„Neue Zeitung“ gegen „Neue Zeitung“
Aus NS-Archiv
Alfred Rosenberg
„Neue Zeitung“ gegen „Neue Zeitung“.
- „Völkischer Beobachter“, 8. Februar 1922.
- Am 31. Januar 1922 wurde auf den Vorschlag des damaligen Zentrumsreichskanzlers Wirth Walther Rathenau von Ebert zum deutschen Außenminister ernannt.
Die Ernennung Herrn Rathenaus hat in der ganzen sogenannten Arbeiterpresse einen bald verhaltenen, bald unverhohlenen Jubel ausgelöst.
Beachtlich ist die Haltung der „Neuen Zeitung“ in München. Als der jüdische Milliardär sich zum deutschen Außenminister ernannt hatte, beeilte sich dieses bolschewistische Organ, über die Hetze der - Deutschen Volkspartei gegen Rathenau zu zetern. „Die Berufung Rathenaus hat... in der Presse der DV. und den von ihr subventionierten Presseorganen eine Hetze ausgelöst, die an Schamlosigkeit nicht mehr überboten werden kann.“
Wer die genannte Presse nun gelesen hat, dem kann nur der hündisch zahme Ton aufgefallen sein, mit dem am großen Rathenau Kritik geübt wurde. Die Veröffentlichung der Tatsache, daß Rathenau seine „Ernennung“ erzwungen habe, genügte, um die bolschewistische „Neue Zeitung“ in Wut zu versetzen! Um die Spitze nun auf einen anderen zu lenken, nämlich Stinnes, wird die „Frankfurter Zeitung“ herangezogen, deren Londoner Berichterstatter ein Mann sei, „dessen politische Gewissenhaftigkeit außer Zweifel“ stehe, der „auf Grund einflußreichster Beziehungen zu den Londoner Regierungs- und Finanzkreisen über eine umfassende Kenntnis der - Vorgänge in England verfügt“. Den Namen dieses braven Frankfurters - offenbar doch der Leitung der „NZ.“ gut bekannt -, nennt uns das Blatt merkwürdigerweise nicht. Wozu braucht der Arbeiter zu wissen, wer seine Finanzsachverständigen sind! Zum Schluß werden noch die armen „Münchener Neuesten Nachrichten“ angegriffen wegen ihrer „Verdächtigungen Rathenaus“ („NZ.“ Nr. 28). Das an einem Tage. Am andern folgt ein - Angriff gegen Rathenau als einen Vertreter des heutigen Kapitalismus!
Wie reimt sich das alles zusammen, Herr Graf? Stammte der zweite Aufsatz von Ihnen und war Ihnen der erste einfach zur Veröffentlichung diktiert worden, um die „Frankfurter Zeitung“ anzupreisen? Seien Sie doch vorsichtiger, wenn Sie solche Dinge aufnehmen, manche Arbeiter könnten doch noch stutzig werden und bemerken, was das „Berliner Tageblatt“ stolz verkündete, daß zwischen Moskau und dem Westen jetzt „enger gespielt“ wird.
Quellen
- Völkischer Beobachter, 8. Februar 1922.
- Blut und Ehre III, S. 160.
Anmerkungen
Im Original gesperrt gedruckte Abschnitte sind hier kursiv wiedergegeben. Ergänzungen in eckigen Klammern.