund zur Anerkennung der jüdischen „Gleichberechtigung“ anerkannt.

Noch bezeichnender sind die Verhandlungen über die Judenfrage auf dem Berliner Kongreß. Hier haben sich greifbar die Symptome der Herrschaft der Judenbörse ausgewirkt, verbündet mit der liberalen Phrase.

Die Alliance hat drei ihrer Glieder nach Berlin abgesandt: Netter, Kann und Veneziani. Alle versammelten Botschafter erhielten ein langes Memorandum zugesandt, dazu noch Werke jüdischer Schriftsteller über die Judenfrage.

In seiner „Geschichte der Alliance“ sagt der Jude Leven: „Vor dem Zusammentreten des Kongresses haben sie (unsere Delegierten) sich die Unterstützung eines bedeutenden Mannes in Berlin gesichert: Bleichroeders, der durch seine soziale Stellung Verbindung mit den Bevollmächtigten hatte und großes Ansehen bei Bismarck genoß.“ (Leven: Cinquante ans d'histoire. Paris 1911. S. 203.)

Über die Tätigkeit der jüdischen Abgesandten hat Netter Berichte nach Paris gesandt. Hier einige der interessantesten, vom 11. Juni: „Wenn alle über unsere Glaubensgenossen so denken, wie Monsieur de Saint-Vallier (der französische Bevollmächtigte), so ist unsere Sache gewonnen.“ 12. VI.: „Lord Beaconsfield ist in glänzender Stimmung.“ 13. VI.: „Bleichroeder hat gestern den Fürsten Bismarck gesehen, er hofft alles Gute für die Isrealiten.“ 18. VI.: „Wir haben heute den Fürsten von Hohenlohe-Schillingsfürst besucht. Er hat seine Karriere mit der Verteidigung der Juden in Bayern angefangen, er möchte sie mit ihrer Verteidigung auf dem Kongreß krönen“. 21. VI.: „Bleichroeder hat gestern Bismarck gesprochen und die Gewißheit erwirkt, daß die Frage dem Kongreß vorgelegt werden wird ... Er könne beruhigt sein.“ Ähnlich lauten die Mitteilungen über eine Reihe von anderen Besuchen bei Diplomaten, Vertretern der Presse usw. (Leven a.a.D. S. 213-216).

Alle Balkanstaaten und ihre innere Verfassung kamen zur Sprache. Wie weit die Dinge zugunsten der Juden getrieben werden konnten, geht z.B. aus der einen Tatsache hervor, daß der Ausdruck „bulgarische Untertanen“ in „Bewohner des Fürstentums Bulgarien“ einstimmig abgeändert wurde. Das war das theoretische Aufgeben des Vaterlandsgrundsatzes zugunsten einer nomadischen Weltauffassung! Vorgeschlagen wurde diese Änderung natürlich von den Puppen der Alliance, den Franzosen. So wurden Bulgarien, Serbien, Montenegro, Rumänien zur Anerkennung der „Rechte“ der Juden durch das liberale Europa gezwungen. Zu Ehren Rußlands muß gesagt werden, daß sein Bevollmächtigter, Fürst Gortschakoff, der einzige Gegner dieser verhängnisvollen Politik war. Daß D'Isreali-Beaconsfield das ganze Gewicht Großbritanniens für die Juden in die Waagschale legte, ist selbstverständlich. Er schob als seine Sprecher Lord Russel und Lord Salisbury vor, sagte aber selbst, er betrachte die Genehmigung der jüdischen Gleichberechtigung als eine zu vollziehende Selbstverständlichkeit, ohne deren Sanktion der Kongreß gar nicht auseinander gehen dürfe. Herr von Bülow sagte Netter am 28. Juli, die Forderung der Juden in Bulgarien würden auch für Serbien vertreten werden und für Rumänien, dies sei „eine Frage des Prinzips“. Bismarck sprach sich genau so aus. Die Juden konnten zufrieden sein.

Es täte gut, sich die Worte des Geschichtsschreibers der Alliance zu merken: „Das Werk des Berliner Kongresses war bedeutend: er hat in das internationale Recht die Prinzipien eingeführt, welche die französische Revolution in ihrer „Déclaration des drots de l'homme“ niederlegt hat. Das vereinigte Europa hat sie gutgeheißen ... Es ist erreicht, daß diese Grundsätze durch den Willen Europas zur Grundlage des öffentlichen Rechtes der neuen Staaten und zur Bedingung ihrer Unabhängigkeit geworden sind. Es war eine Wohltat für alle Völker und für das Judentum, ein Akt, einzig in seiner Geschichte, die offizielle Urkunde seiner Befreiung.“ (Leven a.a.D. S. 290.)

Vorsitzender des Berliner Kongresses war Fürst Bismarck.

Er hat sich vielleicht stark genug gefühlt, um Deutschland im Innern noch frei zu erhalten. Außenpolitisch hat er in verhängnisvoller Weise dem Judentum Vorschub geleistet, anstatt sich mit Gortschakoff zu verbinden, auch wenn er und der Russe sich sonst feindlich gegenüberstanden. Aber er hätte sehen müssen, daß die Bleichroeder und Mendelsohn durch die Stärkung des ausländischen Judentums ihre innerpolitische Stellung um ein bedeutendes festigten und von nun an über doppelte geldliche Druckmittel verfügten. Als der große Kanzler ging und kleine an seine Stelle traten, nahmen die eingeleiteten Dinge ihren notwendigen Gang: die politischen und wirtschaftlichen Leiter des „Deutschen“ Reiches wurden die Bleichroeder, Mendelsohn, Friedländer, Ballin, Warburg, Rathenau usw. So ging Deutschland von Versailles bis - Versailles!

Einer der Aufrechtesten, Paul de Lagarde, schrieb 1881 noch bitter: „Einen deutschen Staat hat es noch nie gegeben“. Er hatte leider recht. Auch Bismarcks Staat war noch kein germanischer Staat.

Ist das Bismarcks Schuld? Niemand wird es zu behaupten wagen. Er hat Übermenschliches geleistet. Er war voll Vertrauen auf die Kraft des Deutschtums. Darf man diesem Mann, dem alle kleinen Geister das Leben sauer genug gemacht haben, vorwerfen, daß er das deutsche Selbstbewußtsein höher eingeschätzt hat, als es tatsächlich war? Daß sich die Deutschen - dies sei rund heraus gesagt - nicht würdig erwiesen hatten? Daß sie nicht weiter selbst Hand anlegten, um mitzuarbeiten am deutschen Hause, anstatt sich mit Phrasen herumzuschlagen oder sich dem Gotte Mammon zu ergeben? Nein, gewiß nicht!

Schuld sind wir selbst gewesen, die wir eine gewaltige Persönlichkeit nicht zu ertragen vermochten, und entweder hinter ihr herschwänzelten, oder uns in kleinlichem Herumnörgeln gefielen. So konnte auch der Jude ungehindert Zwietracht säen, Klassenkampf predigen, Wucher treiben. Nicht anklagen wollen wir Bismarck, wohl aber die Stelle aufzeigen, wo der Plan des Deutschen Reiches einen Fehler im Grundriß hatte. An uns ist es, ihn in der Zukunft zu vermeiden.

Quellen

Anmerkungen

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